03.07.2020 14:09 |

„Neuer Tiefpunkt“

Ärger über Zwangsinstallation von Microsoft Edge

Eigentlich sollte der neue, auf dem technischen Grundgerüst von Google Chrome basierende Edge-Browser aus dem Hause Microsoft die Schwäche des US-Konzerns am Browser-Markt beenden. Arg aggressive Reklame und der Umstand, dass es zur Zwangsinstallation kommt, haben aber offenbar eher den gegenteiligen Effekt. Auf Twitter schimpfen die Windows-Nutzer, manch einer vergleicht den Browser gar mit Malware.

Der Grund dafür ist weniger der Browser selbst, den Tester im Vergleich zum Vorgänger durchaus für seinen Funktionsumfang und seine Geschwindigkeit loben. Vielmehr hat Microsoft offenbar aus früheren arg invasiven Marketing-Praktiken nichts gelernt, den Browser ungefragt per Windows-Update zwangsinstalliert, ihn - man könnte ihn ja übersehen - sicherheitshalber an die Taskleiste gepinnt und per nur durch das Killen des Tasks unterbrechbarer bildschirmfüllender Werbepräsentation beworben.

Eine Vorgehensweise, die von Windows-Nutzern als penetrant empfunden wird. Auf Twitter erntet der Software-Konzern entsprechend viel Kritik. Dabei geht es den Nutzern nicht nur um ihre nicht eingeholte Zustimmung, sondern auch darum, dass es auf manchen PCs bei der Installation zu unverhofften Neustarts kommt - Datenverlust inklusive, wenn die Arbeit vorher nicht gespeichert wurde, wie Betroffene berichten. Ungefragter Zugriff auf andere Browser wurde ebenfalls bemängelt.

„Warum glaubt Microsoft, das sei angemessen?“
Nicht nur bei den Nutzern, sondern auch in der Fachwelt erntet Microsoft Unverständnis für die Art und Weise, wie man den neuen Edge-Browser unters Volk bringt. Beim US-Technologiemagazin „The Verge“ spricht man nach den nicht minder invasiven Windows-10-Upgrade-Drängeleien des Softwareriesen von einem „neuen Tiefpunkt“ und fragt: „Warum glaubt Microsoft, das sei angemessen?“ Die Methoden, die der Konzern einsetzte, um seinen Edge-Browser zu pushen, seien mit jenen von Spy- oder Adware vergleichbar.

Genützt hat Microsoft seine Zudringlichkeit offenbar wenig. Wie das IT-Portal „Golem“ berichtet, hat der Marktanteil von Microsoft Edge durch die neue Version des Browsers bestenfalls schwach zugelegt: Bei W3schools hat man einen Marktanteil von 3,5 Prozent gemessen - sogar noch ein halbes Prozent weniger als beim alten Edge-Browser. Andere Statistikanbieter sehen Microsoft Edge - die alte und die neue Variante - zwischen sechs und sieben Prozent Marktanteil. Zum Vergleich: Der Platzhirsch Google Chrome hat rund 70 Prozent - und wird angesichts des invasiven Vorgehens bei Microsoft wohl auch nicht so schnell in Bedrängnis kommen.

Dominik Erlinger
Dominik Erlinger
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