Mo, 20. August 2018

krone.at-Interview

11.12.2012 13:03

Baric: "Rapid-Sportdirektor? Das wäre was für mich"

"Schauen Sie..." - "Otto Maximale" in Hochform! Auch mit fast 80 Jahren gibt Trainer-Legende Otto Baric im Talk mit krone.at den unbändig-quirligen Hansdampf in allen Gassen, plaudert im unverkennbaren Deutsch-Kroatisch-Kauderwelsch über Österreichs WM-Chancen, fehlende Visionen in Salzburg, unberechtigte Kritik an Teamchef Marcel Koller - und "bewirbt" sich als Rapid-Sportdirektor.

krone.at: Was treiben Sie so in Ihrer Fußball-Pension, Herr Baric?
Otto Baric: Mir geht nichts ab. Ich arbeite teilweise als Berater für Dinamo Zagreb und den kroatischen Fußballverband. Außerdem schreibe ich ein Buch. Ich bin sehr glücklich.

krone.at: Vom Trainerjob haben Sie keine Entzugserscheinungen?
Baric: Nein, gar nicht. Ich habe wirklich sehr lange in diesem Geschäft gearbeitet. Davon habe ich wirklich genug.

krone.at: 2007 haben Sie Ihr Engagement als Teamchef von Albanien beendet. War Ihnen damals schon klar, dass das die letzte Trainerstation sein würde?
Baric: Jein. Wenn ein gutes Angebot gekommen wäre, hätte ich es mir noch einmal überlegt. Aber das wäre nur für eine Nationalmannschaft gegangen. Den täglichen Stress als Klubtrainer wollte ich mir nicht mehr antun.

krone.at: Während der Europameisterschaft im Sommer haben Sie als TV-Analytiker für das kroatische Fernsehen gearbeitet. Ihre Erkenntnisse?
Baric: Kroatien war sehr solide. Die Mannschaft hat es aber mit Spanien in einer Gruppe sehr schwer gehabt. Trotzdem hat sie sich teuer verkauft.

krone.at: Wie viel fehlt der österreichischen Nationalmannschaft auf das Niveau der kroatischen?
Baric: Immer weniger. Ich habe in letzter Zeit sehr viele Spiele der Österreicher gesehen, auch das gegen Deutschland. Meine Meinung ist, dass Österreich im Kommen ist. Fast alle Teamkicker spielen in Deutschland, die Nachwuchsarbeit bei den Vereinen wird immer besser. Früher hatten die österreichischen Klubs sehr viele "Gastarbeiter", das ist jetzt auch nicht mehr so. Ich glaube, dass der Unterschied zu den Top-Nationen immer geringer wird.

krone.at: Wie beurteilen Sie in der Retrospektive Ihre Arbeit als österreichischer Teamchef?
Baric: Ich glaube, sie war sehr erfolgreich. Wir sind zwar in der WM-Qualifikation an der Türkei gescheitert, aber später hat man gesehen, dass die Türkei zu den Top-Nationen Europas gezählt hat. Außerdem hatte ich massive Probleme bei den Spielen gegen Israel – insgesamt sieben Spieler haben sich geweigert, dort zu spielen. Das war nicht einfach.

krone.at: Einer Ihrer Nachfolger, der aktuelle Teamchef Marcel Koller, wurde bei seiner Bestellung mitunter hart kritisiert. Er sei kein Österreicher, kenne die Gepflogenheiten nicht, hieß es da. Konnten Sie die Kritik verstehen?
Baric: Es ist doch immer das Gleiche. Kaum wird ein Mann präsentiert, sind die ersten Kritiker schon zur Stelle, noch ehe er einen Tag gearbeitet hat. Ich habe Koller schon aus der Schweiz gekannt, er ist ein guter Mann. Ich wünsche ihm viel Glück, das hat er sich verdient.

krone.at: Wird Koller es mit seiner Mannschaft zur WM nach Brasilien schaffen?
Baric: Eine Chance ist immer da, auch wenn du Deutschland in der Gruppe hast. Vielleicht nützt sie Österreich ja.

krone.at: Lassen Sie uns über den österreichischen Klubfußball sprechen. Sie waren mit Rapid und Salzburg extrem erfolgreich...
Baric: Zu Salzburg muss ich gleich etwas sagen: Salzburg hat heute im Vergleich zu meiner Zeit phänomenale Mittel zur Verfügung. Trotzdem war die Begeisterung damals viel größer, weil wir viel mehr Erfolg gehabt haben. Ich wünsche den Salzburgern heute wieder diesen Erfolg, aber um Erfolg zu haben, braucht man Visionen. Und die scheinen mir bei Red Bull zu fehlen.

krone.at: Wurden die falschen Leute geholt?
Baric: Das kann ich aus der Ferne nicht beurteilen. Ich bin mir aber sicher, dass für das Geld, das dort investiert wird, mehr herausschauen müsste.

krone.at: Eine andere Baustelle: Rapid. Auch dort haben sie als Trainer praktisch alles gewonnen. Derzeit mehren sich in Hütteldorf wieder einmal die kritischen Stimmen. Was läuft Ihrer Meinung nach falsch beim Rekordmeister?
Baric: Der Klub wird sehr gut geführt, da gibt es nichts zu sagen. Rapid hat sich nie in Schulden gestürzt. Die Klubführung riskiert aber auch nichts. Bei Holzbach, der zu meiner Zeit Rapid-Präsident war, oder auch bei Quehenberger in Salzburg war das anders. Damals wurde auch in Spieler investiert. Aber die heutige Klubführung holt keine teuren Spieler mehr. Daher schlittert Rapid ab und zu in Schwierigkeiten. In der Meisterschaft kann man halbwegs vorne mitspielen, aber international reicht's dann doch nicht. Die Spieler sind gut, aber nicht super.

krone.at: Rapid sucht derzeit einen Sportdirektor. Wäre das nicht etwas für Sie?
Baric: Das wäre etwas für mich! Aber wissen Sie, wann? Wenn der Präsident zur Meinung kommt, dass er einen Mann braucht, der viel von Fußball versteht und eine große Rapid-Vergangenheit hat. Dann kann er sich gerne bei mir melden.

krone.at: Sollen wir das an den Präsidenten so weitergeben?
Baric: Das können Sie gerne tun, ja.

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