17.10.2021 10:00 |

Star-Trainer Ziege:

„Die Hingabe ist beeindruckend“

Ex-Europameister und FC-Pinzgau-Coach Christian Ziege (49) spricht im großen „Krone“-Interview über den Glauben an ein Westliga-Ticket. Was ihn besonders geprägt hat und wie er über seine Zukunft denkt.

Die Herbstsaison neigt sich dem Ende zu. Wie fällt Ihr bisheriges Resümee aus?

Ein bisschen schwierig, da ich jedes Spiel gewinnen will, wir das aber nicht geschafft haben (lacht). Die Mannschaft hat sich entwickelt, wir hatten aber – wie jeder – Probleme aufgrund von Corona. Am Ende ist es einfach: Wir haben zu oft unentschieden gespielt.

Der Rückstand auf Austria beträgt acht, jener auf St. Johann sechs Punkte. Wie groß ist der Glaube, es noch in die Westliga zu schaffen?

Voraussetzung ist, dass wir das Nachholspiel am Dienstag gegen Grünau gewinnen. Der Glaube ist da, solange eine Chance besteht. Wenn einer vorne patzt, musst du da sein. Gegen die Austria haben wir noch ein Duell, aber eine Vorentscheidung ist sicher gefallen. Alle Trümpfe liegen bei der Austria und St. Johann.

Tamas Tandari hat beim 2:0 gegen Bischofshofen doppelt getroffen. Welche Bedeutung hat er für Sie?

Er war eigentlich für die Defensive vorgesehen. Dann hat sich einer verletzt, ist ein anderer gegangen, und wir mussten alles umschmeißen. Ich freue mich brutal für ihn, weil es immer heißt, er sei zu alt und zu langsam. Das Alter ist aber egal!

Sie haben für Weltklubs wie Bayern, Milan oder Liverpool gespielt, wo der Druck ungleich höher war als in der Regionalliga Salzburg. Verspüren Sie dennoch welchen, da der Verein als Ziel ausgibt, in den Profifußball zu wollen?

Ein Ex-Mitarbeiter hat mal den Mund aufgemacht, über die Champions League gesprochen. Das fand ich eine Katastrophe. Du kannst ambitionierte Ziele haben, musst aber wissen, woher du kommst. Hohe Ambitionen bedeuten nicht, dass du durch die Liga marschierst.

Der FC Pinzgau ist der einzige Salzburger Klub, der nach oben will. Sind die Bestimmung zu hart?

Wenn ich eine Mannschaft trainiere, will ich mir Ziele setzen. Das oberste muss es sein aufzusteigen. Wenn du Erster wirst, aber nicht aufsteigen willst, frage ich mich ein, warum wir spielen. Die meisten werden es aus Kostengründen nicht stemmen können, weshalb man klären muss: Was läuft falsch? Wenige Klubs – auch nicht jene, die in die Bundesliga aufsteigen würden, können ad hoc alle Vorgaben erbringen, daher muss ich ihnen eine Übergangsphase gewähren. Es muss im Interesse aller sein, dass es eine Abwechslung in Form von Auf- und Absteigern gibt.

Im Sommer 2022 endet Ihr Vertrag. Was kommt dann?

Es gab noch keinen Moment, in dem ich mich hier privat und im Verein nicht wohl gefühlt hätte. Es macht riesigen Spaß. Ich weiß, was ich am Verein habe, kann hier vernünftig arbeiten. Ich würde es daher gerne solange wie möglich machen.

Wie unterscheidet sich die hiesige Fußballkultur von jener anderswo?

Bei uns arbeiten die Spieler den ganzen Tag, kommen dann zum Training und geben alles. Der Enthusiasmus mit dem sie das machen, ist für mich beeindruckend! Ich habe andere Kicker gesehen, die nur ihr Geld verdienen wollten.

Wer hat Sie im Laufe ihres Lebens am meisten geprägt?

Mein Umfeld, in dem ich aufgewachsen bin. Bis zum 18. Lebensjahr habe ich in Berlin gelebt, bin dann zum FC Bayern gegangen. In Berlin war es nicht so schön grün, gab’s kein so tolles Panorama, sind die Leute nicht so nett wie hier. Von klein auf musste ich mich durchsetzen. In der Schule hat sich rausgestellt, dass ich was kann, das mir Anerkennung gebracht hat. Andere haben mich in Ruhe gelassen, weil ich Fußball gespielt habe. Das prägt. Wenn du in eine heile Welt kommst wie bei den Bayern, wo die einzige Voraussetzung ist, dass du immer gewinnst, kann dir das nicht viel anhaben. Das war dann im Gegensatz zu dem davor ein Klacks.

Christoph Nister
Christoph Nister
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