Kritik von Athleten am dichten Terminkalender im Weltcup kann Vincent Kriechmayr nicht nachvollziehen. „Der alpine Skisport ist einzigartig, weil wir so eine kurze Saison haben. Vor allem, wenn man bedenkt, dass wir Speedathleten im Dezember anfangen und Ende März aufhören. Wir fahren vier Monate Saison und trainieren acht Monate – in welchen Sportarten kommt das vor?“
Jeder wolle Rennen fahren, betonte Kriechmayr. Die Belastung könne man zudem „schon selber steuern“.
Kriechmayr will Schlampigkeit ablegen
Kriechmayr hat in der vergangenen Saison laut eigener Aussage etwas die Freude am Skifahren verloren. Der Doppel-Weltmeister von 2021 durchlebte vor allem in der Abfahrt eine Durststrecke und schaffte nur einen Podestplatz, im Super-G gewann er zwei Rennen. „Letztes Jahr bin ich einfach schlampig Ski gefahren“, meinte der Oberösterreicher mit etwas Abstand. Vor dem Speedauftakt in Beaver Creek sprach Kriechmayr auch über Druck und Belastung sowie die Speed-Klassiker.
Nur insgesamt drei Mal stand Kriechmayr in der Vorsaison auf dem Podium. In Gröden und Kvitfjell triumphierte er im Super-G, in Norwegen war er in der Abfahrt zudem Zweiter. Mit dieser Ausbeute und den dahinter stehenden Leistungen war der mittlerweile 33-Jährige überhaupt nicht zufrieden. „Die letzte Saison war generell bescheiden“, sagte er. Gescheitert sei es an verschiedenen Dingen – zum einen an der Technik. „Mein System funktioniert nur, wenn ich auch gut am Ski stehe, das ist mir letztes Jahr nicht ganz so gelungen.“
Anschluss verloren
Zudem hätten Marco Odermatt und Cyprien Sarrazin das Niveau deutlich in die Höhe geschraubt, „da habe ich den Anschluss ein bisschen verloren letztes Jahr“. Auch das Selbstvertrauen habe nicht mitgespielt. Er sei dann zu verbissen gewesen, berichtete Kriechmayr. „Wenn es läuft, dann weiß man nicht, warum. Wenn es nicht läuft, versucht man halt, an allen Schrauben zu drehen, bis man sich irgendwann einmal selber verdreht.“
„Druck ist etwas Positives“
Schon im laut ihm ausgezeichneten Sommertraining in Südamerika habe er versucht, mehr ans Limit zu gehen. „Ich hoffe, das ist mir gelungen.“ Gewinnen könne er noch genug, sagte der Sieger von 18 Weltcup-Rennen vor einer Saison mit dem Höhepunkt der Heim-WM in Saalbach-Hinterglemm. Richtig los geht es am 6. Dezember mit der Abfahrt in Beaver Creek. „Spätestens wenn man beim ersten Speedrennen am Start steht, wird der Druck sehr hoch sein – vor allem der Druck, den man sich selber macht. Aber das ist ja auch etwas Gutes. Hannes Trinkl hat einmal gesagt: Druck ist etwas Positives, und so sehe ich es auch.“
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