Do, 18. Oktober 2018

Korruptionssumpf

30.05.2011 18:54

FIFA: Mächtiger Verband nur mehr eine Lachnummer

Die FIFA-Regierung droht im eigenen Korruptionssumpf unterzugehen. Präsident Joseph Blatter wird der Bestechung beschuldigt, Generalsekretär Jerome Valcke deutet Korruption bei der WM-Vergabe 2022 an Katar an, und dem Fußball-Weltverband drohen millionenschwere Regressforderungen.

Unmittelbar vor dem Kongress, bei dem sich Blatter am Mittwoch für weitere vier Jahre im Amt bestätigen lassen will, bleibt die FIFA ein Pulverfass. Trotz seines "Freispruchs" ist Blatter ein Chef auf Abruf, der angekündigte "Fußball-Tsunami" hat sich noch längst nicht verzogen. Fast stündlich gibt es neue skandalöse Enthüllungen und pikante Vorwürfe.

Brisante E-Mail von Valcke
Die neusten und brisantesten Entwicklungen im Tollhaus FIFA: Generalsekretär Valcke soll in einer E-Mail an das vorläufig suspendierte Exekutivkomitee-Mitglied Jack Warner angedeutet haben, dass Katar die WM 2022 gekauft habe. Der beschuldigte Franzose reagierte mit einem verwaschenen Dementi. "Was ich sagen wollte ist, dass die Sieger ihre finanzielle Kraft genutzt haben, um Lobbyarbeit für ihre Bewerbung zu betreiben", ließ Valcke in einer schriftlichen Stellungnahme mitteilen. "Ich wollte damit nicht sagen, dass Stimmen gekauft worden seien oder ein anderes anstößiges Verhalten unterstellen."

Warner hatte zuvor behauptet, Valcke habe über den inzwischen ebenfalls suspendierten Bin Hammam gesagt: "Ich habe es nie verstanden, warum er kandidiert." Vielleicht habe Bin Hammam geglaubt, "dass man die FIFA kaufen könnte, so wie sie die WM gekauft haben", soll Valcke laut Warner geschrieben haben.

Alarmstufe eins in Zürich
Am Montag herrschte jedenfalls Alarmstufe eins rund um das schmucke "Home of FIFA" hoch über Zürich. Strenge Sicherheitskontrollen beim Einlass, verschlossene Türen am Hauptgebäude, in dem das skandalumtoste und dezimierte Exekutivkomitee tagte. Bin Hammam, eine der Schlüsselfiguren bei Katars erfolgreicher WM-Bewerbung, hatte am Samstag seine Kandidatur für das höchste Amt im Weltfußball überraschend zurückgezogen. Der 62-jährige Katarer reagierte zunächst verwundert auf die neuen Vorwürfe. "Sie müssen Jerome Valcke fragen, was er dabei gedacht hat", erklärte Bin Hammam, "wenn ich Geld für Katar bezahlt habe, müsste man auch die anderen 13 Menschen fragen, die für Katar gestimmt haben." Gegen seine Suspendierung wolle er Berufung einlegen.

Auch das WM-Organisationskomitee Katars wies die Behauptungen zurück. "Wir dementieren kategorisch jegliches Fehlverhalten in Verbindung mit unserer gewonnenen Bewerbung", hieß es am Montag in einer Stellungnahme der WM-Organisatoren. Man habe "die FIFA dringend um Aufklärung zu dem Statement ihres Generalsekretärs gebeten".

Schwerste FIFA-Krise der Geschichte
In der schwersten Krise der 107-jährigen FIFA-Historie verstummen auch die Forderungen nach einer Verschiebung der für Mittwoch geplanten Präsidentenwahl nicht. Die europäischen Verbände jedoch sprachen sich gegen einen Aufschub der Wahl aus.

Bin Hammam, der "sehr enttäuscht" über das Urteil ist, warf Valcke vor, die Ethikkommission beeinflusst zu haben. In Asien wurde nur wenige Stunden nach Bin Hammams Demission bereits offen über seine Nachfolge als Chef des asiatischen Kontinentalverbandes diskutiert. Vor dem Hintergrund der angeblichen Valcke-E-Mail scheint auch Katar um seine Gastgeberrolle für die WM 2022 bangen zu müssen.

Zehn von 24 Mitgliedern unter Betrugsverdacht
Von den 24 Mitgliedern der FIFA-Exekutive stehen inzwischen zehn unter Betrugsverdacht. Tiefgreifende Reformen sind überfällig, will der Verband nicht seine letzte Glaubwürdigkeit verspielen. Nach seinem Ausschluss schlug FIFA-Vize Warner prompt zurück, beschuldigte Blatter der Korruption, verurteilte seinen Ausschluss scharf und versprach weitere Enthüllungen. "Ich werde bald sehr viel mehr zu dieser Sache sagen", betonte er. Er wolle ein Schweizer Gericht einschalten, um die Legalität seiner Suspendierung zu überprüfen.

Sein Vorwurf an Blatter: Der 75 Jahre alte Schweizer habe dem Kontinentalverband Nord- und Mittelamerika/Karibik (CONCACAF) ein "Geschenk" von einer Million Dollar zukommen lassen, um das Geld "nach eigenem Ermessen" zu verwenden. "Blatter muss gestoppt werden", forderte Warner. Eine geräuschlose Wiederwahl des Amtsinhabers ist ohnehin ausgeschlossen. Eine Dreiviertel-Mehrheit der 208 Mitgliedsverbände für einen Stopp dürfte zwar nicht zustande kommen, aber eine Jubelfeier per Akklamation ist auch nicht zu erwarten.

Aus Australien kam unterdessen die erste Forderung nach einer Rückerstattung der Bewerbungskosten für die WM 2022. Das Dossier habe wegen der korrupten Strukturen in der FIFA keine Chance gehabt, erklärte Senator Nick Xenophon und rief seine Regierung dazu auf, von der FIFA die 46 Millionen Dollar zurückverlangen.

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