Wenig Transparenz

Absurd: Meeresfisch als Fischfutter für Zuchtfisch

Das Problem der Überfischung der Meere ist heutzutage vielen Konsumenten bereits ein Begriff. Dass jedoch auch der Konsum von Zuchtfisch zu dieser Überfischung der Ozeane beiträgt, ist wohl so gut wie unbekannt. Experten kritisieren, dass Österreichs Supermärkte zum Verschleiern dieser Tatsache beitragen würden. 

Das Ergebnis eines kürzlich veröffentlichten Berichts der Stiftung Changing Markets und des AK Konsumentenschutzes OÖ ist deutlich. Die niederländische Stiftung Changing Markets hat in dieser Studie aufgezeigt, dass bereits jeder sechste im Meer gefangene Fisch als Futtermittel für Fischzuchten verwendet wird. Gemeinsam mit dem AK Konsumentenschutz OÖ wurde Österreichs Einzel- und Großhandel befragt und festgestellt, dass dieser kaum Bewusstsein oder Willen zur Verbesserung dieser Situation zeigt.

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Ob Zuchtlachs aus Schottland oder österreichische Forellen - überall steckt die Überfischung der Meere mit drin!

Nicolas Entrup, "OceanCare"

Keiner der evaluierten Supermärkte erfüllte auch nur die Hälfte der untersuchten Kriterien für eine nachhaltige Lieferkette bei den Produkten aus Aquakulturen. Österreichs Supermärkte sind diesbezüglich im Schnitt sogar schlechter als deutsche oder britische Handelsketten. Am besten schneidet noch Lidl ab, der mit nur 33 Prozent (bzw. acht von 24 Punkten) aber weniger Punkte erzielt als Lidl in Deutschland. Absolutes Schlusslicht bildet Metro mit nur zwei von 24 Punkten.

Das vollständige Ranking der österreichischen Supermarktketten findet sich im Bericht „Erwischt: Wildfisch als Fischfutter für Aquakulturen“.

„Ob die ÖsterreicherInnen Zuchtlachs aus Schottland oder österreichische Forellen kaufen - überall steckt die Überfischung der Meere mit drin. Kommerzielles Fischfutter für heimische Forellen beispielsweise besteht zu rund 45 Prozent aus Fischmehl und -öl. Das Image der Fischzucht als “nachhaltig„ beweist sich einmal mehr als nicht gerechtfertigt“, sagt Nicolas Entrup, Co-Direktor für internationale Zusammenarbeit bei der Meeresschutzorganisation „OceanCare“.

Der österreichische Lebensmittelhandel sei gefordert, ab sofort in seiner Einkaufspolitik auf Nachhaltigkeit beim Erwerb von Fisch und Fischprodukten zu achten. “Viele Fischfarmen sind durchaus mit den tierquälerischen Mastbetrieben anderer Nutztiere zu vergleichen. Um möglichst viele Fische in möglichst kurzer Zeit zu züchten, werden Tierquälerei, ökologische Katastrophen und Umweltverschmutzung in Kauf genommen. Der Handel ist in der Verantwortung, den Konsumenten keine Produkte aus Tierquälerei und Naturzerstörung zu verkaufen und durch ein bewussteres Produktangebot zum Schutz der Ozeane beizutragen,” sagt Entrup.

 Tierecke
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Montag, 19. April 2021
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