08.09.2021 11:55 |

krone.at-Kolumne

Wie wird man eigentlich Impfkritiker?

Immer weniger Menschen wollen sich in Österreich impfen lassen. Manche davon aus Faulheit, manche sind noch skeptisch, aber viele davon sind handfeste Impfkritiker. Doch woher kommt dieses Misstrauen ins Jaukerl?

Im Ranking der Impfquoten macht Österreich keine besonders gute Figur. Während andere EU-Länder bereits an einer Herdenimmunisierung kratzen, möchten sich immer weniger Österreicher impfen lassen. Bei den Erststichen sind wir zahlenmäßig sogar auf Jänner-Niveau! Und da gab es noch eine Knappheit an Impfstoffen.

Impf-Hunderter lockt keinen Skeptiker zur Impfung
Klar, dass die Politik da schnellstmöglich reagieren muss, um einer Überlastung durch Ungeimpfte auf den Intensivstationen entgegenzuwirken. Aber wie? Die aktuellen Überlegungen rund um Geldgeschenke zum Erststich und das Disko-Sperren für Ungeimpfte sind ja ganz lieb. Aber dass 100 Euro tatsächlich einen einzigen handfesten Skeptiker zu einer Impfstraße locken werden, darf getrost bezweifelt werden. Man wird sich vielmehr mit der Frage auseinandersetzen müssen, warum so viele Österreicher der Impfung misstrauen.

Impfung brachte nicht den „Gamechanger“
Die Impfskepsis rührt aus einem kollateralen Vertrauensverlust in die Wissenschaft, in die Medien, aber auch in die Politik. Wenn noch vor rund einem Jahr versprochen wurde, dass die Impfung der „Gamechanger“ der Pandemie ist und uns eine Rückkehr ins normale Leben beschert, macht es zu Recht misstrauisch, wenn wir nun vor einer erneuten Lockdown-Debatte wegen steigenden Infektionszahlen stehen. Das Misstrauen ist hausgemacht.

Bei Angst kommt man mit Fakten nicht durch
Auch das Internet tut in dieser Gemengelage ihr Übriges. Selbst für den vorsichtigsten Medienkonsumenten ist es zuweilen schwierig, Informationen richtig einzuordnen, wenn das Netz mit Erzählungen von „Freunden, die Freunde kennen, die erzählen, dass nur Geimpfte in den Spitälern liegen“ geflutet wird. Personalisierte Räubergeschichten sind nun mal spannender als die trockene Wissenschaft. Und ist die Angst einmal da ist, dringt man mit Fakten nur noch schwer durch.

Impfverweigerer einfach sein lassen
Vielleicht muss man einfach akzeptieren, dass es in unserer Gesellschaft einen Teil gibt, der sich partout nicht impfen lassen will und die Überzeugungsarbeit dieses hartgesottenen Verweigererkerns sein lassen. Sie werden sich nicht bekehren lassen, nicht mit Argumenten, nicht mit einer Impfkampagne und schon gar nicht mit finanziellen Zuckerl. Das Geld kann man sich getrost sparen. Und vielleicht besser der Wissenschaft zugutekommen lassen.

Katia Wagner
Katia Wagner
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