06.03.2022 16:00 |

Drummer bei Russkaja

Dieser Steirer spielt unter russischer Flagge

Auftritte von russischen Künstlern platzen von Venedig bis New York. Auch der steirische Musiker Mario Stübler wird mit seiner Band Russkaja in den Sog der Ablehnung gezogen.

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Ein Russe und ein Ukrainer sitzen sich gegenüber und flehen eindringlich: „Hört auf mit dem Krieg!“ Sie verbrüdern sich bei einer Flasche Bier und appellieren „No war“. Diese Szene stammt aus dem aktuellen Russkaja-Video, das der oststeirische Musiker Mario Stübler mit seinen beiden Kollegen, dem gebürtigen Russen Georgij Makazaria und dem Ukrainer Dimitrij Miller, gedreht hat.

Seit 15 Jahren steht die multikulturelle Band Russkaja, bekannt aus der ORF- Late-Night-Show Willkommen Österreich, für ein friedliches Miteinander. Doch mit dem Ausbruch des Krieges in der Ukraine bekommen die schubladisierten „wilden Russen“ die kollektive Aggression gegen Russland zu spüren. „Für uns kommt erschwerend dazu, dass in unserem Bandnamen Russland steckt, und das ist alles andere als förderlich“, bedauert Schlagzeuger Mario Stübler.

Ablehnung gegenüber allem „Russischen“
Der aus dem oststeirischen Birkfeld stammende Musiker lässt anklingen, dass in den vergangenen Tagen sogar über eine Namensänderung der Band gesprochen wurde, aber: „Mit einem neuen Namen wäre unsere Aufbauphase von 15 Jahre zunichte gemacht.“ Da zeigen die musikalischen Friedensstifter sogar Verständnis, wenn Veranstalter der Russen-Band und den Partisanen-Polkas skeptisch gegenüberstehen und Termine stornieren. Doch noch ist der Tourkalender mit vielen Auftritten quer durch Europa gefüllt.

Die Ablehnung allem „Russischen“ gegenüber trübt für Mario Stübler aber seine Vorfreude auf die Auftritte. „Vor zwei Jahren sind wir mit Corona auf null gefahren, und nun erleben wir mit dem Russenkrieg den nächsten Super-GAU. Speziell wenn wir im weitesten Sinne unter der russischen Flagge spielen, ist das doppelt g’sch . . . , aber das transportieren wir eben.“

Tourstart in den USA mit gemischten Gefühlen
Nach dem gestrigen Benefizkonzert für die Ukraine in Wien steht für Russkaja mit der morgen startenden großen Amerika-Tournee die unmittelbare Nagelprobe bevor. Von Nashville bis Miami sind 16 Termine geplant. „Die Vorfreude darauf ist überschattet, weil keiner von uns weiß, was in den USA passieren wird.“

Zitat Icon

Vor zwei Jahren sind wir mit Corona auf null gefahren, und nun erleben wir mit dem Russenkrieg den nächsten Super-GAU.

Mario Stübler

Mit Statements im Netz und klarer Ablehnung zu Putin und seinem Krieg will man etwaigen Protesten und Tumulten vorbauen. Weil das vielleicht nicht genug sein könnte, wird Stübler mit Russkaja vor jedem Konzert deutliche Worte ans Publikum richten, „auch wenn wir nichts für den Krieg können, aber wir entschuldigen uns für jenen, der ihn angezettelt hat“.

„Ich hätte den Mut, Putin zu kritisieren“
Zahlreiche Russen haben positiv auf die Postings der Band reagiert, die mit ihrem Slogan „Peace, Love und Russian-Roll“ vor vier Jahren in Russland spielten. „Ich würde wieder dort auftreten, und ich hätte auch den Mut, Putin für seinen blutigen Machtrausch öffentlich zu kritisieren“, so der Musiker, denn: „Nicht jeder Russe ist schlecht. Ich würde nicht die ganze Bevölkerung in eine Schublade stecken, denn die meisten wollen diesen Krieg nicht“.

Aus Solidarität mit seinem ukrainischen Bandkollegen Dimitri stellt der oststeirische Musiker nun auch seine Wiener Wohnung Flüchtlingen aus der Ukraine zur Verfügung.

Erich Fuchs
Erich Fuchs
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