31.01.2021 09:31 |

Fragen im U-Ausschuss:

„Wo sind die Millionen, Herr Pucher?“

Mit Spannung erwartet wird der Auftritt des ehemaligen Commerzialbank-Chefs Martin Pucher im U-Ausschuss. 45 Minuten werden den Fraktionen zur Verfügung stehen, um vom Hauptbeschuldigten Hintergrundinformationen zum Millionen-Skandal zu erfahren. Die Zeit ist knapp, die Fragen müssen wohlüberlegt sein.

Noch wird mit Martin Puchers Erscheinen am Mittwoch um 10 Uhr fix gerechnet. Überraschungen sind allerdings nicht ausgeschlossen. Kommt der Ex-Bankchef tatsächlich, dann steht die Schlüsselfigur im Millionen-Fiasko im Rampenlicht der Fragen der an Aufklärung interessierten Fraktionen. „Es tut mir leid, ich habe die Bank ruiniert“, hatte Pucher schon im Juli 2020 dem Vorstand in seinem Büro in Mattersburg mitgeteilt. Ein Chef, dem blind vertraut worden war, und ein Aufsichtsrat, der über die Finanzgeschäfte kaum Bescheid wusste - gewisse Einblicke in die Scheinwelt der Commerzialbank aus gefälschten Krediten und vorgetäuschten Bilanzen hat der U-Ausschuss in 14 Sitzungen seither bereits erhalten.

„Wie hat Herr Pucher, ein gelernter Bankkaufmann, eine ganze Reihe an hochrangigen Experten der Wirtschaftsprüferkanzlei TPA, der Finanzmarktaufsicht (FMA) und der Oesterreichischen Nationalbank so lange hinters Licht führen können?“ Dies wird eine Kernfrage der SPÖ im U-Ausschuss. „Weiters interessiert uns, wo die 100 Millionen Euro versickert sind, für deren Verbleib es einfach keine Erklärung gibt“, ergänzt der rote Fraktionsführer Roland Fürst.

Unabhängig von vielen Fragen, die noch offen sind und auf Antworten warten, hat Fürst vor allem ein Ziel vor Augen: „Wir müssen in dem vorgegebenen Zeitfenster von 45 Minuten das maximale Limit an wichtigen Infos zu der weitläufigen Causa erreichen.“ Begrenzt ist die Befragung aufgrund Puchers schwer angeschlagener Gesundheit.

„Herr Pucher, wie war ihr Verhältnis zu Vorstandskollegin Franziska K.?“ Die Stimmung zwischen den beiden war nach anfänglichen Höhenflügen in den letzten Jahren stark unterkühlt. Diesen Eindruck verstärkt ein vertraulicher Brief von ihr an ihn, der ernüchternde Einblicke in Puchers desaströses Bankgeheimnis gibt.

Karl Grammer, Kronen Zeitung

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