08.03.2021 18:55 |

Nach Chaos-Demo

Kurz: „Das ist inakzeptabel, das widert mich an“

Der Auftritt Herbert Kickls bei den Wiener Corona-Demos sorgt auch Tage später für heftigen Wirbel: Die ÖVP ruft den blauen Klubchef zum Rücktritt auf, der Kanzler übt scharfe Kritik. Indes erklärt der freiheitliche Altvordere Andreas Mölzer, dass die blaue Demo-Allianz für die Partei nicht gerade ungefährlich ist.

Wäre es nicht zweifelsfrei archiviert, man würde kaum glauben, dass ÖVP und FPÖ noch vor zwei Jahren in völliger Eintracht das Land regiert haben. Denn nach dem umstrittenen Auftritt Herbert Kickls bei den Wiener Corona-Demos am Wochenende gerieten die Parteien einmal mehr heftig aneinander, die ÖVP forderte den blauen Frontmann gar zum Rücktritt auf. „Kickls Bündnis mit Rechtsextremen“, sagte ÖVP-Generalsekretär Axel Melchior, „gefährdet unseren Rechtsstaat und bringt die Gesundheit sowie die Sicherheit der Österreicher in Gefahr.“

Kurz: „Das widert mich an“
Wenig später legte der Kanzler selbst im Nationalrat nach – wenn auch ohne die Blauen zu nennen: Dass es bei den Demos zu Ausschreitungen und antisemitischen Aktionen bis hin zu „Sieg Heil“-Rufen gekommen ist, findet Sebastian Kurz „inakzeptabel“. Mehr noch: „Das widert mich an.“

Daraufhin wiederum attackierte die FPÖ den Kanzler. Blau-Mandatar Hannes Amesbauer etwa donnerte Kurz in der Parlamentssitzung, in der es eigentlich um den Frauentag ging, einen „Lügenkanzler“-Zwischenruf entgegen. Auch der Parteichef der Freiheitlichen, Norbert Hofer, beschwerte sich über „pauschalierende Kriminalisierung“.

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Die Partei muss aufgrund des Narrensaums, der dort auch ist, höllisch aufpassen, dass man nicht den Boden der Demokratie verlässt.

Ex-EU-Abgeordneter Andreas Mölzer (FPÖ)

Mölzer: „FPÖ muss höllisch aufpassen“
Für die FPÖ, in der hinter vorgehaltener Hand auch Spitzenpersonal Kritik an Kickls Demo-Shows übt, ist die Sache jedenfalls eine Art Gratwanderung, so der freiheitliche Altvordere Andreas Mölzer: „Es hat natürlich eine taktische Logik, als einzige Partei die Demonstranten anzusprechen“, sagt er; dies trage nach Ibiza zur „Erholung“ bei. Nachsatz: „Aber die Partei muss aufgrund des Narrensaums, der dort auch ist, höllisch aufpassen, dass man nicht den Boden der Demokratie und der parlamentarischen Gesprächsbasis verlässt.“

Klaus Knittelfelder
Klaus Knittelfelder
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