Geigenbauer in Linz

„Ich war bei Meistern auf der ganzen Welt“

Alexander Schütz baut aus unscheinbaren Brettern wertvolle Streichinstrumente, ganz in der Tradition von Stradivari. Als Geigenbauer mit eigener Werkstatt lebt er in Linz-Urfahr seinen Traum.

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Hobel, Feilen, Hämmerchen, Leimtiegel – alles hat in der Werkstatt von Alexander Schütz seinen genauen Platz. Unter der Decke hängen Geigen und Bratschen, aufgefädelt wie Wäschestücke an der Leine. An der Wand stehen Celli Spalier.

Sein ganzer Stolz aber sind unscheinbare Holzbretter, die sich auf einem Kasten türmen: „Sie sind 100 Jahre alt, ich habe sie vom ehemaligen Geigenbauer der Wiener Philharmoniker bekommen“, erzählt Schütz, der ebenfalls dieses uralte Handwerk beherrscht.

Aus solchen dünnen „Brettchen“ stellt er drei, vier Instrumente im Jahr her: „Für Profis und Hobbymusiker.“ Eingespielt werden die neuen Violinen von den Konzertmeistern des Bruckner Orchesters. Er restauriert zudem Geigen und schenkte schon einer kaputten Stradivari ein neues Konzertleben.

Elf Jahre unterwegs
Schütz hatte mit elf Jahren das erste Mal eine Geige in der Hand. Er lernte spielen und war fasziniert. Nach der Matura war der Linzer einer von zwölf Schülern pro Jahr, die in der berühmten Geigenbauschule Mittenwald in Bayern aufgenommen werden, um dieses besondere Handwerk zu erlernen. Hinterher ging er „auf die Walz“: „Ich machte viele Praktika bei Geigenbauern in den USA, in der Schweiz oder Südkorea. Ganze elf Jahre war ich unterwegs und habe in Meisterbetrieben auf der ganzen Welt mitgearbeitet.“ Mit der eigenen Werkstatt in Linz-Urfahr ist er in seinem Traumberuf sesshaft geworden.

Nur bestes „Mondholz“
Die Streichinstrumente des Linzers, die bereits internationale Preise erhielten, entstehen in der Art und Weise, wie sie von der Amati-Dynastie im 16. Jahrhundert und von Antonio Stradivari im 17. Jahrhundert festgelegt worden ist. Das Geheimnis des Klangs beginnt bei der Schlägerung des Holzes: „Zu Weihnachten, um den Neumond herum, ist es ideal.“ Aus Brettern, wie flache Tortenstücke, werden die Bauteile ausgesägt und dann mit Stecheisen und Hobel auf Stärken zwischen zwei und drei Millimeter gebracht, bevor sie zusammengeleimt werden: „Man arbeitet vom Groben ins Feine.“ Letztendlich hat jeder Geigenbauer seine eigene Handschrift, die den Klang beeinflusst: „Meine Instrumente haben eine leichte Ansprache, einen ausgeglichenen Klang. Wie das gelingt, bleibt mein Geheimnis.“

Auch die Bögen entscheiden über die Reinheit beim Streichen: „Die besten bestehen aus mongolischem Hengsthaar“, sagt Schütz, der mit einem Bogenbauer zusammenarbeitet.

Musiker ist er geblieben, er spielt im Linzer Universitätsorchester. Seine eigene Violine hütet er wie seinen Augapfel: „Ich spiele sie seit Jahren, sie ist ein Teil von mir selbst. Wie bei einem Ehepartner: Man kennt einander in allen Tonlagen. Wir sind ein gut eingespieltes Team.“

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