26.08.2020 15:00 |

Salzburger Festspiele

Netrebko begeisterte bei russischer Nacht

Gemeinsam mit ihrem Ehemann Yusif Eyvazov gab die Staropranistin Anna Netrebko ein reines Tschaikowsky-Programm. Mikhail Tatarnikov überdirgierte das Mozarteumorchester Salzburg. 

Wer den finanziellen Aufwand in Kauf nimmt und eine Karte für Starsopranistin Anna Netrebko ersteht, der weiß, was er bekommt: eine der brillantesten Stimmen unserer Zeit und dazu ihren Gatten. Zwei zum Preis von Einem, wobei nur Eine den Preis tatsächlich rechtfertigt. Im Großen Festspielhaus bekamen Netrebko und Eyvazov vom Festspielpublikum am Dienstagabend dennoch Jubel und Applaus.
Natürlich durfte die Netrebko auch im Jubiläumssommer nicht an der Salzach fehlen, schließlich hat sie der Stadt und dem Festival ihren Karrieredurchbruch zu verdanken. Zum Geburtstag schenkte sie den Festspielen in der Reihe „Canto Lirico“ einen Konzertabend ausschließlich mit Musik Tschaikowskys, der so prall gefüllt mit Luft und Konfetti war, wie ein bunter Ballon auf einem Kindergeburtstag.

Große Stimme, große Robe, Anna Netrebko weiß, was ihr Festspielpublikum von ihr will, und sie gibt es ihm auch. War sie in letzter Zeit meist mit italienischem Repertoire unterwegs, hatte sie für Salzburg Material aus der Heimat im Gepäck. Die mittlerweile in Wien lebende russische Sängerin teilt Herkunft und Muttersprache mit Tschaikowsky, dessen Arien aus „Pique Dame“, „Eugen Onegin“ und „Iolanta“ sie zusammen mit Ehemann Yusif Eyvazov sang. Ihrer in den letzten Jahren deutlich gewachsenen Stimme stand das ausgezeichnet. Mit der Opulenz von Tschaikowskys „Pique Dame“ spielte sie in herzzerreißenden Höhen und melancholischen Tiefen mit raumgreifender Fülle. Selbst mit zum Publikum gewandtem Rücken war sie dabei astrein verständlich. Große Arien aus intimen Momenten machen kann sie, und so wurde aus der schüchternen Tatjana aus Tschaikowskys „Eugen Onegin“ eine vor Selbstbewusstsein strotzende Strahlefrau.

Dazu und auch nur dazu passte Mikhail Tatarnikovs Dirigat des Mozarteumorchesters Salzburg. Russischen Landsmännern wird oftmals ein Hang zum Überladenen nachgesagt, und dieses Klischee bestärkte der Dirigent auch auf Kosten von Tschaikowsky und dem Mozarteumorchester, das eigentlich für einen eher schlanken und eleganten Klang bekannt ist, am Dienstag aber derart wuchtig klang, als hätte es den ganzen Geburtstagskuchen für die Festspiele alleine verschlungen und zuvor auf einen Satz alle Kerzen ausgeblasen.

Zugabe blieb aus

Dieser Wucht kann eine Anna Netrebko standhalten, daraus vielleicht sogar noch den einen oder anderen Glanzmoment für sich ziehen, nicht aber ein Yusif Eyvazov, der zwar versuchte mitzukommen, in den meisten Tutti-Passagen allerdings unterging. Auch wenn er sich in Deutlichkeit und den metallenen Mitten merklich gebessert hat, so musste er doch meistens noch gerade in den Spitzen stemmen, die seine Frau mit einem leichten Flügelschlag überflog. Tatsächlich gelangen ihm die Duettstellen mit Netrebko am besten, wie beispielsweise in der letzten Arie „Twojo moltschanje neponjatno“, in der ihm die hohen Haltetöne immerhin sauber gelangen, vermutlich jedoch deshalb, weil seine Aufmerksamkeit in diesen Momenten nicht dem Druck, sondern seiner Liebsten galt.

Viel hilft am Ende nicht immer viel. Nach knapp 80 Minuten großer, bis zur Unendlichkeit platt getretener Momente inklusive Schmuseeinheit nach dem ersten Duett, hatten es die beiden auf einmal furchtbar eilig, von der Bühne zu kommen. Zurück ließen sie ein vor Freude johlendes Publikum, dessen Bemühungen um eine Zugabe allerdings erfolglos blieben.

 Salzburg-Krone
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