15.01.2021 12:41 |

Kritik an Weißrussland

Weltverband hat „Plan B“ für Eishockey-WM

Rene Fasel, der Präsident des Internationalen Eishockey-Verbandes (IIHF), lässt in einem Interview durchblicken, dass die A-WM im Mai nicht in Weißrussland stattfinden dürfte. Die IIHF habe „einen Plan B“ im Fall einer Absage, so der zuletzt für seine umstrittenen Reise nach Minsk kritisierte Schweizer.

Sein Besuch am Montag beim weißrussischen Diktator Alexander Lukaschenko mit verschiedenen Forderungen im Gepäck geriet zum kommunikativen Fiasko, nachdem TV-Bilder und Fotos über eine herzliche Begrüßung der beiden die Runde gemacht hatten. Entsprechend unter Druck ist Fasel geraten. Er sei von der „Situation überrumpelt“ worden, sagte der 70-jährige Fasel nun in einem SDA-Interview. Die Bilder seien dem Inhalt des Gesprächs in keiner Weise gerecht geworden.

Das von Lukaschenko offenbar entgegen aller im Vorfeld getroffenen Abmachungen PR-mäßig inszenierte Treffen dürfte die Chancen nicht erhöht haben, dass Minsk im Frühling (zusammen mit der lettischen Hauptstadt Riga) die WM austragen darf. Denn für Fasel „gilt ohne Wenn und Aber“, dass „wir auf keinen Fall eine WM durchführen, die von politischen Kreisen instrumentalisiert wird, weder von der Regierung noch von der Opposition.“

Diesen Standpunkt habe er Lukaschenko persönlich mitteilen wollen: „Wir führten ein hartes Gespräch und machten ihm klar, dass die WM nicht in Weißrussland stattfinden kann, wenn es so weiter gehe.“ Weißrussland steht nach dem mutmaßlichen Wahlbetrug im Sommer und den nachfolgenden Gewalteskalationen gegen Demonstranten unter massivem internationalen Druck.

Fasel hatte eine Chance gesehen, „das Turnier als Anlass der Versöhnung durchzuführen, an dem ein Dialog zwischen Regierung und Opposition zustande kommt“. Bei dem Gespräch am Montag musste Fasel aber feststellen, dass Lukaschenko zwar „bereit sei zum Dialog mit seinem Volk“, er aber „vor niemandem auf die Knie sinke“.

Die Diskussionen seien schwierig geworden, sobald es um die Verfassung und das politische System gegangen sei, so Fasel. „Lukaschenko stellt sich auf den Standpunkt, dass er für die Sicherheit des Landes verantwortlich ist und nichts zulassen kann, dass diese gefährdet.“

Für die IIHF gehe es nun darum, „Ruhe in die Angelegenheit“ zu bringen, alle „rechtlichen Fragen“ zu klären und dann einen „rationalen Entscheid“ bezüglich der WM zu treffen. Den Beschluss, ob Weißrussland Co-Gastgeber der WM sein wird, dürfte Ende Jänner an einer Sitzung des IIHF-Councils gefasst werden.

Im Fall eines Entzugs sei die IIHF selbstverständlich vorbereitet. „Wir haben seit vergangenem Herbst einen Plan B“, so Fasel im Interview. Die Slowakei und Dänemark hätten ihr Interesse signalisiert, als Zweitspielort neben Riga einzuspringen. Und es gebe auch die Möglichkeit, „das gesamte Turnier in Lettland durchzuführen“.

krone Sport
krone Sport
Kommentare
Eingeloggt als 
Nicht der richtige User? Logout

Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung.

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Montag, 01. März 2021
Wetter Symbol

Sportwetten