29.09.2021 07:30 |

Ort der Inspiration

James Bond: Wurzeln von 007 führen nach Kitzbühel

James-Bond-Erfinder Ian Fleming verbrachte einige Studienmonate in Kitzbühel. Diese Zeit war prägend für sein weiteres Leben. Er lernte dort ein prägnantes Vorbild seiner Romanfigur kennen und fand seine spätere Mentorin.

„Meine Tante ist angekommen!“ – So lautete der Code, mit welchem Conrad O’Brien-ffrench von Kitzbühel aus im März 1938 seine Vorgesetzten in London informierte, dass die deutsche Wehrmacht in Österreich einmarschierte. Sehr wohl wissend, dass durch diesen Anruf seine Tarnung aufflog, hatte der gewiefte britische Spion schon vorab alles Notwendige für seine Flucht vorbereitet. Die ihm zur Verfügung gestellten Reichsmark- und Pfundnoten versteckte er in handgefertigten Maßschuhen.

Flucht in die Schweiz
Mit röhrendem Motor und quietschenden Reifen seines englischen Sportwagens raste er danach durch die engen Gassen der Gamsstadt. Die Gestapo klebte ihm auf seinem Weg in die Berge auf den Fersen. Kurz darauf versteckte O’Brien-Ffrench sein Auto hinter einem Heustadel und ging als erfahrener Bergsteiger zu Fuß Richtung „sicherer“ Schweiz. Der 1893 in London geborene und 1986 in den Vereinigten Staaten verstorbene Conrad Fulke Thomond O’Brien-ffrench, zweiter Marquis de Castelthomond, war ein brillanter britischer Geheimdienstoffizier, Hauptmann der „Tipperary Rangers“ des „Royal Irish Regiment“ und des „16. The Queen’s Lancers“ im Ersten Weltkrieg sowie Mountie für die „Royal North-West Mounted Polizei“ in Kanada.

Kitzbühel zur Tarnung ausgesucht
Schon lange vor Beginn des Zweiten Weltkrieges war die britische Regierung in Besorgnis über die politischen Entwicklungen in Nazi-Deutschland. Sie benötigten daher einen Mann in unmittelbarer Nähe zum „1000-jährigen Reich“. Dieser Mann war O’Brien-ffrench, beim britischen Auslandsgeheimdienst als Agent Z3 geführt. Zur perfekten Tarnung wurde der schon damals bekannte Nobel-Skiort Kitzbühel ausgesucht und Agent Z3 bekam als Tarnung die Geschäftsführung eines Reisebüros namens „Tyrol Tours“.

Spionagezelle
Das bot dem bekennenden Lebemann und Playboy nicht nur die Möglichkeit, sich breit gefächert sportlich und gesellschaftlich zu betätigen, sondern er nutzte an erster Stelle die Gelegenheit, ein umfangreiches Netzwerk von europäischen Verbindungen aufzubauen und gleichzeitig die gutbürgerliche Kundschaft aus Deutschland, zu der auch Führer aller politischen Institutionen und Ebenen gehörten, für seine Zwecke zu gebrauchen.

Die Brüder Peter und Ian Fleming lernten O’Brien-ffrench, in den Jahren bevor die Gräuel des Krieges die Welt erschütterten, in Kitzbühel kennen und waren von dem stilvollen, charismatischen „Geschäftsmann“ mehr als angetan. Ian Fleming, der sich 1927 als 19-jähriger Jugendlicher zweimal für neun Monate an einer englischen Privatschule in Kitzbühel in der ehemaligen Villa Tennerhof, dem heutigen bekannten Hotel aufhielt, war ein zerrissener junger Mann.

Die Wurzeln von 007
Seine Familie wünschte sich nach seinem Versagen in Eton und dem darauffolgenden in der Militärakademie Sandhurst, dass er in den diplomatischen Dienst komme. Laut dem Kitzbühler Germanisten und Kulturpublizisten Karl Prieler war diese relativ kurze Zeit im Tennerhof für den späteren weltbekannten Schriftsteller Ian Fleming ein für ihn sehr lebensprägender Abschnitt - und zwar, da die Leiterin dieser Schule, Schriftstellerin Phyllis Bottome, zur Mentorin seiner späteren Laufbahn als Autor wurde.

1953, ein Vierteljahrhundert später, erschien mit „Casino Royal“ Ian Flemings erster von insgesamt zwölf Bond-Romanen, deren Hauptfigur, der MI6-Agent James Bond, starke Charakter- und Wesenszüge zu dem realen britischen Spion in Kitzbühel, Conrad O'Brien-ffrench, aufweist.

Hubert Berger
Hubert Berger
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