05.07.2013 10:15 |

"Hello, NSA"

So halten Sie den US-Geheimdienst auf Trab

Die Enthüllungen des ehemaligen NSA-Mitarbeiters Edward Snowden über das PRISM-Spähprogramm des US-Geheimdienstes haben eines deutlich gemacht: Potenziell alles, was wir im und über das Internet sagen, schreiben und tun, kann in irgendeiner Form abgefangen, mitgelesen und aufgezeichnet werden. Eine Möglichkeit, sich dem Ganzen zu entziehen, wäre, dem Web für immer zu entsagen. Eine andere, die Schnüffeleien mit Humor zu nehmen und der NSA im Gegenzug unnötige Arbeit aufzuhalsen. Die Web-Anwendung "Hello, NSA" zeigt, wie es geht.

Ob E-Mail, Skype-Telefonat oder Facebook-Posting: Praktisch die gesamte Internetkommunikation lässt sich den Enthüllungen der vergangenen Wochen zufolge abhören. Dagegen tun kann man als Privatnutzer wenig. Einzig eine vollständige Verschlüsselung aller persönlichen Daten, noch bevor diese den eigenen Computer verlassen, böte einen einigermaßen zuverlässigen Schutz vor unerlaubtem Zugriff. Komfortabel und im Alltag praktisch umsetzbar ist diese Vorgehensweise jedoch nicht.

Die Macher des Online-Magazins "Motherboard" haben sich deshalb einen anderen, humoristischen Ansatz überlegt und die Web-Anwendung "Hello, NSA" entwickelt. Das Ziel: den US-Geheimdienst mit seinen eigenen Waffen zu schlagen und mit unnötiger Arbeit auf Trab zu halten. Wie das funktionieren soll? Auf Knopfdruck erstellt der kostenlose Satz-Generator sinnfreie Phrasen, die verdächtige Schlüsselbegriffe enthalten, nach denen die US-Schnüffler Ausschau halten.

Mit Vorsicht zu genießen
Diese Sätze lassen sich dann per E-Mail verschicken oder via Facebook und Twitter teilen. Wer allerdings in naher Zukunft beabsichtigt, in die USA einzureisen, sollte von diesem Scherz besser Abstand nehmen und auf den Versand vermeintlicher Bombendrohungen und dergleichen verzichten. Denn in diesem Punkt verstehen die USA nur wenig Spaß.

Von Bomben...
"Hello, NSA" hat dennoch einen seriösen Hintergrund: Alle rot eingefärbten Wörter entstammen einer Liste des US-Heimatschutzministeriums, die Teil des 2011 veröffentlichten "Analyst's Desktop Binder" ist – einem 40-seitigen Richtlinienkatalog, nach dem die Analysten des Department of Homeland Security das Internet durchforsten.

Auf der Liste finden sich Hunderte (englische) Begriffe, darunter viele, die auf mögliche Gefahren hindeuten könnten: Ermordung, Polizei, schmutzige Bombe, Bürgerwehr, Notlandung, Islamist, Al-Kaida, Terrorismus, Todesfälle, Gangs, Gefahr, Gift, Gas, Virus, Radioaktivität, Aufstand und mehr.

...und Schweinefleisch
Aber das US-Heimatschutzministerium durchsucht das Internet auch nach viel allgemeineren Wörtern. Zum Beispiel: Schweinefleisch, Puder, Telekommunikation, U-Bahn, Piraten, Tornado, Verspätung, Eis, Hilfe, Welle, Erdbeben, Wolke, Malware, Virus, Phishing, Stromausfall, Social Media oder Grippe. Auch zahlreiche Staaten wie Nordkorea, Mexiko, Irak, Iran, China, Jemen, Nigeria oder Somalia stehen auf der Liste jener Begriffe, die die Alarmglocken schrillen lassen.

Ein Sprecher der Behörde hatte im Februar 2012 bereits eingeräumt, dass der Richtlinienkatalog noch nicht ausgereift und möglicherweise zu vage sei. Im Zuge einer Routineüberprüfung werde das Department of Homeland Security alle Begriffe evaluieren. Ob dies schon geschehen ist und ob das US-Heimatschutzministerium Änderungen vorgenommen hat, ist nicht bekannt. Anzunehmen ist angesichts der Enthüllungen Snowdens jedoch, dass der NSA und andere Geheimdienste inzwischen über noch viel umfangreichere Kataloge für Schlüsselbegriffe sowie Filter zum Aufstöbern dieser verfügen.

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