So, 23. September 2018

krone.at-Interview

15.08.2011 16:21

Mainz-Kicker Andy Ivanschitz: "Zu brav bin ich sicher nicht"

Andreas Ivanschitz rockt die deutsche Bundesliga! Der feinsinnige Kreativgeist orchestrierte mit Top-Leistungen in den ersten beiden Partien den perfekten Saisonstart des Mainzer Gute-Laune-Ensembles. Im krone.at-Talk sinniert der 27-jährige Primgeiger über den Mainzer Erfolgsrun in der Liga, das bittere Out in der Europa League und die Entwicklung seiner Persönlichkeit. Nur zur Causa Nationalteam schweigt er.

krone.at: Gratulation zum super Saisonstart – sechs Punkte aus den ersten beiden Spielen plus Tabellenführung. Wie zufrieden bist du bislang mit deinen persönlichen Leistungen, Andy?
Andy Ivanschitz: Ich kann auf jeden Fall zufrieden sein. Der gute Start tut uns allen gut. Auch ich habe zwei gute Leistungen gebracht, das war extrem wichtig. Wir sind froh, dass wir so gut in die Saison gestartet sind. Aber jetzt geht's weiter, wir dürfen auf keinen Fall locker lassen.

krone.at: Im Spiel gegen Freiburg hast du am Samstag läuferisch die besten Werte in der Mainzer Mannschaft aufzuweisen gehabt. Würdest du sagen, du bist körperlich so fit wie nie zuvor?
Ivanschitz: Ich denke, dass es noch zu früh ist, jetzt schon irgendwelche Bilanzen zu ziehen. Aber Fakt ist: Ich habe in der Vorbereitung keine einzige Trainingseinheit versäumt. Ich fühle mich gut und körperlich topfit. Trotzdem: Es sind gerade einmal zwei Runden gespielt. Da wäre es nicht normal, wenn man schon bei 100 Prozent seiner Leistungsfähigkeit stehen würde. Dafür braucht es noch den Spielrhythmus.

krone.at: In Mainz träumt so mancher Fan schon wieder von der Wahnsinnsserie aus der Vorsaison, als man die ersten sieben Bundesliga-Spiele allesamt gewinnen konnte. Ist dieser Rekord innerhalb der Mannschaft ein Thema?
Ivanschitz: Ich glaube, dass niemand in der Mannschaft daran denkt. Was wir voriges Jahr vollbracht haben, war eine außergewöhnliche Leistung. Jetzt ist es eine Momentaufnahme, die wir sehr genießen und die uns sehr gut tut. Aber wir orientieren uns keineswegs an der vergangenen Saison, sondern konzentrieren uns auf die Gegenwart.

krone.at: Von wegen Momentaufnahme: Saisonübergreifend seid ihr schon wieder sieben Spiele in Folge ungeschlagen, habt die letzten fünf Partien gewonnen. Das kann doch nicht nur eine Momentaufnahme sein. Da machst du's dir wohl ein bisschen zu einfach…
Ivanschitz (lacht): Ich bleibe dabei: Es ist eine positive Momentaufnahme, die aber zweifelsohne zeigt, dass die Mannschaft Qualität besitzt. Und sie zeigt auch, dass wir trotz vieler Neuzugänge schon ziemlich gefestigt sind und immer besser zueinander finden.

krone.at: Bei all den tollen Leistungen in der Bundesliga fragt man sich, wie das mit dem Ausscheiden in der Europa League gegen Gaz Metan Medias zusammenpasst. Hast du eine Erklärung dafür?
Ivanschitz: Wir hätten in beiden Spielen gewinnen können, sogar müssen. Wir hatten die klar besseren Torchancen. Normalerweise müssen wir das Heimspiel schon mit 3:1 oder 4:1 gewinnen und dürfen gar nicht erst mit einem 1:1 zum Rückspiel fahren. In der Bundesliga war es jetzt dagegen so, dass wir aus weniger Chancen mehr Tore gemacht haben. Das war ausschlaggebend. Wir wissen, dass wir gegen Gaz Metan Medias nicht ausscheiden dürfen. Deswegen waren wir auch sehr enttäuscht, weil es unser großes Ziel gewesen wäre, in die Gruppenphase der Europa League einzuziehen.

krone.at: Das Ziel könnte statt euch jetzt die Wiener Austria erreichen, die im Play-off auf Gaz Metan Medias trifft. Was traust du den Veilchen zu?
Ivanschitz: Es gibt definitiv Chancen für die Austria, weil sie offensiv viel Qualität hat. Überhaupt glaube ich, dass die Austria stärker ist als Gaz Metas Median. Andererseits: Die Gegner haben jetzt natürlich auch Selbstvertrauen – leicht wird's für die Austria also nicht.

krone.at: Zurück zu Mainz. Wie hat sich das Spiel durch die Abgänge von Holtby und Schürrle verändert?
Ivanschitz: Überhaupt nicht. Unser Spiel ist genauso laufintensiv, wir wollen mehr laufen als der Gegner, das fordert auch der Trainer von uns. Er will sehen, dass die Spieler in jedem Training und in jedem Spiel ans Limit gehen. Das sind einfach Mainzer Tugenden, die auch heuer wieder zum Einsatz kommen.

krone.at: Viele meinen, durch die Abgänge von Holtby und Schürrle sei dein Stammplatz in der Mannschaft ohnehin in Stein gemeißelt. Siehst du das auch so?
Ivanschitz: Nein. Die Konkurrenz ist ja genauso groß, wir sind auf jeder Position doppelt besetzt, auch auf meiner. Es wird niemandem etwas geschenkt, auch mir nicht – selbst wenn ich schon länger in Mainz bin.

krone.at: Man hat in der Vorsaison, als du oft nicht von Beginn an gespielt hast, trotz allem nie den Eindruck gehabt, dass du die Nerven verlieren könntest. Stimmt dieser Eindruck oder ist dir in Wahrheit insgeheim schon auch mal der Kragen geplatzt?
Ivanschitz: Ich habe versucht, professionell mit der Situation umzugehen. Ich habe ja eine sehr gute Saison gespielt und auch meinen Anteil an den Erfolgen der Mannschaft gehabt. Ich habe mich immer als wichtigen Spieler gesehen und das in vielen Gesprächen vom Trainer auch bestätigt bekommen. Nur so kannst du das so handhaben, wie ich es getan habe: Ich habe auf meine Chance gewartet. Und wie man sieht, hat es sich gelohnt. In den vergangenen Jahren habe ich viel dazugelernt und mich auch als Persönlichkeit weiterentwickelt. Ich denke jetzt professioneller.

krone.at: Hättest du aber nicht gerade in Zeiten, in denen du nicht zum Zug gekommen bist, öfter auf den Tisch hauen müssen? Es gibt ja immer noch Experten, die meinen, du wärst für das internationale Geschäft zu brav.
Ivanschitz (lacht): Zu brav bin ich sicher nicht. Es bringt ja nichts, in der Öffentlichkeit auf den Tisch zu hauen. Du musst auf dem Platz Gas geben und das habe ich gemacht. Das zeugt von Professionalität. Und schließlich wurde ich dafür auch belohnt. Ich habe einen guten Stand in der Mannschaft, bin im Mannschaftsrat und gehöre auch dort zu den festen Größen. Nur: Wenn die Mannschaft, wie im Vorjahr, sieben Spiele in Folge gewinnt, musst du dich halt mitfreuen – auch wenn du nicht immer dabei bist.

krone.at: Eine gute Überleitung: Hast du das Ländermatch Österreich gegen die Slowakei gesehen?
Ivanschitz: Teilweise, ja. Zum Teil hab ich auch Deutschland gegen Brasilien geschaut.

krone.at: Deine Analyse?
Ivanschitz: Die Leistung des Nationalteams möchte ich nicht kommentieren. Das bringt nichts.

krone.at: Vielleicht willst du ja etwas zum möglichen Abgang von Teamchef Didi Constantini, der dieser Tage in Österreich oft diskutiert wird, sagen.
Ivanschitz: Auch da werde ich mich logischerweise zurückhalten. Schließlich geht es ja um den österreichischen Fußball und nicht um einzelne Personen.

krone.at: Das heißt aber nicht, dass du mit dem Thema Nationalteam abgeschlossen hast, oder?
Ivanschitz: Definitiv nicht. Ich habe mit Sicherheit noch nie ans Aufhören gedacht.

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