18.11.2020 13:42 |

krone.at-Speedtest

So schnell ist das iPhone 12 in der 5G-Rush-Hour

Langsam wird es ernst mit dem Mobilfunk-Turbo 5G. Die Frequenzen sind vergeben, der Netzausbau ist in vollem Gange und die Zahl der Endgeräte wächst - nicht zuletzt dank Apples neuer iPhone-Generation. Aber wie flott surft man mit dem iPhone 12 und seinen Geschwistern mit 5G wirklich? Wir haben es im A1-Netz gemessen und hatten gemischte Ergebnisse. Unter guten Bedingungen lieferte 5G Datenraten von über 100 Megabit in die Wohnung, draußen sogar 200 Megabit. In der Rush-Hour kann die Datenrate aber auch auf ein Viertel absacken. Und außerhalb der Ballungsräume hat man noch kaum wo 5G-Empfang …

Sonntagabend in der Pandemie: Die meisten Menschen sind zu Hause und geben sich den Versuchungen des Cyberspace hin. Es wird gestreamt, gesurft, kommuniziert und gespielt - am Handy, am Tablet, mit PC, Smart-TV oder Konsole. In dieser Internet-Rush-Hour sind wir in Wien mit dem iPhone 12 zum nächsten 5G-Sendemasten gepilgert, um den Mobilfunk-Turbo unter widrigen Bedingungen zu testen. Die Ergebnisse fielen - siehe Video oben - ziemlich gemischt aus.

Auch in der Rush-Hour konnten wir direkt unter dem 5G-Mast Geschwindigkeitsspitzen von 200 Megabit (Mbit) pro Sekunde messen. Wesentlich häufiger lieferte der Speedtest aber Datenraten im Bereich der 50 bis 70 Megabit - mal etwas mehr, mal sank das Tempo sogar auf 30 Megabit. Werte, die weit unter dem liegen, was das 5G-Netz - wir haben ungedrosselt unter Idealbedingungen schon 900 Megabit gemessen - theoretisch kann, die aber eben auch bei starker Netzauslastung entstanden.

Gaming-tauglicher Ping, aber da geht noch mehr
Der Ping - die Zeit, die von der Benutzeranfrage bis zur Antwort des Servers vergeht - lag im Test meist unter 30 Millisekunden. Unter guten Bedingungen lag die Antwortzeit bei unter 20, bei starker Netzauslastung bei 23 bis 30 Millisekunden. Solide Werte, die etwa Online-Gaming möglich machen, für Spiele-Streamingdienste wie Geforce Now könnten sie aber gern noch niedriger sein. Von den einstelligen Ping-Zeiten, die 5G theoretisch möglich macht, ist man hier jedenfalls noch ein Stück entfernt.

100 Megabit in Innenräumen, draußen nochmal mehr
Surft man mit dem iPhone 12 nicht in der Stoßzeit durchs 5G-Netz und zählt man zu jenen Österreichern, die in einer mit 5G abgedeckten Gegend wohnen und einen passenden Tarif haben, sind bessere Werte drin. Hatten wir noch im Frühling nur draußen 5G-Empfang, erreicht das zwischenzeitlich mit zusätzlichen Funkfrequenzen versorgte Netz nun auch Innenräume. Dort waren bei gutem Empfang bei unserer Messung mit dem iPhone 12 Datenraten von 100 Mbit drin, selbst im hintersten Winkel, fernab des Fensters schafften wir noch fast 70. Draußen drangen wir außerhalb der Stoßzeiten in den 200-Megabit-Bereich vor.

Noch kein 5G im Wald, 100 Megabit auch mit LTE erreichbar
Außerhalb von Ballungsräumen surft man mit dem iPhone 12 meist im LTE-Netz. Wir sind mit dem Gerät, das uns A1 freundlicherweise für diesen Test geborgt hat, in ein Waldstück an der Donau nahe Tulln gefahren, um in weniger dicht besiedeltem Gebiet die Datenraten zu testen - und maßen unter guten Bedingungen im LTE-Netz Geschwindigkeiten von 100 Megabit. Bei wachsender Distanz zum Sendemast sank das Tempo auf 20.

Das ist kein großer Unterschied zu dem, was bei hoher Netzauslastung in Ballungsräumen mit 5G zustande kommt. Das wirft die Frage auf, ob man sich überhaupt schon ein 5G-Smartphone wie das iPhone 12 zulegen und bis zu 90 Euro im Monat für einen entsprechenden Tarif hinlegen sollte.

iPhone 12: Tolles Display, starker Prozessor
Am Smartphone soll es nicht scheitern: Im Test machte das iPhone 12 in fast jeder Hinsicht eine gute Figur. Das erste 5G-Smartphone aus dem Hause Apple sorgt nicht nur für hohe Datenraten, wenn der 5G-Empfang passt, sondern überzeugt auch bei Display, Kamera und Rechenkraft.

Das 6,1 Zoll große OLED-Display mit 2532 mal 1170 Pixeln bietet sattes Schwarz, leuchtende Farben, eine gute seitliche Ablesbarkeit und sogar Dolby-Vision-HDR. Apples neuer A14-Bionic-Prozessor sorgt jederzeit für hohes Arbeitstempo, flüssige Bedienung und genug Power für Multi-Tasking und grafisch anspruchsvollere Spiele unter iOS 14.

Die Doppelkamera überzeugt. Bei gutem Licht liefert die optisch stabilisierte 12-Megapixel-Hauptkamera scharfe und lebensechte Ergebnisse, die lichtstarke Blende von F/1.6 sorgt dafür, dass das iPhone 12 auch im Zwielicht gute Fotos macht. Eine Kompaktkamera wird da überflüssig.

Die Zweitkamera mit Weitwinkeloptik steht der ersten bei gutem Licht in nichts nach und ist immer dann praktisch, wenn man ein großes Motiv einfangen will, von dem man sich nicht weiter weg bewegen kann. Eine Zoomkamera wie beim iPhone 12 Pro hat das Standardmodell nicht, die wird aber auch nicht jeder Benutzer brauchen.

Standesgemäße Technik, mittelprächtige Laufzeit
Die übrige Technik ist ebenfalls zeitgemäß: Modernes .ax-WLAN, alle gängigen Navi-Dienste, aktuelles Bluetooth 5.0 und ein etwas scharfkantiges, aber solides und nach IP68-Standard wasserfestes Gehäuse aus Metall und Glas lassen wenige Ausstattungswünsche offen. Entsperrt wird weiter per Gesichts-Scan statt per Fingerscanner.

Ausbaufähig erschien uns die Akkulaufzeit. Zwar stimmt Apple Hard- und Software traditionell gut aufeinander ab und schafft so auch mit kleineren Akkus ordentliche Laufzeiten, beim ersten 5G-iPhone mussten wir mit dem 2815-mAh-Akku aber täglich Strom tanken. Da gibt es ausdauerndere Geräte.

Hülle ist Pflicht, Netzteil liegt nicht mehr bei
Tücken birgt die gläserne Rückseite mit der hervorstehenden Kamera: Hier drohen Kratzer und andere Schäden, denen man mit einer Hülle vorbeugen sollte. Dass bei einem mit 128 Gigabyte Speicher mehr als 900 Euro teuren Luxus-Smartphone weder Ohrhörer noch Ladegerät beiliegen, wird wohl auch nicht jeder goutieren.

Und natürlich ist auch das Apple-eigene Anschluss-Süppchen nicht jedermanns Sache. Während die gesamte Branche auf USB-C als Ladestandard setzt, hält Apple beim iPhone immer noch an seinem proprietären Lightning-Stecker fest - und raubt dem Käufer damit die Möglichkeit, das Gerät an einem der weitverbreiteten USB-C-Kabel zu laden, auf die die Konkurrenz setzt. Kopfhörer mit Kabel sind ohne Adapter auch nicht nutzbar, das ist aber leider längst kein Apple-Unikum mehr.

Gutes Smartphone - aber zahlt sich 5G aus?
In Summe ist das iPhone 12, wenn man mit den Apple-Besonderheiten zurechtkommt, ein sehr gutes Smartphone, bei dem man aber festhalten muss, dass auch die letzte Generation bereits viele seiner Stärken in sich vereinte. Das iPhone 12 bietet im neuen Gewand vor allem ein besseres Display, eine noch etwas lichtstärkere Kamera, die bessere CPU und eben den Daten-Turbo 5G. Von ihm profitiert man aber wiederum nur mit einem passenden Tarif, und der ist momentan noch sehr teuer.

Im A1-Netz, in dem wir unsere 5G-Experimente durchgeführt haben, werden bei unlimitiertem Datenvolumen für bis zu 100 Megabit Downloadrate 65 Euro ausgerufen, 150 Megabit kosten 75 und 300 Megabit 90 Euro im Monat. Für Festnetzkunden gibt es zwar zehn Euro Rabatt, trotzdem sind 65 bis 90 Euro im Monat für die meisten Anwender wohl ein unvernünftig hoher Preis für einen Mobilfunkvertrag. Zumal die Netzabdeckung noch gering ist und im LTE-Netz - freilich ohne unlimitiertes Datenvolumen - ebenfalls Download-Raten von bis zu 100 Megabit versprochen werden.

Fazit: Das iPhone 12 wird Apple-Fans nicht enttäuschen und bietet viel Rechenpower, ein tolles Display und eine nicht minder überzeugende Kamera. Abgesehen von Apple-Spezifika wie dem proprietären Anschluss und dem nicht allzu ausdauernden Akku hat es im Test einen sehr guten Eindruck gemacht. Einen 5G-Vertrag für das iPhone 12 würden wir derzeit aber noch nicht abschließen. Wer in einem Gebiet mit 5G-Netzabdeckung wohnt, bekommt unter guten Bedingungen auch drinnen starke Datenraten. Spürbar schneller als mit LTE surft man aber nur, wenn die Netzauslastung gering, der Empfang gut und der Wohnort bereits mit 5G versorgt ist, was auf weite Teile Österreichs nicht zutrifft. Da kann man ruhig warten und Geld sparen.

Dominik Erlinger
Dominik Erlinger
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