Wenn Bewegung zur Qual wird: 80 Prozent der Schmerzen betreffen den Bewegungsapparat, wobei sich Rücken- und Gelenksleiden die Waage halten. Ein renommierter Sportmediziner verrät, ab wann Sie zum Arzt müssen.
Unsere Sport- und Bewegungsmöglichkeiten waren während der Pandemie starkt eingeschränkt. Schmerzen des Bewegunsapparates wurden dadurch begünstigt. Vor allem Menschen mit lang anhaltenden Schmerzen gehen täglich durch die Hölle. Moderne Chirurgie kann Abhilfe schaffen. Viele Patienten scheuen jedoch Operationen. Beim 39. AGA-Kongress der Gesellschaft für Arthroskopie und Gelenkchirurgie werden von 15. bis 17. September im Austria Center medizinische Innovationen präsentiert.
„Generell sollte man bei Schmerzen, die länger als drei bis fünf Tage bestehen und auch auf Bewegung nicht besser werden, einen Arzt aufsuchen. Es verkürzt den Leidensweg, wenn man gleich einen Spezialisten aufsucht", berichtet der Wiener Sportmediziner und Schulterspezialist Dr. Philipp Heuberer. Im Interview mit der „Krone“ erklärt er auch, warum man sich vor einer Operation nicht fürchten muss.
„Krone“:Wie schmerzhaft ist eine OP und bin ich dabei wach?
Dr. Philipp Heuberer: Heutzutage ist die Schmerzhaftigkeit einer Operation aufgrund der wunderbaren Möglichkeiten von Nervenblockaden und der immer minimal-invasiveren Eingriffe massiv gesunken. Gerade bei Eingriffen an der unteren Körperhälfte oder am Arm und Hand, kann man dabei wach sein oder auch nur schlafen.
Muss man mit einem längeren Krankenhaus Aufenthalt rechnen?
Gerade nach arthroskopischen Eingriffen gehen die Patienten noch am selben oder zumindest nächsten Tag nach Hause. Die Notwendigkeit von längeren Spitalsaufenthalten besteht kaum mehr.
Die Innovation spielt sich vor allem darin ab, dass komplexe Eingriffe mit immer geringerem Weichteilschaden durchgeführt werden können.
Dr. Philipp Heuberer, Sportmediziner und Schulterspezialist in Wien
Wie lange ist ein durchschnittlicher Krankenstand?
Dies hängt vor allem auch vom Beruf ab, eine Bewegungstherapie sollte zumeist jedoch gleich nach der Operation begonnen werden. Schreibtischtätigkeiten können in der Regel relativ rasch nach zwei bis drei Wochen wieder aufgenommen werden. Manuelle Tätigkeiten können jedoch bis zu drei Monaten warten, da die Biologie der Gewebeheilung einfach ihre Zeit braucht. Man muss sich vorstellen, dass nach einer Sehnenrekonstruktion in der Schulter nach sechs Monaten 80% der Sehne eingeheilt sind.
Welche Innovationen gibt es in diesem Feld?
Wie auf dem aktuellen Kongress der AGA gezeigt, spielt sich die Innovation vor allem darin ab, dass komplexe Eingriffe mit immer geringerem Weichteilschaden durchgeführt werden können. Das immer bessere Verständnis der komplexen Biomechanik und die Wiederherstellung der ursächlichen Anatomie spielt dabei eine große Rolle. Junge KollegInnen lernen ähnlich einem Piloten zuallererst schon am Simulator, wie solche Eingriffe durchgeführt werden.












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