07.07.2021 09:44 |

„Nachhaltiger Schlag“

BKA-Bilanz: 750 Festnahmen durch EncroChat-Daten

Im Frühjahr 2020 war es französischen Ermittlern gelungen, die verschlüsselten Handys der Firma EncroChat zu knacken und mehr als 20 Millionen geheimer Nachrichten abzuschöpfen, die sich Verbrecher gegenseitig in dem Glauben geschickt hatten, ihre Spezialtelefone seien abhörsicher. Seither rollen Ermittler in vielen Ländern die schwerkriminelle Szene auf. In Deutschland hat das Bundeskriminalamt (BKA) nun eine erste Bilanz gezogen - und die kann sich sehen lassen: Mehr als 2250 Ermittlungsverfahren wurden demnach nach der Auswertung der EncroChat-Daten eingeleitet, mehr als 750 Haftbefehle vollstreckt und zudem beachtliche Drogenmengen sowie Vermögen sichergestellt.

Einer Mitteilung zufolge hatte das BKA im April 2020 über Europol EncroChat-Daten erhalten, die einen Bezug zu Deutschland aufwiesen. Die Chats bestanden demnach „nahezu ausschließlich aus strafrechtlich relevanten Inhalten“, weshalb sich die Ermittler zunächst auf die Identifizierung der Personen hinter den Nutzernamen in den Chats konzentrierten. Aus mehreren hunderttausend von in Deutschland eingebuchten EncroChat-Nutzern hätten so Tausende Nutzer identifiziert werden können, hieß es.

Die Behörde spricht von einem „nachhaltigen Schlag gegen die organisierte Rauschgiftkriminalität“. Insgesamt wurden durch die Encrochat-Daten nahezu im ganzen Bundesgebiet bisher mehr als 2250 Ermittlungsverfahren eingeleitet und rund 360 bereits bestehende Verfahren „wesentlich“ unterstützt. In über 520 Ermittlungsverfahren wurden polizeiliche Einsatzmaßnahmen, wie Festnahmen, Sicherstellungen und Durchsuchungen durchgeführt. Dabei wurden rund 750 Haftbefehle vollstreckt.

Darüber hinaus wurden laut BKA fast 3,2 Tonnen Cannabis, etwa 320 Kilogramm synthetische Drogen, über 125.500 Ecstasy-Tabletten, fast 400 Kilogramm Kokain und zehn Kilogramm Heroin sichergestellt. Zudem seien rund 310 Schusswaffen und über 12.200 Schuss Munition aus dem Verkehr gezogen sowie Vermögen in Höhe von etwa 168 Millionen beschlagnahmt worden. Weitere 28 Millionen wurden vorläufig sichergestellt.

„Tiefer Einblick“ durch EncroChat-Daten
Der Mitteilung zufolge ermöglichten die EncroChat-Daten den deutschen Strafverfolgungsbehörden „einen tiefen Einblick in die Vorgehensweise und Zusammenarbeit von Tätergruppierungen der organisierten Rauschgiftkriminalität in Deutschland“. Die bundesweiten Ermittlungen würden die Strukturen der Tätergruppierungen empfindlich schwächen, zeigt sich das BKA überzeugt.

Vor allem für die Rauschgift-Handelsdelikte und den Rauschgiftschmuggel haben die Informationen das Bild zur Situation in Deutschland vervollständigt. Von den Rauschgiftlieferanten über die Logistiker der Einfuhr und der Verteilung in Deutschland bis hin zu deren Abnehmern konnten wir mit einem Schlag alle Tatbeteiligten ausmachen“, schildert Christian Hoppe, der die EncroChat-Ermittlungen im BKA koordinierte.

Erkenntnisse über die Struktur der Tätergruppierungen, ihre Vorgehensweise und ihre Vernetzung seien laut Hoppe „in das polizeiliche Hellfeld überführt“ worden. „Insbesondere die Feststellung, dass jeder vierte Tatverdächtige bewaffnet war, unterstreicht das hohe Gefährdungspotential der Tätergruppierungen der organisierten Rauschgiftkriminalität für unsere Gesellschaft.

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