27.06.2021 21:22 |

Ab ins Viertelfinale

Tschechien wirft Geheimfavorit Holland aus der EM!

So große Hoffnungen hatten sie sich gemacht, so sehr von einer Wiederholung ihres großen Coups von 1988 geträumt - und doch ist die EM 2020 für Geheimfavorit Niederlande bereits nach dem Achtelfinale gegen das vorab als Außenseiter hingestellte Tschechien vorbei! Der Europameister von 1976 erwies sich abseits klarer Unterlegenheit in Sachen Geschwindigkeit als zu abgebrüht und clever für die uninspiriert anlaufenden „Oranjes“ - und setzte sich letztlich mit 2:0 durch. Nun wartet im Viertelfinale das am Samstag gegen Wales siegreiche Dänemark …

57.000 Zuschauer auf den Rängen, 31 Grad Celsius in der Luft sowie die Europameister von 1988 und 1976 auf dem Rasen - es hätte wohl zweifellos schlechtere Ingredienzien für einen schönen Fußball-Abend geben können als jene für das dritte Achtelfinale der Fußball-EM 2020. Wie es sich gehört, waren die Rollen im Duell Niederlande gegen Tschechien vorab auch ziemlich klar abgesteckt: Österreichs Gruppe-C-Nemesis, die „Oranje Elftal“, ging als Favorit in die Partie und die Tschechen als Außenseiter. Auf dem Papier mochte man meinen, dass sich die Frage nach dem Aufsteiger eigentlich gar nicht stellen sollte …

Tatsächlich begannen die wenig überraschend komplett in Orange gewandeten Niederländer wie aus der Pistole geschossen: Bereits nach 41 Sekunden fand eine Malen-Flanke von links außen beinahe den sträflich alleine in den Strafraum eingelaufenen Denzel Dumfries. Ein erster kleiner Schreckmoment für die von Tomas Kalas organisierte Tschechen-Defensive, die sich zwar fortan grundsätzlich als kompakt aufgestellt präsentierte, in Sachen Tempo und Beschleunigung den Sprint-Raketen der „Oranje“ ein ums andere Mal unterlegen war.

Für ihre zweite Chance brauchten die Mannen von Teamchef Frank de Boer dann aber keine Sprint-Qualitäten, sondern eine Standardsituation: Matthijs de Ligt köpfelte eine Blind-Flanke nach kurz abgespielter Ecke bei einem Luft-Zweikampf nicht in die Maschen, sondern in Verteidiger-Manier zurück ins Feld. Memphis Depay setzte den Abpraller zudem neben das Gehäuse. Eine etwas kuriose Szene - aber ein Tor hätte wegen Abseits ohnehin nicht gezählt (7.). Sechs Minuten später musste schließlich Kalas für seinen Goalie Tomas Vaclik einspringen, der einen langen Ball gegen Dumfries falsch einschätzte, überhoben wurde und dann zuschauen musste, wie sein Abwehr-Chef den Torschuss noch blocken konnte (13.).

Langsam, aber sicher bekam das Team von Tschechen-Coach Jaroslav Šilhavý in der Folge mehr Zugriff auf und Kontrolle in die Partie. Die offensivstarken Außenverteidiger Dumfries und Patrick van Aanholt hatten an den Flanken zwar weiterhin ihre Hetz, aber im Zentrum stellte Tschechien die gegnerischen Lauf- und Passwege immer besser zu. Und in Minute 22 klopfte die „Reprezentace“ selbst einmal beim Gegner an: Über Lukas Masopust, Vladimir Coufal und Petr Sevcik gelangte das Leder als Flanke zum mittig eingelaufenen Tomas Soucek und der „flugköpfelte“ daneben. Eine passable Offensiv-Aktion war’s allemal …

Während es mit der „Oranje“-Herrlichkeit immer mehr zu Ende ging, ließen sich die Tschechen fürs Erste noch nicht allzu sehr auf ein Duell mit offenem Visier ein. Gegenseitige Kontrolle stand nun vornehmlich an der Tagesordnung und so gab es zunächst auch nur mehr Halbchancen auf beiden Seiten, etwa durch Patrik Schick (28., 34.) bzw. Donyell Malen (31.) und Depay (33.). In Minute 38 hätte Tschechien in Führung gehen müssen, doch der völlig freie Antonin Barak ließ sich im Strafraum der „Oranjes“ zu viel Zeit, sodass De Ligt seinen Schuss noch übers Tor ablenken konnte.

„Kontrolle“ war auch nach Wiederanpfiff DAS Thema auf beiden Seiten - es sollte bis zur 51. Minute dauern, ehe wieder an einen Tor-Schrei gedacht werden durfte. Dass es diesen nicht gab, müssen sich die „Oranje“-Kicker selbst zuschreiben: Denn nach Zucker-Zuspiel von Depay sprintete Malen an allen vorbei alleine auf Tschechien-Keeper Vaclik zu - doch der bekam wie durch ein Wunder noch seine Hände an den Ball - Riesenabwehr!

Und kurz darauf sollte der „langsame Turnier-Tod“ der Niederlande seinen Ausgang nehmen: Deren Abwehr-Star De Ligt musste nach einem Handspiel als letzter Mann mit Rot vom Feld! Die Niederlande reagierten mit Unglauben und Ratlosigkeit, wenig überraschend übernahmen die Osteuropäer nun das Kommando im Spiel - und ihre Führung lag immer mehr in der Luft. Pavel Kaderabek scheiterte in Minute 64 zwar noch mit seinem Schussversuch ins lange Eck, kurz darauf war es dann aber so weit: Barak brachte einen Freistoß von knapp neben der Corner-Fahne an den zweiten Pfosten zu Kalas, der einmal quer durch den Fünfer zurück an den ersten köpfelte, wo Holes dann ins Gehäuse der Niederlande einnickte (64.). Die Vorentscheidung?

Während die De-Boer-Elf in einer zerfahren werdenden Partie kaum mehr Konstruktives gelang, näherten sich die Tschechen gar ihrem zweiten Treffer an. Halbchancen durch Soucek und Masopust ließ man zwar noch liegen (78.), doch in Minute 80 war der „Gouda“ dann endgültig gegessen. Der zuvor noch glücklose und gut bewachte Schick versenkte eine Ablage des als Balleroberer gegen Wijnaldum in Erscheinung getretenen Holes im kurzen Eck zum 2:0. Die Entscheidung! Aus im Achtelfinale für die Niederlande, ab ins Viertelfinale mit Tschechien - die bisher größte Sensation im Turnierverlauf …

Das Ergebnis:
Niederlande - Tschechien 0:2 (0:0)
Budapest, Puskas Arena, 57.000 Zuschauer, SR Karasev/RUS

Tore: 0:1 (68.) Holes, 0:2 (80.) Schick

Rote Karte: De Ligt (55./Verhinderung einer Torchance)

Gelbe Karten: Dumfries, De Jong bzw. Coufal

Niederlande: Stekelenburg - Dumfries, De Vrij, De Ligt, Blind (81. Timber), Van Aanholt (81. Berghuis) - De Roon (73. Weghorst), Wijnaldum, F. de Jong - Depay, Malen (57. Promes)
Tschechien: Vaclik - Coufal, Celustka, Kalas, Kaderabek - Holes (85. Kral), Soucek - Masopust (79. Jankto), Barak (92. Sadilek), Sevcik (85. Hlozek) - Schick (92. Krmencik)

Hannes Maierhofer
Hannes Maierhofer
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