12.04.2021 07:05 |

Hörl im Interview

Corona: Milliardenverluste für Tirols Seilbahner

Seilbahnsprecher Franz Hörl spricht im „Krone“-Interview über eine Wintersaison wie keine andere jemals zuvor. Ohne ausländische Skigäste betrug der Saisonverlust in Tirol rund fünf Milliarden Euro. Bewunderung zeigt Hörl für die Leidensfähigkeit der Skifahrer: „Das beweist, wie wichtig dieser Sport ist.“

„Krone“: Herr Hörl, wie oft waren Sie heuer selbst Skifahren?
Franz Hörl:
Ich hatte meine Saisonkarte 27-mal in Verwendung - ich war somit an jedem Wochenende auf den Skiern unterwegs.

Sie forderten eine „Grundversorgung am Berg“, stattdessen war alles zu.
Hier muss ich mich vor allem für die Leidensfähigkeit der Wintersportler bedanken, die in dieser Saison viel ertragen mussten, um ihrer Leidenschaft nachzugehen. FFP2-Masken, Testpflicht in Tirol ab Februar, so gut wie keine Verpflegung und frierende Menschen an kalten Tagen ohne Einkehrmöglichkeit. Es wundert keinen, dass die meisten Menschen die Skigebiete um 13 Uhr verlassen haben.

Hätten die Betriebe auch aufgesperrt, hätte man im Vorfeld gewusst, dass später FFP2–Masken und Negativ-Tests zum Skifahren nötig sein werden?
Dies hätte zumindest in manchen Regionen zu noch intensiveren Diskussionen und möglicherweise anderen Entscheidungen geführt. Wobei wir nicht für möglich gehalten haben, wie viel die Menschen auf sich nehmen, um Ski fahren zu können.

In Südtirol war alles geschlossen. In Jochberg, St. Anton gab es wieder Negativ-Schlagzeilen im Ausland durch feierwütige Skifahrer. War es richtig, aufzusperren?
Ja, weil auch diese Vorfälle nichts mit dem direkten Skibetrieb zu tun haben. Ich getraue mich zu behaupten, dass 99,9 Prozent der Gäste zum Skifahren gekommen sind und sich an die Regeln gehalten haben. Das Verbot von Veranstaltungen und Einreisebestimmungen abseits der Skigebiete kann weder unsere Verantwortung sein, noch sind wir es, die dies zu exekutieren haben.

Welche Rückmeldungen aus Tirol bzw. auch aus anderen Bundesländern haben Sie dazu bekommen?
Die Rückmeldungen waren überwiegend positiv. Viele Menschen waren einfach dankbar, dass sie diese Möglichkeit hatten, um abzuschalten, sich zu bewegen und sich selbst etwas Gutes in dieser harten Zeit zu tun.

Wintersaison ausgefallen: Wie groß ist das Minus für die Seilbahnbetriebe in Tirol?
Die endgültigen Zahlen liegen noch nicht vor. Das Minus wird sich aber in einem Bereich von fünf Milliarden Euro bewegen.

Sind Landes- und Bundeshilfen schon geflossen? Wenn ja, in welcher Höhe?
Die Bundesmittel sind zum Teil bereits geflossen. Auf Landesebene ist unverändert die Auszahlung nach dem Epidemiegesetz anhängig. Eine detaillierte Aufstellung für unsere Branche liegt aktuell nicht vor.

Welche Lehren ziehen Sie aus der heurigen Saison?
Wir haben gesehen, wie wichtig wir für viele Menschen sind, dass wir aber auch polarisieren. Die Saison und die Pandemie werden mit Sicherheit Veränderungen mit sich bringen. Die Branche weiß genau, was jetzt in Zukunft gefragt ist und was wohl der Vergangenheit angehören wird.

Wie wird die nächste Wintersaison ablaufen?
Abgesehen von möglichen Aus- oder Nachwirkungen der Pandemie werden wir hoffentlich wieder in eine Art Normalbetrieb zurückkehren. Normal bedeutet dabei aber nicht „gleich wie davor“, sondern sicher auch mit Kurs- und Angebotskorrekturen, die als Lerneffekt umgesetzt werden.

Wird nochmals aufgesperrt, auch wenn wieder eine Welle anrollen sollte wie beim letzten Mal?
Ich bin schon zuversichtlich, dass wir es in der kommenden Saison mit anderen Rahmenbedingungen zu tun haben. Das hoffe ich vor allem für jene Betriebe, die sich eine zweite solche Saison nicht leisten könnten.

Was bedeutet die diesjährige Saison für die Investitionsbereitschaft der Branche? Schließlich wurden in den vergangenen Jahren jährlich 200 bis 300 Millionen Euro investiert.
Die Investitionen sind auf ein Minimum zurückgegangen. Das ist wirtschaftlich nachvollziehbar. Wenn man bedenkt, dass Österreich zu den am modernsten ausgestatteten Seilbahnlandschaften zählt, werden wir diese Pause wohl verkraften. Wobei ich schon betonen möchte, dass ein hoher Anteil der Investitionen nicht für „mehr“, sondern für „besser“ - und das auch im Sinne der Ökologie und Nachhaltigkeit - verwendet wird.

Philipp Neuner
Philipp Neuner
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