14.01.2022 12:55 |

Virus als Auslöser

Forscher finden Ursache für Multiple Sklerose

Wissenschaftlern in den USA ist ein Durchbruch gelungen: Schon lange bestand der Verdacht, das Epstein-Barr-Virus könnte Multiple Sklerose (MS) auslösen. Jetzt liefert eine groß angelegte Studie starke Indizien, dass das wirklich der Fall ist. Der Erreger ist tatsächlich die Hauptursache für die chronisch-entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems (siehe auch Video oben). Damit könnte ein Impfstoff gegen das Virus auch vor MS schützen.

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Die Harvard-Forscher testeten ihre Virus-Hypothese an Blutproben von mehr als zehn Millionen jungen Erwachsenen im aktiven Dienst im US-Militär. 955 davon wurden während ihrer Dienstzeit mit MS diagnostiziert. Nach einer Infektion mit dem Epstein-Barr-Virus stieg das MS-Risiko um das 32-fache an - nicht aber nach einer Ansteckung mit anderen Viren. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift „Science“ veröffentlicht.

„Risiko anders nur schwer zu erklären“
„Unsere Daten deuten stark darauf hin, dass das Epstein-Barr-Virus die Hauptursache für Multiple Sklerose ist. Es handelt sich um einen wirklich dramatischen Anstieg des Risikos, der sich anders nur schwer erklären lässt“, sagte Kjetil Bjornevik, Forscher in Harvard und Hauptautor der Studie, gegenüber dem Gesundheitsmagazin „Stat News“.

Die Studie erklärt allerdings nicht, wie genau der Erreger die Krankheit auslöst. Andere Forschergruppen haben spekuliert, dass das Virus Proteine tragen könnte, die eine Autoimmunreaktion auslösen können. Weil das Virus sich häufig langfristig in B-Zellen einnistet, wird auch vermutet, dass es diese Immunzellen irgendwie umwandeln und dadurch die Krankheit ausbricht.

Größte Blutproben-Sammlung der Welt als Grundlage
Grundlage für die Studie war das riesige Depot an Blutproben von Angehörigen des US-Militärs, die seit 1985 im Walter-Reed-Armeekrankenhaus gesammelt werden. Dort lagern mehr als 62 Millionen Proben von über zehn Millionen Soldaten bei -30 Grad Celsius. Die Sammlung ist die weltweit größte ihrer Art.

Sie ermöglichte den Forschern auch einen Blick in die Vergangenheit - der ist bei Multipler Sklerose besonders wichtig, da die Nervenkrankheit am häufigsten bei Menschen zwischen 20 und 30 ausbricht. Um Menschen vor dem Ausbruch der Krankheit zu erfassen, muss man daher mit der Probenahme beginnen, wenn sie im Teenageralter sind - etwa, wenn sich junge Rekruten zum Militärdienst melden.

Impfstoff könnte vor MS schützen
Durch die Entdeckung, dass ein Virus wahrscheinlich die wichtigste Ursache für MS, eröffnen sich auch Wege, Menschen vor der zurzeit unheilbaren Krankheit zu schützen, etwa durch eine Impfung. Der US-amerikanische Epidemiologe Eric Feigl-Ding weist auf Twitter darauf hin, dass derzeit bereits mehrere Impfstoffe gegen das Epstein-Barr-Virus entwickelt werden. Eine Infektion durch den Erreger gilt auch als Risikofaktor für mehrere Krebsarten. Ein Vakzin gegen das Virus könnte also auch Krebs vorbeugen.

Feigl-Ding zeigte sich auch hoffnungsvoll, dass es bald einen Impfstoff gegen MS gibt. So gab gab der Biontech-Konzern vor einem Jahr bekannt, dass man einen potenziellen Impfstoff erfolgreich an Mäusen getestet hatte. Dabei wurde - wie beim Corona-Vakzin des Unternehmens - die moderne mRNA-Technologie verwendet.

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