Freunde stehen ihm bei

DJ nach Unfall gelähmt: „Will es nochmal wissen“

Steiermark
08.06.2024 16:00

Eigentlich sorgt Gernot Kolb alias DJ Chiquita bei Events und Clubbings für gute Stimmung. Doch seit einem schweren Motorradunfall heuer im Frühjahr sitzt er im Rollstuhl. DJ-Kollegen und Freunde organisieren nun ein Charity-Event für ein barrierefreies Zuhause.

Dieser Sommer hätte für Deejay Chiquita unvergesslich werden sollen. Die „80er & 90er-Partys“ des Steirers werden überall im Land gestürmt, auch bei den großen Events in Schladming oder der Formel 1 in Spielberg ist der Stimmungsmacher fix an den Turntables.

Statt ausgelassener Stimmung ist der neue Alltag von Gernot Kolb jedoch mit Therapien ausgefüllt. „Ich lerne wie ein Kleinkind die banalsten Dinge, die sich ein gesunder Mensch gar nicht vorstellen kann“. Der 42-Jährige beklagt sich aber nicht, sondern ist heilfroh, im Reha-Zentrum Tobelbad auf das Leben danach vorbereitet zu werden. „Ich will wissen, wozu ich trotz Querschnittslähmung noch fähig bin“, sagt er.

Gernot Kolb im Reha-Zentrum in Tobelbad (Bild: Kolb privat)
Gernot Kolb im Reha-Zentrum in Tobelbad

Am heurigen Josefitag hat das Schicksal dem pulsierenden Leben des Deejays nämlich eine Kehrtwende verpasst. Auf einer Rennstrecke nahe Rijeka passierte dem erfahrenen Biker der tragische Unfall. Er krachte mit gut 250 km/h gegen eine Absperrung. Erhebungen ergaben ein Bremsversagen, womit der Unfalllenker auch keine Chance hatte, dem Unheil auszuweichen. Die Folgen des schweren Unfalls waren lebensbedrohend: Serienbrüche, innere Verletzungen und starke Blutungen, eine zerbissene Zunge und der Bruch des 6. und 7. Brustwirbels.

Keine Erinnerung an den tragischen Unfall
Die Erinnerungen daran fehlen, das Hirn hat die traumatischen Momente des Unfalls als Selbstschutz ausgeblendet. „Ich weiß nur, dass ich vor der Fahrt noch einen Toast gegessen habe. Dann der Filmriss. Erst nach dem Aufwachen aus dem Tiefschlaf erinnere ich mich an den Besuch meiner Freundin und Tante in der Intensivstation.“ Gernot begann, seinen Körper abzutasten, von einer gewissen Höhe abwärts hatte er kein Gefühl mehr. Was tatsächlich passiert ist, belegen Augenzeugen und Unfallfotos.

„Wir wissen nicht, ob Gernot diese Verletzungen überstehen wird“, hat Hans Windisch kurz nach der Einlieferung in das UKH Rijeka erfahren. Der Hügellandwirt hat seinen Biker-Freund auf dieser Tour im März begleitet. Auch bei ihm sitzt der Schock tief. „Mir ist erst jetzt die große Gefahr und das Risiko bewusst geworden. Ich habe daraufhin sogar mein Motorrad verkauft“.

Gernot Kolb auf seinem Motorrad – nach seinem Unfall haben Freunde ihre Maschinen verkauft (Bild: Kolb privat)
Gernot Kolb auf seinem Motorrad – nach seinem Unfall haben Freunde ihre Maschinen verkauft

Freunde von Kolb denken und handeln ähnlich. „Natürlich war mir bewusst, dass die Gefahr immer mitfährt. Aber du blendest das aus, sonst würde keiner auf ein Motorrad steigen“, rechtfertigt sich Kolb, der beleidigende Kommentare auf seinen Motorradunfall erhalten hat. Quasi: Wer mit dem Feuer spielt, verbrennt sich auch.

Freunde helfen mit einem Charity-Event
Bis auf wenige Ausnahmen zeigen sich die echten Freunde aber emphatisch und wollen helfen, wo es nur geht. Sei es mit Besuchen in der Reha, langen Telefongesprächen oder auch finanziell. Denn es kommen hohe Folgekosten auf Kolb zu, der nach der Reha ein barrierefreies Zuhause braucht. Das bisherige Wohnhaus muss verkauft werden, da ein behindertengerechter Umbau zu kostspielig und aufgrund dicker Mauern und vieler Stiegen gar nicht machbar wäre. Die Heimatgemeinde Nestelbach würde Gernot eine Wohnung zur Verfügung stellen. Der barrierefreie Umbau müsste aus eigener Tasche finanziert werden.

Um dabei zu helfen, organisieren Freunde, Feuerwehr- und DJ-Kollegen am 15. Juni eine Benefizveranstaltung im Hügellandhof (Lassnitzhöhe). Ab 16 Uhr startet die Charity „Eat & Beat“, bei der zahlreiche DJs auflegen und die Gäste auch kulinarisch fein versorgt werden. „Was da Freunde für mich machen, gibt mir viel Lebenskraft und macht Mut, die Barrieren im neuen Leben meistern zu können“, sagt Kolb.

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