20.04.2021 18:19 |

Streitbarer Uni-Rektor

Philosoph Rudolf Burger mit 82 Jahren gestorben

Der Wiener Philosoph Rudolf Burger ist tot. Er starb am Montag im Alter von 82 Jahren in einem Wiener Spital, wie Burgers Verleger Dieter Bandhauer am Dienstagnachmittag der APA bestätigte. Als Professor für Philosophie und ehemaliger Rektor der Universität für angewandte Kunst Wien prägte er zahlreiche Debatten in Österreich mit.

Für einen Philosophen hatte Rudolf Burger eine ungewöhnliche Grundausbildung: Der Physiker näherte sich über eine Beamtenstelle für sozial- und geisteswissenschaftliche Forschung und die Wissenschaftssoziologie seinem späteren Thema an. Als Professor für Philosophie und Rektor der Angewandten prägte er zahlreiche Debatten in Österreich mit.

Zahlreiche Debatten und heftige Reaktionen ausgelöst
Heftige Reaktionen löste er etwa 1992 mit einem Gastkommentar im Nachrichtenmagazin „profil“ aus, in dem er gegen die „kriegsgeile“ Haltung der österreichischen Außenpolitik im Balkankonflikt Stellung bezog. Wenig später hielt er es am vernünftigsten, die Konflikte innerhalb des ehemaligen Jugoslawiens „ausbluten zu lassen“. Auf dem Höhepunkt der Proteste gegen Schwarz-Blau publizierte Burger in der „Europäischen Rundschau“ 2001 dann sein „Plädoyer für das Vergessen“, mit dem er die „Irrtümer der Gedenkpolitik“ in Form eines Essays darlegte.

Aus aktuellen Diskussionen hielt der Wiener sich in den vergangenen Jahren allerdings weitgehend heraus. Weil ihn die Tagespolitik „in meinem Alter nicht mehr wirklich interessiert“, hatte er der APA zu seinem 75. Geburtstag gesagt. Publikationsmüde war Burger allerdings dennoch nicht geworden. Vor zwei Jahren war im Sonderzahl Verlag der Band „Multikulturalismus, Migration und Flüchtlingskrise. Essays und Gespräche“ erschienen.

Bemerkenswerter Werdegang
Bemerkenswert ist schon der Werdegang Burgers: Er absolvierte ein Physik-Studium an der Technischen Universität Wien und arbeitete anschließend als Assistent am Institut für angewandte Physik sowie am Ludwig-Boltzmann-Institut für Festkörperphysik und im Bereich der Forschungsplanung am Battelle-Institut in Frankfurt/Main. Ende der sechziger Jahre war Burger außerdem im Planungsstab des deutschen Wissenschaftsministeriums in Bonn tätig.

Von 1973 bis 1990 leitete er die Abteilung für sozial- und geisteswissenschaftliche Forschung im Wissenschaftsministerium in Wien. 1979 habilitierte sich Burger für Wissenschaftssoziologie. 1987 kam er als Professor an die Hochschule für angewandte Kunst in Wien, wo er 1991 Vorstand der Lehrkanzel für Philosophie wurde. Von 1995 bis 1999 fungierte Burger als Rektor der „Angewandten“, seine Antrittsrede stellte er unter den Titel „Kultur ist keine Kunst“. Abgelöst wurde er vom noch immer amtierenden Uni-Chef Gerald Bast.

Konsens um jeden Preis war Burgers Sache nicht: „Solange Menschen existieren, die den Namen Menschen verdienen, das heißt, solange sie moralische Wesen sind, werden sie in konkreten Lagen darüber streiten, was gut ist und was böse, und sie werden, wenn sie es ernst meinen, für ihre moralischen Überzeugungen auch kämpfen.“

Burger erhielt im Jahr 2000 den Österreichischen Staatspreis für Kulturpublizistik. Im heurigen Sommer hätte ihm der Paul Watzlawick Ehrenpreis verliehen werden sollen. 

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