02.04.2021 15:08 |

„Heimvideopakete“

Hacker verkaufen Einblicke von Überwachungskameras

Hacker in China haben offenbar Zehntausende Überwachungskameras angezapft und verkaufen die Aufnahmen nun als „Heimvideopakete“ über das Internet. Die Preise dafür richten sich nach dem Gebotenen: Während gewöhnliche, etwa in Hotelzimmern gemachte Aufnahmen für umgerechnet rund drei US-Dollar erhältlich sind, schlagen Videoclips mit Nacktheit oder sexuellen Handlungen mit jeweils rund acht Dollar zu Buche.

Wie die „South China Morning Post“ unter Berufung auf eine Investigativreportage des lokalen TV-Senders Henan berichtet, stammen die Aufnahmen zum Teil von Überwachungskameras, die aus Sicherheitsgründen in Häusern installiert wurden, zum Teil aber auch von heimlich in Hotels, Umkleidekabinen oder etwa Schönheitssalons versteckten Geräten. Neben den einzeln abrufbaren Videos stehen demnach auch Live-Streams zur Verfügung. Die Zugangsdaten zu Kameras in zehn privaten Haushalten gibt es bereits ab umgerechnet elf Dollar, für zehn zusätzliche Streams in Hotelzimmer würden 23 Dollar fällig, die doppelte Anzahl an Privat- und Hotel-Streams koste 39 Dollar, hieß es.

Videomaterial für Monate
Über einen Messengerdienst des chinesischen Internetgiganten Tencent soll ein Händler binnen 20 Tagen mehr als 8000 Videoaufnahmen geteilt haben, die dann wiederum von Unterhändlern an deren Klientel verkauft worden seien. Die Videos stammten von Kameras im ganzen Land, wichtigste „Quellen“ seien jedoch die Provinzen Guangdong, Hunan und Hubei. In einem Chat prahlte der Händler damit, er habe so viele Clips, dass sogar sechs Monate nicht genügten, sie alle anzuschauen - „selbst man 24 Stunden am Tag schaut“.

Er warb zudem offen um neue „Agenten“, die die Aufnahmen zu einem niedrigeren Preis von ihm beziehen und dann teurer verkaufen könnten. „Ich habe ein Dutzend Leute, die durch das Land reisen und überall Kameras installieren. Selbst wenn ein Hotel das herausfindet, werden wir nur eine Kamera verlieren, die ein paar hundert Yuan kostet. Wir haben ein paar Clips geschnitten, um sie online zu verkaufen, und wir werden diesen Verlust decken“, sagte er.

Private Einblicke
Zunehmender Beliebtheit erfreuen sich demnach Videos, die das ganz normale Familienleben zeigen. In einem Video, dass über die Chat-Gruppe geteilt wurde, ist eine dreiköpfige Familie mehr als acht Stunden lang unter anderem beim Lesen und Spielen zu beobachten. „Solche Videos sind primitiv. Viele Leute mögen heutzutage solche Sachen, beobachten die Privatsphäre der Leute, was sie gerade tun … Weißt du was? Ich habe dieses Video mehrere hundertmal verkauft“, wurde der Händler zitiert.

Ob die chinesische Polizei gegen die Hacker ermittelt, erwähnte der TV-Sender nicht. Wie ein Anwalt gegenüber der „South China Morning Post“ verriet, drohten den Cyberkriminellen im Falle einer Verurteilung jedoch Freiheitsstrafen von zwei (wegen Verbreitens von Pornografie) bis sieben Jahren (wegen Eindringens in ein Computersystem) Haft.

Sebastian Räuchle
Sebastian Räuchle
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