Ergebnis steht fest

Österreichs größte Vogelzählung zeigt rote Zahlen!

Anfang Jänner lud die Vogelschutzorganisation Bird Life bereits zum 14ten Mal zur großen Wintervogelzählung. Mehr Menschen denn je nahmen an diesem landesweiten Wissenschaftsprojekt teil - zählten aber weniger Vögel als in den Jahren davor. Ein langfristiger Trend deutet auf ein Artensterben hin. 

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24.532 Österreicher übermittelten ihre Zählergebnisse im Rahmen der „Stunde der Wintervögel“ an die Vogelschutzorganisation BirdLife. Die durchschnittliche Anzahl der Vögel pro Garten lag heuer bei 26. Das ist der niedrigste Wert, der jemals erreicht wurde und war deutlich unter dem langjährigen Durchschnitt von 36 Vögel pro Garten, und nochmals deutlich weniger als im Vorjahr (31 Vögel pro Garten). Dieser Rückgang war in allen Bundesländern zu beobachten.

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Welche gravierenden Auswirkungen Klimaerwärmung auf den Vogelbestand hat, müssen wir zur Stunde der Wintervögel in den nächsten Jahrzehnten live beobachten.

Gábor Wichmann, Geschäftsführer BirdLife Österreich

Nur teilweise stabil
„Dabei konnten Vogelarten, die auch im Winter stark auf Siedlungen konzentriert sind, wie der Haussperling, die Türkentaube oder auch der Stieglitz, die Vorjahresergebnisse halten. Bei Aaskrähen und Saatkrähen war eine leichte Zunahme im Vergleich zum Vorjahr bemerkbar, nachdem die Krähen in der Vergangenheit deutlich im winterlichen Bestand abgenommen hatten. Jeder zehnte Teilnehmende konnte sich über Schwanzmeisen an der Futterstelle freuen, was etwas über dem Vorjahrswert lag“, weiß Gábor Wichmann, Geschäftsführer von BirdLife.

TOP-3-Wintervögel im Siedlungsraum
Der Hausspatz war bei der diesjährigen Zählung wie im Vorjahr beinahe in jedem zweiten Garten anzutreffen, und stellte die häufigste im winterlichen Siedlungsraum anwesende Vogelart. Bei diesem Siedlungsspezialisten sind die registrierten Rückgänge im Verlauf seit Anbeginn der Wintervogelzählung im Vergleich zu anderen Arten noch moderat, doch ebenfalls feststellbar: Die Schwarmgröße reduzierte sich und auch ihr durchschnittlicher Winterbestand im Siedlungsraum war über die letzten zehn Jahre tendenziell fallend, jedoch mit einer Stabilisierung in den letzten vier Jahren.

Negativer Trend
Noch deutlicher ist der langjährige Rückgang bei der zweitplatzierten Kohlmeise: Im Verlauf der Zählreihe ist ein negativer Trend zu bemerken, auch wenn die Ergebnisse Jahr für Jahr stark schwanken. Der drittplatzierte Feldsperling weist über die Datenreihe ähnlich wie der Haussperling einen leicht negativen Trend auf.

Falscher Frühling sorgt für verändertes Vogelverhalten
„Die Vögel waren witterungsgünstige Selbstversorger!“, erfasst Gábor Wichmann: "Sie hielten sich am Zählwochenende eher außerhalb unserer Städte und Dörfer auf. Dafür gibt es einige Erklärungen: Es war ausreichend natürliche Nahrung vorhanden, weil wichtige Nahrungsbäume wie Fichten und Buchen im vergangenen Herbst erneut besonders viele Früchte ausbildeten, die zu Jahresbeginn kaum von Eis oder Schnee bedeckt waren.“

Erneutes Mastjahr
„Aufgrund der Klimaerwärmung häufen sich in den letzten zehn Jahren derartige Mastjahre. Aus unserer inzwischen 14-jährigen Datenreihe lässt sich auslesen, dass ein starker Zusammenhang zwischen Winterhärte und Anzahl der Vögel im Siedlungsraum besteht. Das bedeutet gleichzeitig, dass die Vögel bei milder Witterung vermehrt im Wald bleiben und weniger in die Siedlungen einfliegen“, so Wichmann und weiter:

„Auch ein geringerer Zuzug von Vögeln aus dem Norden oder Nordosten Europas aufgrund milderer Winter, wie auch eine mögliche bessere Nahrungsverfügbarkeit ebendort, führen zu einem Rückgang unserer Wintervögel im Garten. Wetter- sowie nahrungsbedingte Wanderbewegungen der Vögel innerhalb Österreichs und von den Bergen in die Täler beeinflussen die Zahlen der Vögel im Siedlungsraum ebenso. Auch die ungebremste Bodenversiegelung, der zunehmende Verlust alter Baumbestände und eine naturferne Gartengestaltung spielen vermutlich eine Rolle, warum kontinuierlich weniger Vögel im winterlichen Siedlungsraum gezählt werden.“

Frühlingsanzeichen zu Beginn des Jahres
Besonders auffällig für den Ornithologen waren die überaus warmen Temperaturen zu Jahresbeginn, wodurch die Vögel bereits heftig zu zwitschern und ihre Reviere zu besetzen begannen. Solch bisher untypisch warmen Winter werden durch die Klimaerwärmung immer mehr zur Normalität. „Welche gravierenden Auswirkungen das auf den Vogelbestand hat, müssen wir zur Stunde der Wintervögel in den nächsten Jahrzehnten live beobachten!“, so Wichmann: „Ein angenehmes Frühlingswetter im Winter darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass dies bereits erste Auswirkungen der menschenverursachten Klimakatastrophe sind, die nicht ohne Folge bleiben!“ 

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(Bild: kmm)