13.01.2021 10:17 |

Weltweite Studie

Trotz Lockdown: Wien war auch 2020 Stauhauptstadt

Teilweise ist bzw. war im Lockdown vergleichsweise wenig Verkehr, immer wieder sind leere Autobahnen aufgefallen. Doch unterm Strich ist die Verkehrsdichte gar nicht so stark gesunken, wie es sich oft anfühlt. Und der Stau im Berufsverkehr war auch keine Illusion. Eine europaweite Stau-Studie ergab: Allein in Wien haben Autofahrer im Jahr 2020 fast vier Tage im Stau verloren.

Weltweit betrachtet ging der Zeitverlust vergangenes Jahr in 387 von 416 untersuchten Städten zurück, weil die Corona-Pandemie für weniger Staus gesorgt hat. Das geht aus einer Datenanalyse des niederländischen Navigationsgeräteherstellers TomTom hervor. In 16 Fällen stagnierte er, eine Zunahme gab es lediglich in 13 Städten. Auch in Wien, Linz, Graz, Salzburg und Innsbruck stauten die Autofahrer weniger als in den Jahren zuvor.

Wien bleibt Österreichs Staustadt
In Österreich hieß die Stauhauptstadt im Vorjahr erneut Wien. Generell benötigten Autolenker, die in der Bundeshauptstadt im Jahr 2020 zu einem beliebigen Zeitpunkt im Stau standen, im Mittel 26 Prozent mehr Zeit für eine Fahrt als bei frei fließendem Verkehr. Das ist zwar ein Rückgang um zwei Prozentpunkte gegenüber 2019, vor allem in der Rush Hour am Morgen und am Abend war der Zeitverlust nach wie vor hoch.

Wer in Wien stets zu den Stoßzeiten mit dem Auto in die Arbeit unterwegs war, hat demnach im Vorjahr ganze drei Tage und 22 Stunden im Stau verbracht. Eine sonst halbstündige Autofahrt im morgendlichen Berufsverkehr dauerte um elf Minuten länger, am Abend waren es gar 14 Minuten mehr. Am Schlimmsten ging es dabei laut der Auswertung von TomTom stets von Dienstag bis Donnerstag zwischen 16.00 und 18.00 Uhr zu - hier verlor man am meisten Zeit.

Pendler meiden die Öffis
Warum das trotz zweier Lockdowns mit deutlich geringerem Verkehrsaufkommen so war, ist nicht ganz klar. Laut TomTom dürfte sich vor allem die Tatsache bemerkbar machen, dass der sonst so beliebte öffentliche Personennahverkehr während der Pandemie von vielen Arbeitnehmern gemieden wurde, um das Ansteckungsrisiko zu minimieren. Am meisten Verkehr wurde in Wien übrigens am 13. Oktober verzeichnet.

Viel Stau auch in Graz und Salzburg
Auf Platz zwei im heimischen Stau-Ranking landeten 2020 gleichauf Graz und Salzburg (jeweils 23 Prozent mehr Fahrzeit gegenüber frei fließendem Verkehr), wobei der Rückgang in Salzburg gegenüber dem Vorjahr mit vier Prozentpunkten etwas stärker ausfiel als in Graz (minus drei Prozentpunkte). Zwei an sich halbstündige Fahrten zu den Stoßzeiten am Morgen und am Abend kosteten an der Mur in Summe 22 Minuten extra, an der Salzach waren es 20 Minuten mehr. Zeitverlust über das Jahr: 82 bzw. 75 Stunden. In beiden Städten war übrigens der 16. November - der Tag vor Beginn des zweiten Lockdowns - der Tag mit den stärksten Verzögerungen im Verkehr.

In Linz und Innsbruck dauerten Fahrten 2020 im Jahresschnitt um 17 Prozent länger als bei freier Fahrt, beide Städte verzeichneten hier österreichweit mit fünf bzw. sechs Prozentpunkten den stärksten Rückgang gegenüber 2019. Der jährliche Zeitverlust in der Rush Hour lag bei 71 bzw. 59 Stunden, die halbstündigen Fahrten zu den Stoßzeiten verlängerten sich im Vorjahr um insgesamt 19 bzw. 15 Minuten. In Linz war im Vorjahr laut TomTom der 27. Jänner der staureichste Tag, in Innsbruck der 2. Oktober.

Unterschiedliche Stauentwicklung in Österreich
Wie das Unternehmen analysierte, sind die Entwicklungen des Stau-Niveaus in den Monaten nach dem ersten Lockdown von Stadt zu Stadt höchst unterschiedlich ausgefallen: Innsbruck als Studenten-und Touristenstadt sei zwar zu den bekannten Schemata aus dem Vorjahr zurückkehrt, allerdings auf einem deutlich niedrigeren Niveau. In Wien und Salzburg dagegen waren bereits im Juni kaum mehr Unterschiede im Verlauf des Stau-Niveaus an Werktagen festzustellen. Dabei wurden Werte nahezu auf dem Niveau des Vorjahres erreicht - und stellenweise sogar übertroffen.

„Durch Lockdowns bis hin zu geschlossenen Grenzen hat sich die Mobilität der Menschen grundlegend verändert - und zwar sehr schnell“, erklärte Ralf-Peter Schäfer, Leiter des Teams für Verkehrsdaten bei TomTom. Man gehe jedoch nicht davon aus, dass die Verkehrsbelastung weiterhin so niedrig bleibe, wenn es nicht zu einer zielgerichteten und bewussten Änderung des Fahrverhaltens komme.

Generelle Stauverringerung ist möglich, wenn ...
„Wir werden in den nächsten Monaten erleben, dass das Verkehrsaufkommen wieder zunehmen wird. Menschen werden wieder in die Arbeit fahren und zu alten Routinen zurückkehren“, so Schäfer. Ein Ende der Rush Hour durch flexible Arbeitszeiten, Home Office und eine smarte Nutzung von Verkehrsdaten, um die besten Reisezeiten zu ermitteln, erscheine aber durchaus möglich. „Das hängt aber auch von politischen Entscheidungsträgern und Arbeitgebern ab.“

Wien im Weltweit-Vergleich „harmlos“
Im internationalen Vergleich am meisten Geduld brauchten Autofahrer laut TomTom im Jahr 2020 im Großraum Moskau, in Mumbai, Bogota und Manila, wo die Fahrtzeitverlängerung im Berufsverkehr jeweils über 50 Prozent betrug (54/53/53%; zum Vergleich: In Wien waren es 26 Prozent). In Europa waren es nach Moskau die Städte Istanbul und Kiew (je 51%). Wien kommt im weltweiten Ranking auf Platz 99, Graz auf 144, Salzburg auf 148, Linz auf 269 und Innsbruck auf 278. Die stärksten Zunahmen gab es im Vorjahr übrigens im chinesischen Changchun und in Taoyuan in Taiwan.

 krone.at
krone.at
Kommentare
Eingeloggt als 
Nicht der richtige User? Logout

Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung.

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Samstag, 16. Jänner 2021
Wetter Symbol