31.07.2020 11:59 |

Junge mehr betroffen

„Babyelefant nicht gekillt, brauchen ihn weiter“

Als „nach wie vor dramatisch“ hat Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) am Freitag die globale Situation in Sachen Corona-Pandemie beschrieben - und auch Österreich ist derzeit wieder mit steigenden Infektionszahlen konfrontiert. So sei die Anzahl der Neuerkrankten in Österreich derzeit „vergleichsweise wieder sehr hoch“, weshalb der Minister gemeinsam mit Hygieneexperten und Medizinern ein Plädoyer für das Tragen von Masken und für den berühmten Babyelefanten hielt - selbst gebastelte Kartonfigur inklusive.

„Der Babyelefant ist keinesfalls gekillt, wir brauchen ihn weiterhin“, ließ Anschober am Freitag wissen. Zwar sei der Mindestabstand momentan nicht per Strafsanktion vorgeschrieben, aber dennoch sei es notwendig, selbigen weiterhin einzuhalten. Denn selbst die Modellländer wie Israel hätten momentan keine erfreuliche Entwicklung zu verzeichnen, dramatisch sei die Situation in den USA, Brasilien oder Indien. 

Anschober betonte, dass es in Europa nach „sehr guten Entwicklungen“ nun eine leichte Trendumkehr gebe, in manchen Ländern würden wieder teils drastische Maßnahmen gesetzt werden müssten. In Österreich sind Wien und Oberösterreich aktuell die Hotspots in Sachen Neuinfektionen, wobei zunehmend junge Menschen betroffen seien. 

Mehr Tests im Tourismus und in Risikobereichen
Was die Testreihen angeht, so werden derzeit auch verstärkt asymptomatische Personen getestet, besonders im Tourismus und in Risikobereichen, wie etwa in schwierigen Wohn- und Arbeitssituationen. Auch in den Gesundheitsberufen werde mehr getestet. Aktuell steht man bei rund 890.000 Tests, bis zum Wochenende werde laut Anschober die 900.000er-Marke geknackt. Der Anteil an positiven Covid-19-Tests sei dabei mit 1,7 Prozent recht stabil, allerdings seien mittlerweile rund 26 Prozent der positiv getesteten Personen ohne Symptome.

Der Gesundheitsminister betonte zudem, dass aktuell vermehrt junge Menschen von den Neuinfektionen betroffen seien und appellierte: „Bitte glauben Sie nicht, dass nur Ältere sich anstecken können. Es gibt keinen Grund zu glauben, dass wir uns nur dann richtig verhalten müssen, wenn der Staat uns mit Strafen droht.“ Daher sei es wichtig, konsequent Abstand zu halten, Hygienemaßnahmen einzuhalten und den Mund-Nasen-Schutz zu tragen.

Peinlich, dass es eine Pandemie braucht, damit wir Hände waschen“
Hygienikerin Miranda Suchomel betonte, sie selbst sei anfangs auch nicht „rasend begeistert“ von der Maske gewesen, mittlerweile sehe sie das aber anders. Da die SARS-CoV-2-Viren vor allem durch Tröpfchen übertragen werden, sei die Masken wichtig - ebenso wie das richtige Händewaschen: „Ich finde es fast ein bisschen peinlich, dass es erst eine Pandemie braucht, damit die Leute sich endlich richtig die Hände waschen.“

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Diese Maßnahmen sind nicht aus dem Zauberhut, viele sind einfach Basishygiene und stinknormale Verhaltensregeln, die wir schon in der Kindheit lernen sollten.

Hygiene-Expertin Miranda Suchomel

„Maske hilft nichts, wenn man sie schlampig trägt“
Infektiologe Florian Thalhammer von der MedUni Wien betonte, dass Texilmasken beinahe einen ähnlich guten Schutz böten wie OP-Masken. FFP-Masken mit Atemschutz brauche man im Alltag absolut nicht. Und: „Es hilft alles nichts, wenn man die Maske schlampig trägt, etwa unter der Nase oder als Kinnschutz. Da können S‘ auch gleich gar nix tragen.“ Der Professor plädierte sogar für „No mask - no service“: „Wenn ein Patient zu mir in die Ordination kommt ohne Maske, dann muss ich ihn nicht behandeln. Ich muss mich ja nicht selbst gefährden.“

Für ihn sei es keinesfalls verwunderlich, dass aktuell besonders junge Menschen von den Neuinfektionen betroffen seien: „Man braucht ja nur an den Donaukanal schauen, da liegen sie wie die Sardinen im Öl. Da muss man sich dann nicht wundern.“ Um Abstand zu halten, brauche es seiner Meinung nach kein Gesetz: „Das hat etwas mit Eigenverantwortung zu tun. Und damit, andere nicht zu gefährden.“

Michaela Braune
Michaela Braune
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