Solidaritätswelle

Josef Wimmer: “Ich fühle mich wieder wie ein Mensch”

Österreich
14.03.2013 17:00
Das "Krone"-Interview mit dem fristlos entlassenen und wegen Amtsmissbrauchs verurteilten "Mistkübler" Josef Wimmer (61) hat zahllose Reaktionen von Betroffenen ausgelöst. Haupttenor der Anrufe und E-Mails: Warum wurden er und seine beiden Kollegen von der MA 48 nicht verwarnt?

Herr Wimmer, der am Mittwochabend auch in der TV-Sendung "Konkret" auftrat, ist von der Solidarität überwältigt. "An meiner Situation ändert es zwar nichts, aber ich fühle mich wieder wie ein Mensch." Weil er seine Abfertigung verloren hat, kann Josef Wimmer seiner Mutter und seinem Freund das Geld nicht zurückzahlen, das er für einen Anbau ausgeborgt hat. Einige "Krone"-Leser haben Herrn Wimmer sogar Geldscheine in Briefkuverts geschickt.

Anwalt: "Es trifft vor allem ältere Semester"
Für Thomas Mödlagl, den Anwalt von Josef Wimmer, ist das Urteil gegen die drei Müllmänner kein Einzelfall: "Ich vertrete noch weitere Mitarbeiter der MA 48, zwei Fälle sind bereits gerichtsanhängig." Unter der neuen Führung werde bei der MA 48 gespart und gestraft, so der Anwalt: "Es trifft vor allem ältere Semester." Zu viel Mist mitzunehmen, sei nur eines von mehreren Fehlverhalten, das den Magistratsmitarbeitern vorgeworfen und verfolgt werde, erklärte Mödlagl.

"Krone"-Leser bringen in Briefen Verwunderung zum Ausdruck
In Briefen bringen "Krone"-Leser ihre Verwunderung über die Beschattung der "Mistkübler" zum Ausdruck. "Der Einsatz des Spionageteams wäre andernorts vielleicht besser eingesetzt", schreibt etwa Lieselotte Kainz, "während die Kleinen bestraft werden, jonglieren die Großkopferten mit Millionen." 

"Solche Zustände gibt es erst, seit Herr Thon MA-48-Chef ist", meint ein früherer, mittlerweile pensionierter Mitarbeiter, der lieber anonym bleiben möchte. 30 Berufsjahre lang hat er als Müllmann gearbeitet. "Dass Kollegen beschattet werden, so was hat es früher nicht gegeben. Wenn bei einer Tour etwas nicht in Ordnung war, dann ist zunächst der Aufseher informiert worden, dann der Inspektor und dann der Oberinspektor", so der Pensionist. Im "Freien Wort" zitiert Friedrich-Karl Ludwig den römischen Staatsmann Cicero: "Auch auf die Spitze getriebenes Recht ist höchstes Unrecht."

MA-48-Chef: "Bei Straftaten gibt es keine Verwarnungen"
Die zuständige Stadträtin Ulli Sima wehrt sich gegen diese "Bagatellisierung", will aber zum Fall selbst nichts sagen. Die Frage, warum die Müllmänner nicht verwarnt worden seien, beantwortet MA-48-Chef Thon im Gespräch mit der "Krone" so: "Bei Straftaten gibt es keine Verwarnungen."

127.000 klickten seine Story an
Auf krone.at war das Sonntagsinterview mit Josef Wimmer die meistgelesene Geschichte seit der Bundesheer-Volksbefragung: Rund 127.000 klickten seine Story an - mehr als den Rücktritt von Benedikt XVI., die Verurteilung von Estibaliz C. oder den Salzburger Finanzskandal.

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