24.09.2020 05:50 |

Jackpot für Anwältin

Sieg im Kampf gegen fiesen Gewinnspiel-Schwindel

„Sie haben 100.000 Euro gewonnen!“ Normalerweise landet ein Brief mit so einer Benachrichtigung gleich im Müll. Nicht so bei der Grazer Anwältin Julia Eckhart. Sie machte sich die Mühe und forderte den Gewinn beim Wiener Unternehmen ein – und landete kürzlich den Jackpot! 25.000 Euro gehören nun ihr.

Fast jeder von uns hatte ihn schon einmal im Postkasten: einen Brief, der einen riesengroßen Bargeldgewinn verspricht! Und der, weil völlig unglaubwürdig, meistens sofort im Mistkübel landet.

Mutter machte bei Preisausschreiben mit
Auch die Grazer Anwältin Julia Eckhart von Hohenberg Rechtsanwälte erreichte 2017 ein solches Schreiben. Ihre Mutter hatte zuvor für sie bei einem Preisausschreiben mitgemacht und den Hauptpreis – immerhin 100.000 Euro – gewonnen! Ganz offiziell, so zumindest der Eindruck durch Siegel-Kuvert und Feststellungsbescheid. Der sei laut Briefinhalt der Firma mit Sitz in Wien gleichzeitig die Berechtigung zur kostenlosen Anreise zur Gewinnübergabe nach Berlin. Die Draufgabe: ein Katalog mit tollen Schnäppchen aus der bunten Volksmusik- und Schlagerwelt. Wie angegeben, füllte die Juristin die Unterlagen aus und bestellte sogar noch eine CD mit „Omas Hitkiste“. Doch das war’s vorerst – von da an hörte sie nichts mehr von ihrem „Gewinn“.

„Offizielle“ Sendung mit falschem Versprechen
Ein Jahr später beschloss die Anwältin schließlich, das versprochene Geld einzufordern. Und erhielt die Antwort, dass sie leider nicht die Gewinnerin des Hauptpreises sei – obwohl dies so suggeriert worden war.

25.000-Euro-Vergleich
Eckhart berief sich aber auf eine Bestimmung im Konsumentenschutzgesetz, wonach Gewinnversprechen klagbar sind. Allein das Kuvert samt der Unterlagen und Ausdrücken aus der Rechtssprache vermittle den Eindruck einer offiziellen Sendung. Daher beschloss sie das Unternehmen zu klagen. Ihr Brief dürfte dann für ordentlichen Stress in der „Hit-Fabrik“ gesorgt haben: Kürzlich erreichte sie nämlich ein Schreiben des Rechtsvertreters, in dem ihr ein Vergleich in der Höhe von 25.000 Euro angeboten wurde. Jackpot – nach drei Jahren darf sich die Juristin über diese Summe auf ihrem Konto freuen!

Zitat Icon

Das Gesetz für Konsumentenschutz dient dazu, unseriöse Werbemethoden durch Gewährung eines klagbaren Anspruchs hintanzuhalten. Das habe ich genutzt.

Anwältin Julia Eckhart, Hohenberg Rechtsanwälte

„Prozess wäre vielen zugutegekommen“
Was Julia Eckhart aber irritiert: Sie hat ihr Anliegen auch dem Verein für Konsumenteninformation vorgetragen, bot ein gemeinsames Vorgehen und gegenseitige Prozessunterstützung an. „Immerhin haben sicher viele dieses Schreiben erhalten, ein Musterprozess käme vielen zugute. Man teilte mir aber mit, man unterstütze keine Anwälte. Differenziert man hier etwa nach Berufsgruppen?“, so die Steirerin.

Monika Krisper
Monika Krisper
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