22.02.2021 08:27 |

Kein digitaler Schrott

Bitcoin: Das Gold der Zukunft?

Wer vor zehn Jahren zehn Euro in Bitcoin investiert hätte, wäre heute Millionär. Er hätte aber auch Rückschläge erlebt. Warum Tesla-Chef Elon Musk jetzt darauf setzt? Ein sehr persönlicher Ausblick auf Kryptowährungen von Superfund-Gründer Christian Baha.

Die traditionelle Welt bezeichnet Bitcoin ja gerne als digitalen Schrott. Ich meine, das wird seiner Bedeutung alles andere als gerecht! Der Bitcoin ist ein dezentrales, elektronisches Zahlungssystem, das ohne Zentralbank auskommt. Es ermöglicht einen schnellen, unbürokratischen und deutlich billigeren Geldtransfer. Das Bitcoin-Netzwerk ist zudem sicher: Es kann nicht von Hackern in Angriff genommen werden. Jede Transaktion ist nachvollziehbar und auf der Blockchain, dem Bitcoin-Protokoll, verewigt.

Gelddrucken hat ein Ablaufdatum
Staaten können nicht ewig Geld drucken und Schulden machen. Papiergeld verliert so an Wert. Bitcoin könnte die Rettung sein, da die Menge der Bitcoins auf 21 Millionen limitiert ist. Gold wird in Minen abgebaut. Der Bitcoin wird mit einem extrem großen Computer- und Energieaufwand „geschürft“. Nach jedem Halvening (Die Menge der ausgegeben Bitcoins pro neuem Block wird etwa alle 3,5 Jahre halbiert, damit Bitcoin als Währung immer härter wird, Anm.) müssen die Computer der Bitcoin-Miner doppelt so viel Rechenleistung bereitstellen, um einen Block zu produzieren. Bitcoin wird - wie Gold - als Währung somit immer härter. Es schützt vor Inflation und kann so vielleicht das Gold der Zukunft sein?

Die digitale Revolution des Internets verlief in vier Phasen:

  • Phase 1: Die Geburt des PC, im Jahr 1980, mit hellen Köpfen wie Bill Gates oder Steve Jobs. Texte oder Tabellen können kopiert und gespeichert werden, aber die Übertragung, also ein World Wide Web fehlt noch.
  • Phase 2: In den frühen 1990er-Jahren war es dann so weit, Informationen nicht mehr ganz klassisch über postalische Briefe, sondern via E-Mail zu übertragen. Nicht nur Fotos oder Videos werden verschickt, über soziale Netzwerke werden Freundschaften geschlossen und gepflegt. Was fehlt, ist die Möglichkeit, Geld über das Internet sicher zu transferieren, ohne horrende Provisionen an Kreditkartenfirmen zu bezahlen.
  • Phase 3: Erster Bitcoin im Jahr 2009. Zum Weltspartag am 31. Oktober 2008 publizierte Satoshi Nakamoto das „Whitepaper“, in dem er die Funktionsweise des Bitcoins festlegt. „Bitcoin ist ein elektronisches Peer-to-Peer-Cash-System.“ Ziel ist es, weltweit, sicher, transparent, günstig und schnell an jedermann direkt Geld online und beinahe ohne Gebühren zu transferieren - progammierbares Geld. Das neunseitige „Whitepaper“ findet man auf www.bitcoin.org. Was Satoshi Nakamoto mit der Bitcoin-Blockchain geschaffen hat, ist das Faktum, dass jede Transaktion auf alle Zeit vermerkt ist und rückwirkend auch nicht mehr verändert werden kann. Auf der Bitcoin-Blockchain sind seit dem Start 2009 alle Transaktionen wie in Stein gemeißelt. Alles völlig transparent und nachvollziehbar. De facto kann Geld erstmals über jedes Smartphone ohne Provisionen überwiesen werden.
  • Phase 4: 2040 - die digitale Zukunft. All das, was wir besitzen - von Geld über Grund und Boden bis zu öffentlichen Datenbanken -, könnte auf die unwiderrufliche Blockchain übertragen werden. Melderegister, Grund- oder Aktienbuch, nicht einmal Reisepässe sind mehr notwendig. Diese Phase könnte vielleicht ab dem Jahr 2040 eintreten, völlig unrealistisch ist das nicht.

Wurde einst nicht auch das Internet belächelt?
Auch das Internet wurde jahrzehntelang unterschätzt. Niemand hielt es vor zwanzig Jahren für möglich, dass sich heute unter den zehn größten Unternehmen der Welt sechs reine Internet-Firmen befinden, darunter Apple, Microsoft, Amazon, Alphabet, Facebook, Netflix. Jene, die meinen, es sei ausschließlich für kriminelle Geschäfte oder Geldwäscher geschaffen, sehen das Potenzial zu wenig. Paypal-Gründer und Tesla-Chef Elon Musk hat gerade 1,5 Milliarden Dollar in Bitcoin investiert. Wird sich in zwanzig Jahren unser ganzes Leben in Blockchains abspielen? Vieles spricht dafür. Auch Kritik, dass zu viel Strom verbraucht würde, hat wohl ein Ablaufdatum. In etwa zwanzig Jahren werden die Energiekosten deutlich gesunken sein. Dann wird sich ein extrem günstiges Eco-, um nicht zu sagen Öko-Geld-System etabliert haben.

Es kann sich durchaus auszahlen, vorsichtig und wenig in Kryptowährung zu investieren. Ob sich Bitcoin oder eine andere Kryptowährung durchsetzen wird, ist noch nicht entschieden. Es hat sich auch nicht die erste Internet-Suchmaschine durchgesetzt, sondern die beste. Google war die Nummer 9.

Kleines Bitcoin-Lexikon
Bitcoin ist seit 2009 die erste Internetwährung, die von jedem über das Internet direkt und kostengünstig übertragen werden kann. Es kann nie mehr als 21 Millionen Bitcoins geben: Die maximale Anzahl von Bitcoins ist durch einen technischen Mechanismus (Algorithmus) limitiert, wie Gold, das ebenfalls begrenzt ist. Eine Blockchain ist eine unveränderbare Kette an Datenblöcken, also eine chronologisch geführte lückenlose Datenbank aller Bitcoin-Überweisungen seit 2009. Größe: 340 Gigabyte. So viel Rechenleistung, dezentral (ohne zentrale Autorität), kann nicht gehackt werden. Einen abgeschlossenen Datensatz nennt man Block. Alle zehn Minuten entsteht ein neuer Block (Bitcoin-Mining).

Es kann in der Blockchain nur jeweils ein neuer Block angehängt werden, der von Millionen Rechnern berechnet und bestätigt wird, damit niemand rückwirkend etwas verändern kann. Die Bitcoin-Blockchain wurde noch nie gehackt. Aber Krypto-Börsen oder Krypto-Geldbörsen (Wallets) wurden gehackt und Bitcoins gestohlen. Bitcoin ist wie Gold dezentral. Es gibt viele Länder, wo Gold geschürft und gelagert wird. Ähnlich funktioniert das bei Bitcoin. Die Computer sind auf der ganzen Welt verteilt. Fallen Rechner aus, übernehmen andere die Aufgabe, neue Blöcke zu erstellen. „Open Source“-System - gehört niemandem und wird von keinem Staat kontrolliert.

Eine Wallet, eine virtuelle Geldböre enthält zwei digitale Schlüssel, mit dem der Besitzer nachweist, dass ihm eine gewisse Menge an Bitcoins gehört. Mining bezeichnet den rechenintensiven Vorgang der Erzeugung neuer Blocks. Dabei werden offene Bitcoin-Transaktionen alle zehn Minuten in einem neuen Block bestätigt und neue Bitcoins als Belohnung an die Miner ausgegeben. 2041 soll der letzte Bitcoin abgebaut werden.

Die Menge der ausgegeben Bitcoins pro neuem Block wird etwa alle 3,5 Jahre halbiert (Halvening), damit Bitcoin als Währung immer härter wird. Es gibt 2000 Kryptowährungen. Die größte ist Bitcoin - mit Marktkapitalisierung von 920 Milliarden Dollar. Nummer zwei, Ethereum, mit 210 Milliarden Dollar.

Christian Baha

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