20.05.2022 11:50 |

Uraufführung

aktionstheater: Schmerzen, Schreie, Schläge

Das aktionstheater ensemble um Regisseur Martin Gruber hat am Mittwochabend in Kooperation mit dem Vorarlberger Landestheater das neue Stück „Lüg mich an und spiel mit mir“ auf die Bühne gebracht. Ein Theaterabend, auf den man sich unbedingt einlassen sollte.

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Nicht zu beneiden waren die sechs Schauspieler und Schauspielerinnen, die am Anfang von „Lüg mich an und spiel mit mir“ mit ihren Sesseln auf der schneeweißen Bühne herumtrapsen und nicht so recht wissen, wohin. Kein Wunder: Ungemütlicher, kälter und kahler könnte ein (Bühnen-)Raum nicht sein. Ein stimmiges Bild für eine Welt, die ebenfalls von Tag zu Tag ungemütlicher zu werden scheint: Klimawandel, Coronapandemie und jetzt auch noch der Ukrainekrieg. Einfach anstrengend.

Emotionen kochen hoch
Aktionstheater-Regisseur Martin Gruber spürt in seinem neuen Stück, das er wieder mit seinem Ensemble erarbeitet hat, einer Gesellschaft nach, die sich vom Krieg vor der Haustüre bedroht fühlt und aufrüstet, um sich zu verteidigen. Aber was genau da verteidigt wird, das ist die eigentliche Frage, um die Grubers Inszenierung gekonnt kreist. Denn unsere demokratische Gesellschaft ist vielleicht gar nicht so weit gediehen, dass sie alles, was ist, nebeneinander stehenlassen könnte. Zumindest auf der Bühne sieht es danach aus, kann man sich als Zuschauer noch denken und sich somit selbst einen Rettungsanker zuwerfen. Dort wird nämlich geschimpft, was das Zeug hält: „Nazi-Sau“, „Arschloch“ und „Wichser“ haben da ihren Auftritt.

Zoom ins Publikum
Und schließlich wird auch kräftig zugelangt, Gruber lässt sein Ensemble eine ebenso kunstvoll wie brutale Würge-Choreographie durchtanzen, am Ende wird Blut gespuckt. Der Krieg, so fern? Eindringlich sind nicht nur die hilflosen Versuche der Figuren, sich irgendwie zurechtzufinden und sich für „das Richtige“ zu entscheiden, eindringlich ist auch das Video, das hinter der Bühne einen Ausblick auf das zerbombte Mariupol liefert, dann aber plötzlich das Publikum ins Visier nimmt. Dazu die Musik, die zwischen Balkan-Pop, Marschgetrommel und Punk den idealen Soundteppich bietet, auf dem sich Grubers Ensemble balgt.

Mit „Lüg mich an und spiel mit mir“ trifft Martin Gruber mitten ins Herz Europas. Ein fulminanter Abend voller Witz, Wut und Würgegriffe. Wer heutiges Theater sehen will, das mitreißt und unterhält, ist hier richtig.

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