Vorzeitige Abreise
Lawrow brüskiert G20: „Haben nichts zu besprechen“
Russlands Außenminister Sergej Lawrow möchte offenbar keine Sekunde länger als notwendig beim G20-Treffen auf der indonesischen Insel Bali verbringen und wird vorzeitig abreisen. Er verließ gleich nach seiner Rede am Freitag den Sitzungssaal, führte noch ein paar bilaterale Gespräche und gab ein Pressestatement ab, in dem er dem Westen vorwarf, derzeit nicht an einer friedlichen Lösung des Ukraine-Kriegs interessiert zu sein. Wenn die EU und die USA einen Sieg der Ukraine auf dem Schlachtfeld anstrebten, „dann haben wir wahrscheinlich nichts zu besprechen“, betonte Lawrow. Das offizielle gemeinsame Essen und die Nachmittagssitzung mit den Außenministerkollegen der 20 führenden und aufstrebenden Wirtschaftsmächte wird der 72-Jährige auslassen und in die Heimat fliegen.
Einmal mehr wies Lawrow Vorwürfe des Westens zurück, dass Russland durch seinen Krieg in der Ukraine die Weizenexporte verhindere und so die Lebensmittelsicherheit in der Welt in Gefahr bringe. Das ukrainische Getreide mache nur ein Prozent der Versorgung aus, sagte er. Zugleich kritisierte Lawrow, dass Russland wegen der Sanktionen des Westens sein eigenes Getreide nicht exportieren könne, weil etwa Schiffe nicht versichert würden oder keine ausländischen Häfen anlaufen könnten.
„Westen drängt Ukraine, seine Waffen zu benutzen“
Im Sitzungssaal saß Lawrow zwischen Vertretern aus Saudi-Arabien und Mexiko - weit weg von seinen schärfsten Kritikern aus den USA und Europa. Später sagte er, der Westen dränge die Ukraine dazu, für die Kämpfe „seine Waffen zu benutzen“. Der Minister kritisierte, dass die Vertreter westlicher Staaten Russland wegen der Lage in der Ukraine als „Aggressor“ und „Besatzer“ anprangern, ohne sich die Gründe anzusehen. „Alle haben uns aufgerufen, diese Operation zu beenden“, sagte er. Dagegen lobte Lawrow den G20-Gastgeber Indonesien als „verantwortliches Land“, das die souveränen Rechte eines Landes achte.
„Wann beenden Sie den Krieg?“
Bereits der Empfang des Russen durch die indonesische Außenministerin Retno Marsudi war sehr zurückhaltend gewesen. Am Rande wurde Lawrow von unangenehmen Journalistenfragen bombardiert. ZDF-Korrespondent Andreas Kynast fragte etwa: „Wann beenden Sie den Krieg?“ Kynast wurde im Anschluss nach eigenen Angaben von indonesischen Sicherheitsbeamten aus der Empfangshalle hinausgebracht. Weitere Einschränkungen für ihn gab es demnach zunächst nicht. Ein zweiter deutscher Journalist rief Lawrow die Frage zu: „Warum beenden Sie den Krieg nicht?“
Indonesien will zwischen Russland und Ukraine vermitteln
Zum Auftakt des Treffens rief Gastgeberin Marsudi eindringlich zu einem Ende des russischen Angriffskriegs in der Ukraine auf. „Unsere Verantwortung ist es, den Krieg so schnell wie möglich zu beenden und Brücken zu bauen und nicht Mauern“, sagte die indonesische Außenministerin. Indonesien, das derzeit den G20-Vorsitz innehat, hatte nach einer Reise von Präsident Joko Widodo nach Moskau und Kiew Ende Juni angeboten, zwischen den Konfliktparteien zu vermitteln.
Alle Augen sind nun darauf gerichtet, ob es bei dem Treffen auf Bali zu einem Dialog oder einer weiteren Eskalation kommt. Lawrows Anwesenheit gilt auch als Test für eine mögliche Teilnahme von Kreml-Chef Wladimir Putin am Mitte November geplanten G20-Gipfel, der ebenfalls auf Bali stattfindet. Mehrere Staaten haben ihre Teilnahme infrage gestellt, sollte er persönlich erscheinen.















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