Gleich zwei neue Ausstellungen locken ins Grazer Kunsthaus: Bildhauerin Alicja Kwade kommentiert mit ihren Arbeiten Sol LeWitts „Wall“, während Eva Egermann und Cordula Thym ihren Diagonale-Trailer in den Raum ausweiten.
Alicja Kwade ist kein unbeschriebenes Blatt in der internationalen Kunstszene. In ihren Werken erforscht die in Berlin arbeitende Bildhauerin immer wieder die Beziehungen von Körper und Raum, Materie und Geist. Dabei stellt sie gerne das, was wir als wissenschaftlich erwiesen annehmen, infrage und lässt uns an unserer Wahrnehmung zweifeln.
Das gelingt ihr auch mit ihren wenigen, aber umso ausdrucksstärkeren Arbeiten im Grazer Kunsthaus. Rund um Sol LeWitts „Wall“ spielt sie geradezu mit den Begriffen Leichtigkeit und Schwere und tritt damit in einen ganz unmittelbaren Dialog mit der dominierenden Wand.
Spiel mit Schwere und Leichtigkeit
Gleich zu Beginn trifft man auf perfekt geformte Marmorkugeln, eine davon wird durch einen Bronzestuhl zum „Siège du Monde“, zum Sitz der Welt. Bronze formt auch eine Orangenschale auf einem schmalen weißen Marmorsockel, dessen Dichte spürbar ist. Die Schwere der Steine, die sich in „Superheavy Skies“ elegant als Mobile bewegen, kann man hingegen nur erahnen. Und schließlich entdeckt man noch eine Uhr, die keine Zeit anzeigt, weil sie selbst stellvertretend für die Zeit steht.
In all ihren Arbeiten hinterfragt Kwade die physikalischen Gesetze mit ungemein präzise ausgeführten Objekten. Und mit einem leisen Augenzwinkern schubst sie dabei unser Weltbild aus den Fugen. Spannend und schön – bis 5. Mai.
Auch Eva Egermann und Cordula Thym, Gewinnerinnen des Diagonale-Preises für innovatives Kino 2023, sind mit unserem Weltbild nicht zufrieden. Also zeigen sie in Kooperation mit dem Filmfestival ihre Präsentation „C-TV“ als „Beitrag zur Verschiebung der sozialen Erdatmosphäre“.
Mit Requisiten und Hintergrundmaterialien verwandeln sie den prämierten Film „C-TV“ in einen Erfahrungsraum und zeigen eine Welt, in der die Vielfalt regiert, Menschen mit Behinderung die Gemeinschaft mit prunkvoller Buntheit bereichern und alles, was heute als Norm gilt, einer überwundenen Vergangenheit angehört.
Barrierefreiheit ist in dieser Ausstellung Programm, dazu gehört auch die Begleitliteratur und die Beschriftung in einfacher Sprache sowie das umfangreiche Vermittlungsprogramm für Schulen.
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