18.10.2020 16:00 |

Jüngere Patienten

Sechs Plätze auf Abhängigkeits-Station in Hall

In der Kinder- und Jugendpsychiatrie in Hall werden jährlich 40 bis 50 suchtkranke Jugendliche behandelt. Insgesamt sechs Plätze stehen dafür zur Verfügung. Die Patienten sind gute 2,5 Jahre jünger geworden, der Anteil des illegalen Medikamentenkonsums ist gestiegen.

Auf der Station werden seit Anfang 2018 substanzgebundene sowie nicht-substanzgebundene Abhängigkeitserkrankungen behandelt. Rund 85% gehören der ersten Kategorie an. „Die Plätze sind so gut wie immer voll belegt“, informiert Direktorin Kathrin Sevecke.

„Die Patienten sind jünger geworden“
Im Unterschied zur Beratungsstelle Drogenarbeit Z6 ist das Verhältnis zwischen männlichen und weiblichen Patienten fast ausgewogen. Die Patienten sind jünger geworden. Die Gründe, warum Jugendliche Drogen konsumieren, sind laut Sevecke vielfältig: „Es ist immer eine Vielzahl von Gründen ausschlaggebend. Häufig spielen Selbstwertprobleme sowie andere psychische Erkrankungen, die nicht behandelt wurden, eine Rolle.“

„Wir bemerken eine Zunahme von Medikamente-Konsum“
Als Einstiegsdrogen nennt sie das Nikotin. Dann führt der Weg meistens über Cannabis weiter zu chemischen Substanzen. „Wir bemerken eine Zunahme von Medikamenten-Konsum. Diese bekommen die Jugendlichen u.a. von Erwachsenen, die sie wiederum von Hausärzten teils großzügig verschrieben bekommen“, sagt Sevecke. Auch an bestimmten öffentlichen Plätzen und in ausgewählten Nachtlokalen seien illegale Substanzen sehr leicht zugänglich.

Ist das Angebot in Tirol für Jugendliche mit Drogenkonsum prinzipiell ausreichend? „Es müsste mehr niederschwellige Angebote geben, die den Übergang zu uns in die Klinik erleichtern. Ein Versorgungs-Konzept namens ,Home Treatment’ liegt bereits bei der Landesregierung“, betont Sevecke.

Behandlung zu Hause
Es stehe dafür, dass das gesamte Team – Arzt, Psychologe, Therapeut, Pflege – zu (substanzkonsumierenden) Patienten und deren Familien nach Hause fahren und vor Ort behandeln können. „Und es benötigt dringend Langzeit-Rehaplätze für drogenabhängige Jugendliche.“ Nicht einmal die geplante Kinder-Reha in Wiesing sei für solche Patienten vorgesehen

404 Beratungen im Vorjahr: Legale Drogen als Einstieg
Es ist ein Beratungsangebot, das die Mitarbeiter der Drogenarbeit Z6 in Innsbruck anbieten. Ziel ist die Gesundheitsförderung. Um das zu erreichen, wird versucht, so viel Wissen als möglich zu vermitteln und bei Veränderungswünschen zu helfen, indem die Schutz- und Risikofaktoren mit Klienten reflektiert werden.

Dass der Bedarf gegeben ist, beweisen die Beratungszahlen. 2019 nutzten 404 Jugendliche und junge Erwachsene das Angebot - 288 männliche und 116 weibliche Klienten. 147 Personen waren mitbetreute Bezugspersonen. „Insgesamt 71% unserer Klienten sind männlich, 29% weiblich. Männliche Jugendliche neigen eher zu einem riskanteren Konsumverhalten, wobei weibliche Jugendliche eher heimlicher konsumieren“, erklärt Beraterin Victoria Bischof. Vergleich: 2018 suchten 407 Jugendliche die Beratungsstelle auf, 2017 waren es 361 und 2016 waren es 354.

Neugierde, Spaß und Co.
„Als Erstes konsumieren die Jugendlichen die legalen Drogen Alkohol und Nikotin - in der Regel aus Neugierde, Spaß, Langeweile sowie auch wegen psychischer Belastungen. Es zeigt sich, dass viele Klienten die Substanzen aus dem privaten Bereich beziehen. Illegale Suchtmittel werden tendenziell vermehrt aus dem Darknet bezogen“, sagt Bischof.

Wunsch nach mehr Angebot
Genügt das Angebot in Tirol? „Ein Ausbau der stationären Krisenplätze für Jugendliche mit hochriskantem Substanzkonsum und sozialpädagogische Wohnkonzepte für konsumierende Jugendliche wären wünschenswert“, sagt Bischof.

Jasmin Steiner, Kronen Zeitung

 Tiroler Krone
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