28.01.2022 12:24 |

Epidemiologe skeptisch

„Nicht ganz klar, warum Impfplicht jetzt kommt“

Der Epidemiologe Gerald Gartlehner von der Donau-Uni-Krems steht der ab Februar gültigen Impfpflicht in Österreich weiterhin skeptisch gegenüber. Konkret vermisst er die „Entscheidungsgrundlage“, warum eine solche gerade jetzt eingeführt werde - die Prognosen für den Herbst seien schließlich noch zu unsicher, um einen möglichen Effekt einer solchen Verpflichtung abschätzen zu können.

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„Es ist sehr schwer einzuschätzen, inwieweit uns die Impfpflicht vor Wellen im Herbst schützen wird“, erinnerte Gartlehner im Ö1-„Morgenjournal“ daran, dass es nach wie vor recht schwierig sei, die Dynamik des Virus einzuschätzen. Vor einem Jahr etwa, war man noch kaum etwas über die anstehende Infektionswelle mit der Beta-Variante des Coronavirus bekannt, daraufhin entwickelten sich aber recht rasant noch weitere Varianten, bis hin zu Omikron.

Entscheidungsgrundlage vermisst
Der Gesundheitswissenschaftler erklärte, dass man daher auch noch nicht wissen könne, ob die derzeitigen Impfungen gegen mögliche neue Mutationen im Herbst überhaupt noch ausreichend wirken werden. „Mir ist die Entscheidungsgrundlage nicht ganz klar, warum die Impfpflicht jetzt gerade eingeführt wird“, meinte er weiter. Es wäre nun „interessant zu sehen“, auf welcher Basis sich die Regierung nun dafür entschieden hat, diese Maßnahme umzusetzen.

Dennoch wird Gartlehner dabei nicht müde zu betonen, wie wichtig die Impfung - gerade mit Blick auf Omikron - als Schutz vor der Pandemie ist. Es handle sich dabei um „das wirksamste Mittel, das wir haben.“ Derzeit gebe es nur sehr wenig Sicherheit - „die Daten sind derzeit nicht sehr verlässlich“ -, wie lange die aktuelle Infektionswelle noch andauern werde.

Für Lockerungen noch zu früh
Rufe nach Lockerungen seien jedenfalls „die falsche Diskussion zum falschen Zeitpunkt“. Mit Blick auf andere Länder habe sich schließlich gezeigt, dass auch trotz größtenteils milderen Verläufen und weniger Intensivpatienten Versorgungsengpässe im Gesundheitssystem nicht auszuschließen seien.

Diese wären dann vergleichbar mit anderen Wellen, also, dass etwa Operationen oder Krebstherapien verschoben werden müssten. Man müsse jedenfalls erst den Höhepunkt der Welle abwarten, bevor man etwaige Lockerungen diskutiert.

Edtstadler sieht Gesetz mit „maximaler Flexibilität“
Verfassungsministerin Karoline Edtstadler (ÖVP) verteidigte das Vorgehen der Regierung indessen. Sie verwies am Freitagt auf die „maximale Flexibilität“ des entsprechenden Gesetzes. „Wir wissen alle nicht, was das Virus mit uns weiter vorhat“, erklärte sie, dass das Gesetz jederzeit angepasst und auch vor Ablauf der für zwei Jahre festgelegten Frist auch jederzeit ausgesetzt werden könne.

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