11.11.2021 10:00 |

9 Stunden ohne Pause

Mitarbeiter erheben Vorwürfe gegen Novogenia

Neun Stunden Schicht-Arbeit ohne einzige Pause! Kein Verständnis für Schwangere! Selbst der Gang zur Toilette wird zum Spießrutenlauf! Mitarbeiter erheben schwere Vorwürfe gegen das Eugendorfer Covid-Labor Novogenia.

Nur drei Monate stand eine junge Salzburgerin - ihren Namen möchte sie nicht in der Zeitung lesen - auf der Gehaltsliste von Novogenia. „Ich habe so schnell es geht das Weite gesucht“, sagt sie. Corona-bedingt habe sie keinen anderen Job gefunden und daher im Eugendorfer Labor zu arbeiten begonnen. „Wir Mitarbeiter sind dort einfach nichts wert“, stellt sie ernüchtert fest.

Auf Toilette verzichtet
Pausen seien bei Novogenia zwar nicht explizit verboten. Aber: „Es herrscht ein derartiger Druck von oben, dass sich niemand traut, eine Pause zu machen.“ Mitarbeiter würden daher sogar auf den Gang auf die Toilette verzichten. Kurz einen Schluck Wasser trinken? Das gab es demnach ebenso nicht. Pausenräume sollen bis heute nicht existieren. „Pro Schicht haben wir bis zu 14.000 Proben abgearbeitet“, sagt die Salzburgerin. Den Verantwortlichen war dies offenbar zu wenig. Ständig habe man versucht, die Arbeitsprozesse zu optimieren. „Die Menschen waren dabei allen komplett egal.“

Keine Rücksicht auf Schwangere
Eine weitere Mitarbeiterin wandte sich an die „Krone“. Die Frau musste demnach trotz Schwangerschaft in engen Räumen und ohne Sicherheitsabstand arbeiten. Sie war für die Eingabe von Daten zuständig. Die Möglichkeit zum Homeoffice verwehrte ihr Novogenia. „Erst als ich eine Leistungsvereinbarung unterschrieben habe, durfte ich von zu Hause aus arbeiten“, sagt sie. Diese legte genau fest, welche Datenmenge die Frau an einem Arbeitstag zu bewältigen habe. „Ich bin mir schikaniert vorgekommen.“ Für die Gewerkschaft GPA Salzburg sind derartige Schilderungen nicht hinnehmbar.

„Damit ist auch klar, warum Novogenia einen starken Betriebsrat verhindern will“, sagt GPA-Geschäftsführer Michael Huber. Das Labor soll bewusst eine Betriebsratswahl behindert und Mitarbeiter gekündigt haben - die „Krone“ berichtete.

Novogenia spricht von „enorm hoher Belastung“
Das Eugendorfer Labor selbst dementiert die Vorwürfe auf Anfrage. Die Arbeitsbelastung in Zeiten der Pandemie sei für alle Mitarbeiter zwar „enorm hoch“. Aber: Alle rechtlichen Vorschriften seien stets eingehalten worden. Die Gründung eines Betriebsrates unterstütze man ausdrücklich.

Von
Nikolaus Klinger
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