Der am Mittwoch gestartete „Salzburg Summit“ erlebt am Freitag mit einem Kurzvortrag von Boris Johnson seinen Höhepunkt – das stößt vielerorts auf Verstörung. Die kommt auch aus dem schwarzen Lager.
Intelligenz, Eloquenz: Daran fehlt es Boris Johnson nicht. Der britische Premierminister bis 2022 und Eliteschulabsolvent kann minutenlang auf Altgriechisch Passagen aus Homers Illias vortragen. Es gibt aber auch jenen Johnson, der sein Land in den Brexit und somit ins Verderben getrieben, es mit der Wahrheit selten genau genommen hat. Skandale kosteten dem Mann, der sich mit Moses verglich und Katzen und Hunden bei der Flug-Evakuierung 2021 aus Afghanistan den Vorzug gegenüber Menschen gab, das Amt.
Viele bekannte Salzburger schießen sich vor dem morgigen Auftritt des Ex-Politikers beim Salzburg Summit auf den 60-Jährigen ein. Zur Erinnerung: Die ÖVP-nahe Industriellenvereinigung ist Mitorganisator des Treffens bekannter Persönlichkeiten. Kritik am Höhepunkt der internationalen Vortragsreihe kommt auch aus dem schwarzen Lager.
„Welches Signal soll der Totengräber aussenden?“
„Mir schmeckt es nicht, dass die WKS gar nicht eingeladen ist“, sagt Wirtschaftskammer Salzburg-Boss Peter Buchmüller. Und: „Dass man Johnson, der den Brexit vorantrieb, so eine Bühne gibt, finde ich nicht gut. Ich wüsste nicht, wie man davon profitieren soll!“
„Fragwürdig“ findet es auch SPÖ-Europasprecherin Sabine Klausner, „warum just Johnson als Hauptredner beim Salzburg Summit“ auftaucht. „In Großbritannien liegen Gesundheitssystem und Wirtschaft am Boden.“ Verstört reagiert Stadt-Vizebürgermeister Kay Dankl (KPÖ Plus): „Johnson hat ein Land in den Abgrund getrieben, ist radikaler Neoliberaler, der auf den größten Vorteil für Konzerne aus ist. Nebenbei geht die Schere zwischen Arm und Reich weiter auf.“
Gut 15 Minuten dürfte Johnsons Vortrag heute dauern, den Rest der Stunde steht er den geladenen Gästen zur Podiumsdiskussion zur Verfügung. Kritik wird, so sie aufkommt, von Teflon-Boris abprallen wie zu seinen besten Zeiten als skandalumwobener britischer Geschichtenerzähler.
„Ich frage mich, welches Signal der Totengräber der EU-Mitgliedschaft Großbritanniens aussenden soll“, fragt sich Anna Schiester (Bürgerliste).
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