Kein Geld für Gemeinde

Wenn sogar die Kläranlage das Problem aufzeigt

Niederösterreich
26.02.2022 06:00
Das Waldviertel verliert Bevölkerung, Dörfer sterben sogar aus! So hat Kollmitzgraben nur noch 21 Hauptwohnsitzer, lediglich fünf sind unter 40 Jahre alt. Wegen der Kälte im Winter tun sich die Bakterien des Klärbeckens mit der Aufbereitung schwer: Zu wenig „Material“ wird eingebracht, welches dann zu rasch auskühlt.

Null Einwohner bis 14 Jahre, ein Bewohner bis 20 Jahre, vier Bürger bis 40 Jahre: Der Ort Kollmitzgraben liegt zu Fuße der Ruine Kollmitz, die in der Saison mehr als 10.000 Gäste pro Jahr besuchen. Viel Leben herrscht speziell im Winter in dem Ort mit 21 Haupt- und 30 Nebenwohnsitzern nicht mehr. Dabei wurde dort um 1900 sogar eine Schule gebaut, weil in dem Dorf mit drei Hektar Land und vier Hektar Thaya-Flussgebiet mehr als 100 Kinder lebten, weiß Stadtarchivar Erich Kerschbaumer aus Raabs.

(Bild: Stadtgemeinde Raabs)
(Bild: Schindler Klaus)

Es gibt schlimmere Beispiele
Mehr als 28 Häuser gab es nie. Dennoch wohnten in Spitzenzeiten weit mehr als 200 Menschen im Ort. Kollmitzgraben gehört zur ländlichen Gemeinde Ludweis-Aigen. Dieser gehört auch der Ort Radessen an, der seit 1970 dreiviertel seiner Bewohner verloren hat: Heute leben dort gerade noch acht Menschen in zehn Häusern.

Regionszahlen wirken fast verharmlosend
Beispiele für das Dorfsterben findet man in vielen Regionen des Waldviertels. Gegen das Schicksal mancher Orte klingt der Bevölkerungsschwund des gesamten oberen Waldviertels – die „Krone“ berichtete – fast verharmlosend: Grob waren es zehn Prozent in den vergangenen 20 Jahren.

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Gemeinden müssen auch für Zweitwohnsitzer Geld bekommen! Für sie stellt die Kommune genauso die nötige Infrastruktur zur Verfügung.

Hermann Wistrcil, Bürgermeister der Gemeinde Ludweis-Aigen, ÖVP.

(Bild: Schindler Klaus)
(Bild: David Anderle)
(Bild: Schindler Klaus)

Teure Infrastruktur, aber kein Geld für Gemeinden
Die Gemeinde Ludweis-Aigen hat insgesamt nur noch 850 Hauptwohnsitzer. Hinzu kommen bereits weit mehr als ein Drittel Zweitwohnsitzer. „Obwohl wir für Zweitwohnsitzer kein Geld bekommen, müssen wir für sie genau dieselbe Infrastruktur aufrechterhalten“, kritisiert VP-Bürgermeister Hermann Wistrcil.

Maßnahme greift viel zu kurz
Die Maßnahme, Zweitwohnsitzern das Wahlrecht zu entziehen, greift für ihn viel zu kurz: Denn für Hauptwohnsitzer bekommt die Gemeinde Steuertragsanteile, bei Zweitwohnsitzern geht sie aber komplett leer aus. Mit weniger Einnahmen wird es immer schwieriger, die nötige Infrastruktur zu finanzieren. Für Kollmitzgraben und den Nachbarort Sauggern müssen etwa heuer 240.000 Euro investiert werden.

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