16.12.2021 12:43 |

Zwist mit Mobilfunkern

US-Airlines warnen: 5G könnte zu Flug-Chaos führen

In den USA sollen am 5. Jänner weitere 5G-Frequenzen für die Mobilfunker freigegeben werden. Doch es regt sich Widerstand in der Luftfahrtbranche: Airlines warnen, dass 5G-Mobilfunk auf Frequenzen des sogenannten C-Bandes Instrumente in Passagierjets beeinträchtigen könnten. Sie befürchten Verspätungen, die Milliarden kosten.

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Die US-Airlines und -Mobilfunker streiten um 5G-Funkfrequenzen im Bereich zwischen 3,7 und 3,98 Gigahertz. Das sogenannte C-Band kam früher beim Satellitenfernsehen zum Einsatz, nun soll es für 5G-Mobilfunk freigeschaltet werden. Die US-Mobilfunker haben sich die Frequenzen einiges kosten lassen: Laut Reuters zahlten sie 80 Milliarden Dollar für die Nutzung.

US-Luftfahrtgesellschaften wie United Airlines fordern nun allerdings, die Nutzung dieser Frequenzen zu überdenken. Sie den Mobilfunkern zu überlassen, könnte „ein katastrophaler Fehler“ sein, warnte United-Airlines-Chef Scott Kirby bei einer Anhörung vor dem US-Senat. 5G-Mobilfunk auf diesen Frequenzen könne sensible Instrumente in Flugzeugen stören - konkret gehe es um Radarhöhenmesser, die für Landungen bei schlechten Sichtverhältnissen sehr wichtig seien.

Airlines befürchten jährliche Milliardenkosten
Kirby und andere Vertreter großer US-Airlines warnen, dass Instrumentenstörungen zu Verspätungen führen und Hunderttausende Passagiere betreffen könnten. Die Industrie befürchtet jährliche Kosten von 1,6 Milliarden US-Dollar. Bis zu vier Prozent aller täglichen Flüge in den USA könnten betroffen sein. Kirby: „Wenn das tatsächlich am 5. Jänner kommt und sich nichts ändert, werden wir an mehr als 40 der größten Flughäfen des Landes keine Radarhöhenmesser mehr nutzen können.“ Das zwinge Piloten, bei Schlechtwetter auf Sicht zu landen.

Der United-Airlines-Chef rechnet vor: Nehme man das Passagieraufkommen des Jahres 2019 - vor Beginn der Pandemie - als Basis, wären 345.000 Passagierflüge, 32 Millionen Fluggäste und 5400 Frachtflüge von Verzögerungen, Umleitungen oder Annullierungen betroffen.

Mobilfunker sprachen von „Angstmache“
Bei den 5G-Anbietern sieht man die Sache anders. „Die Angstmacherei der Luftfahrtindustrie beruht auf völlig diskreditierten Informationen und absichtlichen Verzerrungen der Tatsachen“, heißt es in einer Stellungnahme des US-Mobilfunkerverbandes CTIA. Die Frequenzen seien in 40 Ländern in Benutzung, ohne zu Beeinträchtigungen in der Luftfahrt zu führen.

Regierung will Lösung ausarbeiten
Eine Lösung will nun die Politik herbeiführen. Die Biden-Regierung hat Vertreter der Kommunikationsbehörde und des Verkehrsministeriums zu Gesprächen geladen. Die republikanische Senatorin Marsha Blackburn forderte bei einer Anhörung Airlines und Mobilfunker auf, gemeinsam eine Lösung zu erarbeiten. Kirby betont, der Streit müsse regulatorisch beigelegt werden: Vertreter der Kommunikations- und Luftfahrtbehörde „müssen sich zusammensetzen, miteinander reden und das Problem lösen.“ Man dürfe den Streit nicht auf Kosten der Airlines beilegen.

Die Luftfahrtbehörde FAA hat indes die Überarbeitung von Flughandbüchern angeordnet: Hubschrauber und Flugzeuge sollen sich in mit 5G-Mobilfunk im strittigen Spektrum versorgten Gebiet bei bestimmten Manövern demnach nicht mehr auf ihre Radarhöhenmesser verlassen.

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