29.08.2020 12:23 |

Jugend unter Druck

Die Tücke bei der Lehrstellen-Lücke

Mehr Mobilität und Flexibilität sind gefragt, damit Jugendliche auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten einen Platz finden.

Die Lage ist für alle Betroffenen schwierig: Betriebe, die geschlossen oder großteils in Kurzarbeit sind, nehmen heuer manchmal gar keine Lehrlinge auf oder lassen sich die Entscheidung noch bis Herbst offen. Die Jugendlichen – rund 33.000 Kandidaten hat ein Jahrgang – wollen natürlich möglichst in der Nähe und in ihrem Wunschberuf eine Lehre beginnen. Es gab schon Schätzungen, dass die Zahl der 110.000 Lehrstellen in Österreich um rund zehn Prozent sinken könnte. Doch eine aktuelle Erhebung der Wirtschaftskammer zeigt, dass es per Ende Juli bundesweit immer noch um 1277 mehr offene Lehrstellen gibt als suchende Jugendliche.

Allerdings sind die regionalen Unterschiede groß. Während in Wien viermal so viele Suchende auf eine angebotene Lehrstelle kommen („Lehrstellenlücke“ von 3711 Personen), ist es im Westen Österreichs umgekehrt. Spitzenreiter ist freilich Oberösterreich, wo das Angebot sogar doppelt so hoch wie die Nachfrage ist. „Die Betriebe wissen, dass sie ausbilden müssen, sonst wird der Facharbeitermangel noch größer“, erklärt WKO-Präsident Harald Mahrer. Doch er gibt zu, dass es heuer besonderer Anstrengungen bedarf, damit am Ende möglichst jeder seine Lehrstelle hat.

„Da müssen sich alle bewegen, die Regierung, die Betriebe und die jungen Leute.“ Erstere versucht durch den neuen Lehrlingsbonus den Firmen das Ausbilden zu versüßen. 2000 Euro gibt es für Lehranfänger, die bis Ende Oktober aufgenommen werden. Für Kleinbetriebe (bis zehn Mitarbeiter) kommen noch einmal tausend Euro bzw. 500 euro (bis 50 Mitarbeiter) hinzu. Das sollte für viele ein zusätzlicher Anreiz sein, im Herbst noch Lehrstellen anzubieten. Etliche beim AMS gemeldete offene Lehrstellen galten zuletzt als „nicht sofort verfügbar“, da hofft man, dass sich das bis zum Herbst ändert.

Mahrer appelliert an Eltern und Jugendliche, flexibler zu sein. „Sie sollen sich nicht nur die klassischen Berufe ansehen, wo mitunter der Andrang groß ist, sondern auch die vielen neuen Angebote.“ In Zukunftsbranchen wie IT oder Elektrotechnik z. B. ist der Facharbeitermangel in Österreich nach wie vor evident. Verbessern muss sich auch die Mobilität. Wenn es in einem anderen Bundesland ein gutes Angebot gibt, sollte man sich das genau ansehen. Mahrer: „Die WKO hat für Lehrlinge attraktive Wohnunterkünfte.“

Manfred Schumi, Kronen Zeitung

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