17.09.2020 13:33 |

Beliefert Geheimdienst

Firma in China durchleuchtete Millionen Ausländer

Ein IT-Security-Forscher aus den USA hat die Existenz einer 2,4 Millionen Ausländer umfassenden Datenbank eines chinesischen Unternehmens enthüllt, die höchst sensible Infos über die Zielpersonen und sogar deren Verwandtschaft enthält. Es wird vermutet, dass die Datenbank für Militär und Geheimdienst zusammengestellt wurde, um die Beeinflussung von Entscheidungsträgern im Ausland zu erleichtern.

Das berichtet das IT-Portal „The Register“ unter Berufung auf den IT-Security-Forscher Chris Balding, der gemeinsam mit seinem Kollegen Robert Potter eine wissenschaftliche Untersuchung der Datenbank angestellt hat. Der Datensatz stammt von einem Unternehmen namens Shenzhen Zhenhua und soll höchst persönliche Daten über 2,6 Millionen Ausländer enthalten.

Politiker, Diplomaten, Offiziere, Wissenschaftler, Journalisten
Bei den enthaltenen Personen handelt es sich um ausländische Politiker, Diplomaten, Aktivisten, Wissenschaftler, Journalisten, Firmenchefs, Offiziere des Militärs und Regierungsbedienstete. Zu ihnen gibt es nicht nur private Infos, die zum Teil aus sozialen Medien abgesaugt worden sein dürften, sondern sogar hochsensible Informationen über Verwandte oder den Nachwuchs. Auch das Engagement der Personen in politischen oder anderen Organisationen ist erfasst. Die Datenbank sei „technisch komplex“ und nutze „sehr fortschrittliche Klassifizierungs-Tools“, so Balding.

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Der wichtigste Zweck scheint der Informationskrieg zu sein.

Chris Balding, IT-Security-Forscher

Nach Einschätzung von Balding und Potter handelt es sich um eine Datenbank, die dem chinesischen Geheimdienst und Militär dabei helfen soll, ihrerseits einflussreiche Ausländer zu beeinflussen. „Der wichtigste Zweck scheint der Informationskrieg zu sein“, erklärt Balding in einem Blogeintrag. Während der Großteil der Daten aus sozialen Medien und anderen öffentlichen Quellen stammen soll, ist die Herkunft bei 10 bis 20 Prozent unklar, was dafür spricht, dass die Zielpersonen nicht nur mit maschinellen Methoden durchleuchtet wurden.

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Chinesische Geheimdienste, Militärs und Sicherheitsbehörden nutzen die Umwelt der offenen Information, die wir in liberalen Demokratien als gegeben betrachten.

Chris Balding, IT-Security-Forscher

Daten wurden wohl vielerorts illegal gesammelt
Balding und Potter weisen darauf hin, dass die Sammlung der Daten in vielen Fällen vermutlich gegen die Datenschutzgesetze in den Ländern verstoßen hat, in denen die Zielpersonen leben. Die IT-Security-Forscher halten fest: „Chinesische Geheimdienste, Militärs und Sicherheitsbehörden nutzen die Umwelt der offenen Information, die wir in liberalen Demokratien als gegeben betrachten, um gezielt Individuen und Institutionen ins Visier zu nehmen.“ Man beginne erst zu verstehen, wie stark China mit den Daten in Aufklärungs- und Beeinflussungsoperationen im Ausland investiere.

Balding hatte von einem anonymen Informanten eine beschädigte Version der Datenbank in die Hände bekommen und diese gemeinsam mit Potter aufbereitet, um den Inhalt analysieren zu können. Das Unternehmen, aus dem die Daten stammen sollen, sei bekannt dafür, chinesische Geheimdienste, die Armee und Behörden zu beliefern. Die Experten sind sich daher sicher, dass die Daten dazu dienen, „einflussreiche Schlüsselpersonen zu identifizieren und zu verstehen, wie sich Nachrichten und Meinungen in sozialen Medien verbreiten.“

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