10.01.2021 08:00 |

Corona-Lockdown

Scarlett allein in der Dolomitenhütte

Weiße Bergspitzen, blauer Himmel: Die Lienzer Dolomiten präsentieren sich als Wintermärchen. Mitten drin lebt Scarlett Olesova, die allein in der Dolomitenhütte den bereits dritten Lockdown verbringt und die Zeit dabei richtig genießen kann.

Bergmenschen, also Leute, welche die wunderschönen Gipfel, schmalen Grate, scharfen Zacken und damit die Faszination unserer alpinen Hochgebirgslandschaft lieben, sind einfach besonders. So wie die sympathische Scarlett Olesova, die seit 13 Jahren die Dolomitenhütte in Osttirol bewirtschaftet und diese in 1616 Meter Höhe gemeinsam mit ihrem Bruder Juraj zu etwas ganz Spektakulärem ausgebaut hat.

Die Panoramazimmer mit Ausblick auf den Spitzkofel mit seinen fünf Türmen und den atemberaubenden Tiefblicken, die der Hütte den Beinamen Adlerhorst eingebracht haben, sind legendär und auf zwei Jahre hinaus ausgebucht. Doch das im Winter beliebte Skitouren- und Rodelziel vieler ist aktuell geschlossen - Corona-Lockdown, der dritte.

„Meine 16 bis 18 Mitarbeiter, die ich sonst hier beschäftige, sind allesamt zu Hause. Ich lebe ganz allein hier oben in der Dolomitenhütte“, erzählt Scarlett bei unserem Besuch. Sie hat mitten in den Lienzer Dolomiten auch ihren Hauptwohnsitz. Obwohl aktuell nichts geht - auch das Yoga-Studio der 41-Jährigen in Lienz ist coronabedingt geschlossen - ist Scarlett entspannt und zufrieden. Doch was macht man so ganz allein in den Bergen?

„Ich habe aktuell einfach sehr viel Zeit zum Nachdenken, Planen und Zeit für mich“, verrät uns Scarlett, die sonst täglich um 5 Uhr morgens aufsteht und bis Mitternacht arbeitet. „Jetzt stehe ich um halb sieben Uhr auf“, schmunzelt die Hüttenwirtin: „Das ist der volle Luxus für mich!“ Doch ein einfaches Hineinleben in den Tag gibt es für die erfolgreiche Unternehmerin, die neben dem Yoga-Studio mit ihrem Bruder auch das Waldhotel Bad Jungbrunn in Tristach, eines der ältesten Heilbäder Österreichs, und einen Shuttledienst betreibt, nicht. Scarlett: „Ich schreibe mir jeden Tag Aufgaben auf und was ich erreichen möchte.“ Und so startet die 41-Jährige mit einer täglichen Routine in den Tag: Sie meldet Wetterdaten und Infos über die aktuelle Schneehöhe an den Lawinenwarndienst Tirol. Aktuell liegt die Schneehöhe übrigens zwischen 2,9 und 3,2 Meter. „Ganz genau kann ich es nicht sagen, denn die zwei Meter lange Messlatte ist längst eingeschneit“, so Scarlett.

Sind die Daten übermittelt, genießt die Osttirolerin eine Tasse Kaffee und tippt auf ihrem Smartphone herum. Denn seit Kärntens Social Media-Profi Peter Maier (@piet_flosse) ein paar Videos über die Dolomitenhütte produziert hat, geht es auf Instagram rund. „Binnen einer Woche haben wir 65.000 Follower und mehr als 2000 Anfragen erhalten“, erzählt die Hüttenwirtin: „Und diese gilt es natürlich auch zu beantworten.“ Spätestens um 9 Uhr früh packt Scarlett dann jedoch ihre Sachen und geht auf Skitour: „Ich gehe jeden Tag hinaus, außer wenn es wie verrückt schneit.“

Denn Tourenziele gibt es rund um die Dolomitenhütte viele, und bei kritischer Lawinensituation fährt Scarlett einfach über die präparierte Tourengeherpiste zum Kreithof ab und geht wieder hinauf. Nach der Skitour wird dann der Holzofen eingeheizt, der wohlige Wärme spendet und die Dolomitenhütte richtig gemütlich macht. Scarlett: „Ich trockne dann meine Ausrüstung und mache mir eine Kleinigkeit zu essen.“ Danach fängt meistens wieder die Büroarbeit an. „Eine meiner weiteren Routinen ist, dass ich mir täglich eine Stunde für Yoga nehme - und zwar nicht nur während des Lockdowns.“ Scarletts Tag endet früh: „Zu Bett gehe ich derzeit, wenn die Sonne untergeht, bin zufrieden und freue mich bereits darauf, wenn der Corona-Lockdown wieder aufgehoben wird und mich Gäste auf der Dolomitenhütte besuchen kommen.“ 

Hannes Wallner
Hannes Wallner
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