26.06.2021 19:30 |

Fünf Personen erzählen

Diese Jobs bringen dich gratis in die Formel 1

Hautnah dran an der Formel 1 - und das im besten Fall gratis. Das ist möglich! Fünf Menschen aus dem Maschinenraum erzählten dem Red Bulletin, wie sie ihre Leidenschaft für die Königsklasse zum Beruf gemacht haben. 

Lea-Marie Pichler, Security
Ich komme aus Spielberg und studiere Mathematik und Physik in Graz. Ich bin 18 Jahre alt, heuer arbeite ich zum zweiten Mal als Security in Spielberg. Mein Job ist es, die korrekte Akkreditierung aller Gäste zu überprüfen, die den Tunnel zwischen Welcome Center und dem Fahrerlager queren wollen. Das gilt selbstverständlich auch für die Fahrer. Sebastian Vettel ist vor wenigen Minuten auf dem Weg zur Pressekonferenz an mir vorbeigekommen. Unsere Schicht dauert 12 Stunden, und natürlich macht man es auch des Geldes wegen, gerade als Studentin. Aber es ist eine tolle Arbeit, sonst wäre ich nach meiner Premiere im letzten Jahr nicht wiedergekommen. Man ist Teil des Ganzen, ein kleiner Teil der F1.

Es gibt etliche Dinge, die man als Security nicht darf. Selfies mit Fahrern machen zum Beispiel. Geschenke annehmen. Auch keine Autogramme schnorren. Man glaubt es vielleicht nicht, aber es reicht völlig, wenn man den Stars der F1 Auge in Auge gegenübersteht. Dazu braucht es kein Selfie. Bis jetzt habe ich nur in Spielberg als Security gearbeitet, aber wenn ich es mir aussuchen könnte würde ich gern mit dem F1-Tross nach Mexiko oder Thailand fahren. Achtung, da vorne kommt Carlos Sainz!

Maximilian Zarfl, Sanitäter
Ich bin Sanitätsmeister und darf führende Funktionen beim Roten Kreuz übernehmen. Ich wohne in Fohnsdorf, einen Steinwurf vom Red Bull Ring entfernt. Der Steiermark-GP 2021 ist Rennen Nummer 9 für mich. Unser Job ist, am Rennwochenende die medizinische Versorgung der Zuschauer sicherzustellen, sowohl auf dem Gelände selbst als auch auf den Campingplätzen. Mit etwaigen Unfällen auf der Strecke haben wir nichts zu tun, dafür gibt es eine eigene Einheit. Formel 1 live sehen wir nur durch ein kleines Fenster in unserem Kammerl unter der Haupttribüne, das auf die Zielgerade zeigt. Oder ein Fahrer spaziert zufällig vorbei wie vor 5 Minuten Lance Stroll.

Unsere Schicht beginnt morgens um 7 Uhr und dauert bis 19 Uhr. Unsere meisten Einsätze betreffen Hitze, Wespenstiche, hie und da Schnittwunden und abends auch Folgen von Alkohol. Ich bin nicht nur riesiger Rot-Kreuz- sondern auch F1- und Event-Fan. Dieser Job kombiniert alle drei Leidenschaften. Meine Lieblingsfahrer sind übrigens Lando Norris und Max Verstappen. Norris schaut noch aus wie ein Schüler, fährt aber saugeil Auto. Ich hoffe, dass am Wochenende möglichst wenig passiert. Auf der Strecke, aber auch unter den Zuschauern.

Isabel Brenner, Covid-Testerin
Ich bin 38 Jahre alt, komme aus Barcelona und mache bei sämtlichen Europa-Rennen die Corona-Tests für alle, die im Fahrerlager arbeiten - wirklich alle. Mir entkommt keiner. Viele fragen mich, warum mich all die hohen Tiere grüßen, wenn sie mich zufällig sehen, aber wenn man sie eineinhalb Jahre lang an jedem Wochenende zum Test trifft, ergibt sich fast zwangsläufig eine Beziehung. Eigentlich arbeite ich als Hostess auf der Strecke von Barcelona. Letztes Jahr wurde ich gefragt, ob ich während der Europa-Saison Lust auf etwas anderes hätte. So bin ich beim Covid-Test gelandet. Mein Job ist, die Tests zu registrieren, den QR-Code zu scannen und an den Kollegen weitergeben, der den Abstrich macht. Das alles muss verlässlich in der App hinterlegt werden, die es braucht, um ins Fahrerlager zugelassen zu werden. Viele finden das kompliziert, aber für mich ist das Alltag. Der Job verlangt natürlich Genauigkeit.

Ich bin großer F1- und Fußball-Fan. Meine Lieblingsfahrer sind Leclerc und Gasly. Und natürlich Ricciardo, der grinst immer, wenn er in unseren Container reinkommt. Andere sind eher muffelig, aber jeder muss an mir vorbei, vom Normalo bis zum Oberboss. Es ist entscheidend, wie man mit den Menschen umgeht. Zum Schluss sind dann alle happy, wenn alles funktioniert und sie ins Paddock dürfen.

Christian Seiwald, Bummelzug-Fahrer
Ich stamme aus St. Johann in Tirol, bin 46 Jahre alt und fahre seit 12 Jahren Bummelzug. In der Formel 1 sind wir seit dem ersten Rennen auf dem Red Bull Ring dabei. Die Idee mit dem Bummelzug habe ich einst in einem Urlaubsort gesehen. Mir hat das gleich gefallen, so bin ich im Bummelzug-Business gelandet. Der Red Bull Ring wollte etwas Besonders, um die Zuschauer auf der Strecke zu chauffieren und so sind sie über Umwege auf mich gekommen. In diesem Jahr haben wir sieben Züge im Einsatz. Derzeit dürfen wir maximal 25 Passagiere transportieren. Am Donnerstag fahren wir Touren durch die Boxengasse, von Freitag bis Sonntag auf der Ost- und Westseite Shuttle für die Zuschauer, die sich den Fußweg sparen und etwas erleben wollen.

So ein Zug kostet bis zu 150.000 Euro und hält 20 Jahre. Die Spitze beträgt 10 km/h, dafür reicht trotz seiner Länge ein ganz normaler Führerschein. Die Anhänger bauen wir selber. Um die Züge nach Spielberg zu bringen musste ich neun Mal mit dem LKW aus Tirol in die Steiermark fahren. Von der F1 selbst sehe ich gar nichts, zumindest nicht in Spielberg. Hier bin ich zum Arbeiten. Wenn ich Action sehen will, fahre ich als ganz normaler Zuschauer nach Monza. Ich bin ein irrsinniger F1-Fan und wünsche mir Max Verstappen als Weltmeister schon seit er fährt. Dieses Jahr sieht es ja ganz gut aus, und ich drücke ihm fest die Daumen.

Carla Heras, Catering-Managerin
Ich bin 37 Jahre alt, komme aus Spanien und arbeite seit über 15 Jahren für das österreichische Catering-Unternehmen Do&Co. Mein aktueller Job ist Head of Operations im Paddock Club, das heißt, ich verantworte das komplette Catering für den exklusiven Bereich der F1. 2005 habe ich zum ersten Mal von diesem Job gehört, als ich kellnerte, um mein Studium zu finanzieren. So habe ich mich Stufe für Stufe hochgearbeitet: andere Kellner eingeschult, mehr und mehr Verantwortung übernommen. Hier in Spielberg habe ich etwa 100 Leute unter mir. Rekord ist Abu Dhabi, da sind es fast 1.000, wenn man alle mitzählt. Dabei verköstigen wir über 5.000 Menschen auf höchstem Niveau - täglich. 

Echter F1-Fan bin ich erst durch die Netflix-Serie „Drive to Survive“ geworden. Zuvor war ich total auf meinen Job fokussiert. Das ist auch nötig, wenn du wirklich etwas werden willst im Umfeld der F1. Bloß die Atmosphäre zu genießen ist zu wenig. Meine Lieblingsfahrer? Früher Nico Rosberg, aktuell Daniel Riccardo und Charles Leclerc. Langsam wird es Zeit, dass die Jungen kommen. Was auf der Strecke passiert, bekomme ich immer wieder auf den Monitoren im Vorbeigehen mit. Aber es ist auch schon vorgekommen, dass mir die Gäste erzählen mussten, wer gerade das Rennen gewonnen hat.

Werner Jessner, The Red Bulletin

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