Mo, 20. August 2018

Kein Lebenszeichen

04.04.2011 15:26

China: Ai Weiwei von Behörden verschleppt

Der weltbekannte chinesische Künstler Ai Weiwei ist seit Sonntag in der Gewalt der Behörden der Volksrepublik "verschollen". Nicht zum ersten Mal wurde der 53-jährige Regimekritiker Sonntagabend am Flughafen in Peking an der Ausreise gehindert und festgenommen. Im Unterschied zu vorangegangenen Zwischenfällen kam er aber vorerst nicht frei, seit Sonntag gibt es kein Lebenszeichen von dem Künstler. Ai Weiwei, der enge Verbindungen nach Deutschland hat und zuletzt mit seinem "Dachstein-Felsen" auch in Österreich wirkte, soll am 29. April in Berlin eine Ausstellung eröffnen.

Es ist, als wäre Ai (im Bild bei seiner Einzelausstellung "Sunflower Seeds" in der Londoner Tate Modern Gallery) vom Erdboden verschluckt. Das Mobiltelefon des Künstlers ist abgeschaltet, Freunden und Mitarbeitern wird die Auskunft verwehrt, die staatlichen Medien in China berichten mit keinem Wort über den Fall, vonseiten der Regierung und der Behörden gab es bisher keine Stellungnahme.

Der Sohn des berühmten chinesischen Poeten und Malers Ai Qing (1910-96), welchen die Kommunisten zwanzig Jahre lang mit einem Publikationsverbot belegt hatten, war am Sonntag von der Grenzpolizei am Flughafen Peking festgenommen worden. Die Polizisten hätten ihm erklärt, er habe "andere Sachen" zu erledigen und könne seinen Flug nicht antreten, sagte eine Mitarbeiterin des Künstlers. Ai Weiwei wollte nach Hongkong fliegen.

Die Polizei hatte inzwischen Ais Studio in Peking durchsucht und acht Mitarbeiter auf eine örtliche Polizeiwache gebracht. Sie wurden am späten Sonntagabend freigelassen. Das Studio wurde von der Polizei abgesperrt und 30 Computer beschlagnahmt.

Deutschland fordert Freilassung
Ai soll am 29. April eine Ausstellung in Berlin eröffnen. Deutschland hat am Montag deswegen die chinesische Regierung aufgefordert, den festgenommenen Künstler "umgehend" freizulassen. Außenminister Guido Westerwelle, der erst vor wenigen Tagen Peking besucht hatte, erklärte in Berlin, er habe "mit großer Sorge" erfahren, dass Ai Weiwei an der Ausreise gehindert wurde. "Ich appelliere an die chinesische Regierung, dringend für Aufklärung zu sorgen, und erwarte, dass Ai Weiwei umgehend wieder freikommt."

Mit steigender Aufmerksamkeit weltweit war das Leben für den 53-jährigen Künstler zuletzt zunehmend schwieriger geworden. Erst kürzlich hatte in einem Telefongespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa erklärt, er wolle ein neues Studio in Berlin eröffnen, weil er in Peking immer stärker am Arbeiten gehindert werde.

Auch Spindelegger protestiert
Auch Österreichs Außenminister Michael Spindelegger hat sich am Montag mit Protest an die chinesische Regierung gewandt und die Freilassung Ais gefordert. Spindelegger war bei seinem China-Besuch im Februar mit Ai Weiwei in dessen Atelier in einer Künstlerkolonie bei Peking zusammengekommen. Der Außenminister hatte dabei erklärt, er wünsche sich ein weiteres Treffen mit dem Aktionskünstler in Österreich. Der nächste Staatsbesuch steht im Mai an: Aus Anlass der vierzigjährigen Wiederkehr der Herstellung diplomatischer Beziehungen zwischen Österreich und der Volksrepublik China im Jahr 1971 will Bundeskanzler Werner Faymann nach Peking reisen.

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