10.10.2021 18:00 |

Einzigartig in Tirol

Die Dorfgeschichte in Beton gegossen

Es war wohl einzigartig in Tirol, die Dorfgeschichte seines Heimatdorfes in Beton zu gießen. Der Silzer Pepi Sonnweber tat dies vor 45 Jahren und feiert heuer für sich das Jubiläum dieser absurd anmaßenden Idee. Mit Finger und Holzspachtel modellierte er die prägendsten Epochen auf Tafeln, die heute noch in der Schule hängen.

Man kennt ihn, den Sonnweber Pepi, nicht nur in seinem Heimatdorf Silz. Erfunden hat der kreative Weltenbummler und Querdenker schon einiges, beispielsweise das berühmte Silzer Dreikönigsspiel. Und möglichst vieles sollte der Nachwelt erhalten bleiben, sozusagen in Stein gemeißelt.

Mit Finger und Spachtel Historie modelliert
Die Geschichte von Silz ist – so wie in vielen anderen Gemeinden – im Dorfbuch illustriert. Doch wer studiert schon die unzähligen Seiten? Das beschäftigte den Pepi schon in jungen Jahren. „1966 war ich beim Heer in Hallein und arbeitete als Tischler bei Professor Adlhart“, erinnert sich der mittlerweile 80-Jährige. Er habe dort eine Initialzündung erfahren: „Mein Chef goss die Geschichte der Salzburger Gemeinde in Beton.“ Das habe er mit Augen und Ohren aufgesaugt und abgespeichert. Als beim Bau der Silzer Hauptschule vor mittlerweile 45 Jahren kreative Ideen gefragt waren, war der Augenblick gekommen und sein Gehirn spuckte das aus, was er in Hallein gesehen hat: Die Dorfgeschichte auf Betonplatten.

Geschichtsträchtige Epochen illustriert
Sonnweber: „Der Plan war, die vier geschichtsträchtigsten Epochen der Gemeinde darzustellen – nämlich die Entstehung des Dorfes, die Katastrophen, den Freiheitskampf inklusive Kirchenbau und die Neuzeit ab dem 19. Jahrhundert.“ Dafür besorgte sich der „Künstler“ vier Tonplatten und machte sich mit den Fingern und einer Holzspachtel ans Modellieren der Reliefs. Der Großbrand, die Pest, Andreas Hofer, die Arlbergbahn, die Seidenweberei oder wichtige Persönlichkeiten – alles fand durch unglaubliche Filigranarbeit seinen Platz.

„Nach 45 Jahren immer noch stolz darauf“
„Ich arbeitete nach dem Hi-He-Ha-Prinzip“, schmunzelt Pepi, „das heißt, das Hirn liefert die Idee, das Herz prüft und die Hand führt aus.“ Auf das Ausgeführte wurde Gips gegossen und der Ton entfernt. Das negative Relief befüllte Sonnweber nun mit Beton und „Eiselen“. Nach der Härtung wurde der Gips herausgeschlagen, die Geschichtstafeln aus Beton waren fertig und hängen seit 45 Jahren eingemauert an der Wand der Volksschule. Und der Pepi hängt noch immer mit Herz an der Sache. „Ich feiere in meinem Kopf heuer das 45-Jahr-Jubiläum“, sagt der stolze Schöpfer des Unikates und hofft, dass Fotografien seines Werkes auch im umgebauten Gemeindehaus einen Platz finden – mit QR-Code, versteht sich. Er geht ja mit der Zeit, der Sonnweber Pepi!

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