Fußball

11.06.2021 22:52 |

EM-Eröffnungsspiel

3:0! Italien zeigt der Türkei, wo der Hammer hängt

Europameister wollen sie werden, zum zweiten Mal in ihrer Historie, zum ersten Mal seit 1968 - und die erste von sieben zu nehmenden Hürden auf dem Weg zum Titel hätte die „Squadra Azzurra“ nun tatsächlich erfolgreich gemeistert! Italien gab im Eröffnungsspiel der 16. Fußball-Europameisterschaften als Favorit der Türkei im heimischen Stadio Olimpico zu Rom klar mit 3:0 das Nachsehen und steht damit wohl bereits mit eineinhalb Beinen im Achtelfinale des paneuropäischen Turniers ...

Nun ist sie also tatsächlich losgegangen, die Fußball-Europameisterschaft 2020 - zwar mit knapp einem Jahr Verspätung, nicht überall vollen Stadien (Corona!) und auch nicht mit allen eingeplant gewesenen Ausrichter-Städten, aber letztlich zählt doch nur eines: dass der Ball endlich rollen durfte! Und beide Teams ließen ihrer Freude darüber schon vor dem Anpfiff sicht- und hörbar freien Lauf: Bei der Intonation ihrer Nationalhymnen schenkten sich sowohl Türken als auch Italiener nichts - rein von der akustischen Inbrunst her ein vorweggenommenes EM-Finale ...

Nach dem Anpfiff durch Schiri Danny Makkelie (NED) übernahm dann die auf dem UEFA-Papier als Auswärtsmannschaft auflaufende „Squadra Azzurra“ sofort das Kommando - vor allem Linksverteidiger Leonardo Spinazzola schaltete immer wieder in den Vorwärtsgang, sorgte für Druck. Allerdings hielt die Defensive der von Teamchef Senol Günes in 4-1-4-1-Formation ins Match geschickten Türken gut dagegen. Den ersten Hochkaräter verbuchte Italien so erst in Minute 22, als Giorgio Chiellini nach einem Eckball per Kopf nur am blendend aufgelegten Türkei-Goalie Ugurcan Cakir scheiterte. Zuvor hatten Ciro Immobile (3., 21.) und Lorenzo Insigne (18./weit am langen Eck vorbei) nur ansatzweise für Gefahr sorgen können ...

Und was war mit Chancen der Türkei? Fehlanzeige, es gab schlichtweg keine - Italien-Tormann Gianluigi Donnarumma wurde von den Halbmond-Kickern kaum einmal geprüft. Stürmer-Altstar Burak Yilmaz war zwar an im Ansatz vielversprechenden Aktionen beteiligt (9., 12.), aber ein erhöhter Blutdruck bei Italo-Teamchef Roberto Mancini ließ sich so nicht auslösen. Eine Yilmaz-Flanke wehrte Donnarumma zwar eher unkonventionell ab (35.), aber kein Mitspieler des Türken-Bombers war in der Nähe, um davon zu profitieren. Kurz vor der Pause probierte es Yilmaz im Zweikampf mit Chiellini noch mit einer Schwalbe im Italien-Strafraum, doch Schiri Makkelie fiel nicht darauf herein (43.).

Am Ende von Spielhälfte 1 stand letztlich eine Torschuss-Bilanz von 14:0 für Italien - doch fanden in diese Statistik auch Halbchancen wie jene von Nicolo Barella (29.), Insigne (32.) oder Immobile (42.) Eingang. Lediglich ein Kopfball des Lazio-Stürmers (33.) durfte sich noch als gefährlich bezeichnen lassen - er ging immerhin nur knapp am Gehäuse vorbei. Eher noch hätte Italien von einem Elfer-Pfiff profitieren können, doch des Schiris Pfeife blieb stumm, als Spinazzola mit einer Flanke den Arm des im Strafraum verteidigenden Mehmet Zeki Celik erwischte - das hätte auch anders ausgehen können ...

Spielhälfte 2 begann dann zwar nicht mit einem Paukenschlag, doch der Elf des ältesten Trainers bei dieser EM, des 69-jährigen Günes, schien der Pausentee in der Kabine gut bekommen zu haben. Mit deutlich mehr Mut ließen sie in den ersten Minuten nach Wiederanpfiff ein Stück weit erahnen, wieso sie in den vergangenen Jahren wieder zu den besseren Teams in Europa geworden waren. Und tatsächlich: In Minute 51 (!) gab es endlich den ersten Torschuss der Türken zu bejubeln - der zur Pause eingewechselte Cengiz Ünder schloss seinen Ein-Mann-Konter trotz Bedrängnis durch Spinazzola ab, Donnarumma hielt den Ball aber fest.

Doch der Traum von der Wende in der Partie wurde von der „Squadra Azzurra“ sogleich im Keim erstickt: Nach Fehler von Umut Meras flankte Domenico Berardi vom Fünfer aus unbedrängt und scharf zur Mitte - wo sich Juve-Verteidiger Merih Demiral nicht mehr in Luft auflösen konnte und den Ball mit der Brust ins Tor der Türkei bugsierte (53.) - ein Eigentor als erstes Tor der EM! Und das zweite sollte nur 13 Minuten später für die Entscheidung sorgen: War Immobile kurz nach dem 1:0 noch gescheitert, war ihm das Glück in Minute 66 schließlich doch noch hold!

Einen abgefälschten Schuss von Spinazzola konnte Goalie Cakir nicht ideal abwehren - und Immobile zeigte, dass er in Italien nicht umsonst als Goalgetter gilt. Und weitere 13 Minuten später war die Messe dann endgültig gelesen, der Gorgonzola gegessen, der Drops gelutscht. Nach einem Fehler des lange Zeit so starken Türkei-Goalies Cakir in der Eröffnung hatte wieder Immobile seine Füße im Spiel, die er für ein Zuspiel in Richtung Insigne benützte - der heute gut aufgelegte 1,63-Meter-Mann bedankte sich recht höflich dafür und schlenzte den Ball von links aus zum 3:0 ins lange Eck - die Entscheidung!

Danach plätscherte der Auftakt-Hit der EM 2020 eher unspektakulär dem Ende entgegen - wenngleich aus einer zuvor noch „extrem fairen Partie“ in den Schlussminuten noch ein nur mehr „faires Spiel“ wurde. Caglar Söyüncu (88./Ellenbogen-Einsatz im Luftduell) und Halil Dervisoglu (90./von hinten in die Beine) fingen sich noch die beiden einzigen Gelben Karten des Tages ein - ein gerüttelt Maß an türkischem Frust wird da wohl auch dabei gewesen sein ...

Das Ergebnis:
Türkei - Italien 0:3 (0:0)
Rom, Stadio Olimpico, 16.000 Zuschauer SR Makkelie/NED

Tore: 0:1 (53./ET) Demiral, 0:2 (66.) Immobile, 0:3 (79.) Insigne

Gelbe Karten: Söyüncü, Dervisoglu

Türkei: Cakir - Celik, Demiral, Söyüncü, Meras - Yokuslu (65. Kahveci) - Karaman (76. Dervisoglu), Tufan (64. Ayhan), Yazici (46. Ünder), Calhanoglu - B. Yilmaz
Italien: Donnarumma - Florenzi (46. Di Lorenzo), Bonucci, Chiellini, Spinazzola - Barella, Jorginho, Locatelli (74. Cristante) - Berardi (85. Bernardeschi), Immobile (81. Belotti), L. Insigne (81. Chiesa)

Hannes Maierhofer
Hannes Maierhofer
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