Konzern im Umbruch

Intel holt Branchenlegende aus der Pension zurück

Digital
22.01.2021 09:44

Intel im Umbruch: Der US-Chipgigant will nicht länger zusehen, wie Rivale AMD ihm Marktanteile abjagt und tauscht nicht nur den Chef aus, sondern holt auch eine Branchenlegende aus der Pension zurück: Glenn Hinton, der federführend an den ersten Core-i-Chips beteiligt war, soll nach drei Jahren Ruhestand an einem neuen „Hochleistungs-CPU-Projekt“ arbeiten.

Über die Rückkehr von Prozessor-Architekt Hinton berichtet unter anderem das IT-Nachrichtenportal „HardwareLuxx“. Bevor der bisherige Chef Bob Swan das Ruder bei Intel an den neuen Boss Pat Gelsinger übergibt, meldet Intel indes bessere Geschäftszahlen als erwartet.

Mit einem Umsatz von 20 Milliarden Dollar nahm Intel rund 2,6 Milliarden Dollar (2,14 Milliarden Euro) mehr ein als zuvor in Aussicht gestellt. Das war zugleich ein Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Im gesamten Jahr stiegen die Erlöse um acht Prozent auf den Rekordwert von 77,9 Milliarden Dollar.

15 Prozent mehr Gewinn
Der Quartalsgewinn fiel um 15 Prozent auf 5,9 Milliarden Dollar, wie Intel mitteilte. Im Geschäft mit Rechenzentren sank der Umsatz im Jahresvergleich um 16 Prozent auf 6,1 Milliarden Dollar. Im gesamten Jahr stiegen die Erlöse jedoch nach dem Corona-Boom beim Datenverkehr um elf Prozent auf 26,1 Milliarden Dollar. Mit dem Arbeiten und Lernen zuhause hatten 2020 unter anderem Videokonferenzen stark zugenommen. Das machte den Ausbau in Rechenzentren notwendig, von dem auch Intel profitierte. Der Bereich warf einen operativen Quartalsgewinn von knapp 2,1 Milliarden Dollar ab.

Der hohe Bedarf an Computer für das Home-Office spülte Geld in Intels Kassen. (Bild: stock.adobe.com)
Der hohe Bedarf an Computer für das Home-Office spülte Geld in Intels Kassen.

Hohe Verkaufszahlen in der Pandemie
Im Geschäft mit PC-Prozessoren stiegen die Erlöse im vergangenen Quartal um neun Prozent auf 10,9 Milliarden Dollar. Den Ausschlag dafür gab ein Sprung beim Notebook-Absatz - der auch als eine Folge der Corona-Pandemie gilt. Das operative Ergebnis des Bereichs stieg um gut zehn Prozent auf 4,5 Milliarden Dollar.

Trotz guter Geschäftszahlen hatte Intel in den letzten Jahren Probleme. Der Konzern war unter anderem durch Verzögerungen beim Start einer neuen Prozessor-Fertigungstechnologie zunehmend unter Druck geraten Die Intel-Aktie gab im nachbörslichen Handel zeitweise um mehr als vier Prozent nach.

In seinen Chipfabriken kämpft Intel seit Jahren mit dem Umstieg auf die effizientere 7-Nanometer-Fertigung. (Bild: EPA)
In seinen Chipfabriken kämpft Intel seit Jahren mit dem Umstieg auf die effizientere 7-Nanometer-Fertigung.

7-Nanometer-Chips erst Ende 2022
Der scheidende Chef Bob Swan sagte in einer Telefonkonferenz mit Analysten nach Vorlage der Zahlen, Intel mache gute Fortschritte dabei, die Probleme bei der Produktion von Chips mit Strukturbreiten von 7 Nanometern zu überwinden. Der Konzern hatte im Sommer ankündigen müssen, dass diese neuen Prozessoren sich weiter verzögern und erst Ende 2022 oder Anfang 2023 auf den Markt kommen werden. Grund ist ein Fehler im Produktionsverfahren, der zu einem zu hohen Anteil unbrauchbarer Chips führte.

Im Zusammenhang mit den Problemen kam auch die Möglichkeit auf, dass Intel die neuen Prozessoren bei anderen Firmen produzieren lassen könnte statt in den eigenen Werken. Jetzt sagte Gelsinger, er gehe davon aus, dass der Großteil der Produktpalette 2023 aus Intel-Fabriken kommen werde. Zugleich sei wahrscheinlich, dass man bei „einzelnen Technologien und Produkten“ verstärkt auf externe Fertiger wie TSMC setzen werde.

Bilderstrecke: So sieht es in einer Chipfabrik von TSMC aus

AMD verkauft bereits 7-Nanometer-Chips
Die 7-Nanometer-Technologie zu meistern ist extrem wichtig für die Zukunft von Intel. Je niedriger die Strukturbreiten, desto mehr Prozessoren passen auf eine Halbleiter-Scheibe bei der Produktion. Zudem arbeiten die Chips dadurch effizienter und stromsparender. Der Konkurrent AMD hat bereits 7-Nanometer-Produkte im Angebot, die er beim Chipfertiger TSMC in Taiwan bauen lässt. Schon bei der aktuellen 10-Nanometer-Technik hatte Intel mit Verzögerungen zu kämpfen.

Mit seinem M1-Prozessor kehrt Apple nicht nur Intel, sondern auch der PC-Prozessorarchitektur x86 den Rücken. In Mac-Computern arbeiten künftig sparsame ARM-Chips, wie sie auch in Smartphones zum Einsatz kommen. (Bild: Apple)
Mit seinem M1-Prozessor kehrt Apple nicht nur Intel, sondern auch der PC-Prozessorarchitektur x86 den Rücken. In Mac-Computern arbeiten künftig sparsame ARM-Chips, wie sie auch in Smartphones zum Einsatz kommen.

Großkunde Apple kehrte Intel den Rücken
Jüngst verstärkte Apple den Druck mit der Umstellung seiner Mac-Computer auf Prozessoren aus eigener Entwicklung statt Intel-Chips. Gelsinger zeigte sich überzeugt, dass der Konzern in eine Position der Stärke zurückfinden werde: „Intel hat auch früher schon Zyklen durchlebt.“ So habe man den Wandel der Branche zu Prozessoren mit mehreren Rechenkernen zunächst verpasst - dann in dem Bereich aber mehr als aufgeholt.

Der neue CEO Gelsinger war mehrere Jahrzehnte bei Intel gewesen, unter anderem als Technologiechef, bevor er 2009 wegging.

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