Die Lage am Salzburger Wohnungsmarkt spitzt sich zu: Immer mehr Menschen landen auf der Straße. Sozialberater wie Janko Gojkic von der Caritas versuchen den Kreislauf zu durchbrechen.
Ein Einheimischer kam gerade zur Beratung: 50 Jahre alt, immer fleißig, er war sogar Meister seines Handwerks. Und plötzlich kam die Schockstarre, weil ein Unfall ihn arbeitsunfähig machte und kurz darauf der Vermieter seiner Wohnung Eigenbedarf anmeldete. „Er kam eine Zeit lang zu uns in die Notschlafstelle“, schildert Janko Gojkic, Sozialberater bei der Caritas.
Die Konkurrenz am problematischen Salzburger Wohnungsmarkt ist groß. Wer AMS-Bezüge offen legen muss, hat wenig Chancen, als Mieter ausgewählt zu werden. Ausschluss-Kriterium ist häufig auch Krankengeld-Bezug. Wie bei einem chronisch kranken Salzburger Paar, das gerade verzweifelt bei der Caritas Hilfe suchte: „Sie wollten eine Wohnung, wussten aber nicht, dass es gleichzeitig noch sechs weitere Interessenten gab.“
Not kennt kein Alter
Es kann jeden treffen: „Vom 18-Jährigen bis zu 80plus“, schildert der Sozialberater, dass die Not keine Altersgrenzen kennt. Die Zahl der Sozialberatungen stieg 2024 um 17 Prozent. Ein immer größeres Sorgenkind sind ältere, psychische kranke Menschen. Spezialeinrichtungen wie das Albertus-Magnus-Haus der Caritas in Salzburg-Parsch fehlen. 40 Menschen stehen auf der Warteliste. Nachdem Soziallandesrat Christian Pewny (FPÖ) das Vorhaben Haus Bolaring absagte, ist keine Entspannung in Sicht.
Pensionszimmer als einziger Ausweg
„Für eine 40 bis 50 Quadratmeter große Wohnung liegen wir in der Stadt am freien Markt bei 900 Euro“, weiß Gojkic. Er geht für verzweifelte Klienten oft auch die Immobilien-Inserate durch. Neuen Wohnraum zu vermitteln, wird immer mehr zum Kraftakt. Als erster Ausweg bleibt für Wohnungslose ein Pensionszimmer. Rund 100 Betroffene leben derzeit in Salzburg in so einem privaten Quartier. Die Kosten steigen parallel zu den horrenden Preisen am freien Immobilienmarkt auch hier. Die Caritas hilft in Folge mit Projekten wie „Mein Zuhaus“ in der Hübnergasse, wo Menschen bis zu drei Jahre wohnen und betreut werden. Gojkic: „Dort erleben sie wichtige Schritte zurück in die Normalität.“
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