22.08.2020 06:01 |

„Internet of Crimes“

So lauschen Alexa und ihre neugierigen Freundinnen

Hatten Sie nicht auch schon mal das Gefühl, dass man Ihnen zuhört, ohne dass jemand im Raum war? Haben Sie mitunter auch schon erlebt, dass beim Surfen im Web Werbung über Produkte eingeblendet werden, über die sie davor mit Freunden nur gesprochen haben?

Die meisten kennen „Alexa“ und „Siri“, „Google Assistant“, „Cortana“ (von Microsoft) oder „Bixby“ (von Samsung). Diese digitalen Assistentinnen sind praktisch und mit ihnen gelang die Realisierung eines völlig neuen Interfaces Mensch-Maschine. Wir müssen nicht mehr in eine Tastatur tippen, Befehle werden per Sprachsteuerung erteilt.

Gelauscht wird ständig
„Siri, spiele mir das Lied vom Tod!“, „Alexa - bestelle Sushi!“, „Google Assistant - wie ist der Verkehr auf meinem Weg zur Arbeit?“, „Cortana, sag mir, wie das Wetter wird!“, „Bixby - checke meinen Puls!“ Die smarten Lautsprecher-Mikrofon-Kombis sollen uns das Leben erleichtern, Alexa & Co. warten darauf, dass wir jenes Wort sagen, mit dem sie aktiv werden können. Sie hören folglich also immer zu, sie lauschen ständig.

Früher Datenschutz-Horrorszenario, heute Alltag
Was vor einigen Jahren noch unvorstellbar war und als Daten- und Privatsphärenschutz-Horrorszenario schlechthin begriffen wurde, ist inzwischen für viele Menschen Alltag. Ein Gerät, das buchstäblich alles hören kann, was man sagt.

Das erinnert auffallend an George Orwells „Televisor“ in seinem Roman 1984. Ein TV-Überwachungsapparat, der zugleich Sende- und Empfangsgerät ist und in jedem Haus in Orwells Roman 1984 verbaut war, um die Bürger Ozeaniens überwachen und ihnen Anweisungen erteilen zu können.

Im Internet-of-Things-Zeitalter muss der Staat gar keinen Televisor mehr installieren, das haben die Bürger längst selbst getan, weil sie Geräte wie Smartphones nutzen. Oder digitale Assistenten, die ja offiziell nicht als Abhör- und Spyware, sondern als Lifestyle-Produkte verkauft werden.

Sprachsteuerung macht uns kontrollierbar
Die Sprachsteuerung hat die Kommunikation Mensch-Maschine auf der einen Seite vereinfacht, uns aber auch kontrollierbarer gemacht. Denn die digitalen Sprachassistentinnen speichern Daten, die von anderen ausgelesen werden können - von Amazon, Apple oder Google sowieso, aber es mehren sich die Fälle, dass auch die Polizei Zugriffe auf diese Sprachaufzeichnungen haben will. Erst im Vorjahr forderte die US-Polizei im Mordfall Silvia Galva von Amazon die Herausgabe von Sprachaufzeichnungen, weil am Tatort ein Echo-Lautsprecher stand.

Auch für Cyberkriminelle interessant
Alexa & Co. werden aber auch von Cyberkriminellen attackiert. Alexa verfügt über 50.000 Funktionalitäten, ist mit 20.000 Geräten kompatibel und wird von mehr als 3500 Marken verwendet. Logisch, dass dieser technologische Bereich auch für Cyberkriminelle interessant ist. Und sie können tatsächlich auch gehackt werden, mit so genannten „Audio-Injektionen“. Fünf Wissenschaftler der University of Electro-Communications in Tokio und der University of Michigan haben Sprachassistenten mittels Licht attackiert: Per Laser konnten sie Befehle in verschiedene sprachgesteuerte Geräte über große Entfernungen und durch Glasfenster quasi „injizieren“.

Mit einem Laserstrahl, der auf das Mikrofon zeigt, wandelt das Mikrofon das elektrische Signal des Lichts in einen Befehl um. Das funktionierte auch aus einer Distanz von mehr als 100 Metern. Damit kann man jedes sprachgesteuerte Gerät, vom Tablet über den Lautsprecher bis hin zum intelligenten Türschloss manipulieren - das die Garage öffnet, in der der teure Wagen steht.

Die Sprachbefehle landen in der Cloud
Wie eine digitale Assistentin funktioniert, ist einfach erklärt. Über ein Mikrofon wird der Befehl in die Internet-Cloud geschickt, in der eine Software jedes gesprochene Wort analysiert und entsprechend dem Befehl/Wunsch reagiert wird. Alle gesprochenen Daten bleiben nicht nur bei Amazon & Co. gespeichert, sondern werden auch ausgewertet, damit die Systeme noch besser werden.

Amazon setzt übrigens Qualitätsverbesserer ein - Menschen (im Home-Office) sichten das Material, also Sprachbefehle und Kommunikationen, um die Sprachtechnologie zu verbessern. Und dieser Bereich ist höchst lukrativ. Auch aus einem weiteren Grund: Die Betreiber dieser digitalen Assistenten können nämlich das Spracherkennungssystem mit dem Werbesystem kombinieren und die Sprachbefehle integrieren.

Offiziell wird dies nicht bestätigt, aber warum bekommt man, wenn man mit dem Smartphone am Tisch über ein Produkt redet, beim nächsten Mal surfen im Web plötzlich Werbung solcher Produkte eingeblendet? Die Hersteller argumentieren mit „Künstlicher Intelligenz“ (KI). Doch kann KI schon so gut sein, dass sie derart präzise in die Zukunft schauen kann?

Mehr lesen Sie im Buch „Internet of Crimes“:

  • Wie man mit einer Taschenlampe Siri & Co. knacken kann
  • Warum und wie sich Sprachassistenten selbst aktivieren?
  • Welche Alexa-Anfragen Amazon über Sie gespeichert hat
  • Warum man seine Gäste informieren sollte, wenn man Sprachassistenten in seiner Wohnung nutzt.

Auszüge aus „Internet of Crimes“ wurden krone.at zur Verfügung gestellt.

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